Liebe Schafreunde,
ein weiteres Jahr ist Geschichte und ich möchte die Gelegenheit nutzen, auf das Schachjahr 2015 zurückzublicken. Im Weltschach hat sich Einiges getan, so ist Carlsen bis auf 2834 runtergerasselt und FIDE-Präsident Kirsan "der Immergute" Ilyumzhinov wurde aufgrund politischen Drucks seitens der USA zum Rücktritt gezwungen. Ich gehe davon aus, dass alle Schachsportler, die schon länger in der Branche agieren, eine feste Meinung zu dem werten Herrn haben.
Gefühlte 24 Klassen tiefer dümpelte ich indes auf diversen Opens rum, wo ich alles daran tat, meine Gegnerschaft von meiner Unfähigkeit zu überzeugen. Es war ein recht durchschnittliches Jahr, ohne große Akzente, dennoch gab es ein paar Ausreißer nach oben bzw. unten. Gut begann das Jahr als ich beim Kaiser Open in Bad Ems 8/9 erzielte, dabei 2 IM-Skalps erbeutete, aber leider wie so oft buchholzmäßig glücklos blieb und am Ende nur den 2. Preis ergatterte. Farblos ging es dann beim Neckar Open weiter. In der ersten Turnierhälfte spielte ich noch gut, in der 2. Hälfte dann nur noch Remise und verteilte meine Ratingpunkte quer durch ganz Deutschland. Da dies ein wiederkehrendes Phänomen ist, habe ich konditionelle Defizite in Verdacht, vielleicht werde ich aber auch einfach nur zum Altruist, wer weiß? In Hassloch und beim St.Pauli Open sollte es ähnlichen verlaufen, in beiden Turnieren gingen Punkte flöten. Ein weiterer Misserfolg war die Koblenzer Stadtmeisterschaft, auf der ich abermals Punkte verlor und nicht die angestrebten 7/7 erreichte, wie bei meinen beiden letzten Teilnahmen. Das Jahr beendete ich in Böblingen, wo ich in bester Manier das Turnier mal wieder mit 4 Remisen ausklingen ließ, symptomatisch für das gesamte Schachjahr.
Auch wenn bei Opens der Erfolg ausblieb, punktete ich wenigstens für die Mannschaften. In Belgien stehen in der Saison 2015/16 aktuell 3,5/4 zu Buche (bei 2 IMs und einem FM) , während ich für meine Heimmannschaft bis dato 3/4 erspielte bei einem Gegnerschnitt von knapp über 2300. Diese erfreulichen Ergebnisse führten unter dem Strich zu einer fühlbaren Elosteigerung auf 2340. Bis zum IM ist es trotzdem noch ein weiter Weg. Im Folgenden möchte ich einige interessante Partien aus diesem Jahr präsentieren, sozusagen das Best-of 2015.
Winterberg - Nazarenus, M. (2214)
Beginnen möchte ich mit einer Partie, die beim Böblinger Open gespielt wurde. Mein Gegner, der auf einige Jahre Oberliga und 2.BL zurückblicken kann, ist sicher kein Anfänger, auch wenn er in dieser Partie nicht gut wegkommt.
1.d4 d5 2.Sf3 c6 3.c4 Sf6 4.Sc3 e6 5.e3 Sbd7 6.Dc2 Ld6 7.Ld3 dxc4 8.Lxc4 b5 9.Le2!? mein neuester Ansatz, der viel giftiger ist, als man vermuten möchte. Lb7 10. 0-0 0-0 11.e4 e5 12.dxe5 Sxe5 13.Sd4!? das ist die Pointe. Der Schimmel strebt gen f5, mit diesem Zug erklärt sich Weiß bereit dazu einen Bauern für positionelle Kompensation ins Geschäft zu stecken. In der Saison spielte ich bereits so gegen FM Pucher, der hier fast 45min. investierte. Das gesamte weiße Konzept scheint auf Clublevel sehr unbekannt zu sein, obzwar die Idee aus dem Jahr 2013 stammt. Aus unerklärlichen Gründen stieß auch ich erst Mitte 2015 auf diesen Spielansatz. 13...Seg4 14.g3 Selbstverständlich wäre der Rückzug 14.Sf3 lächerlich, während 14.h3 Lh2+ 15.Kh1 Sxf2+ 16.Txf2 Dxd4 dem Schwarzen gutes Spiel einräumt. 14...Lxg3? konsequent gespielt, doch in meinen Augen ein Fehler. 15.hxg3 Dxd4 16.Dd1!
das ist der Schlüsselzug, Schwarz wird der Damentausch aufgezwungen, wonach die positionellen Defizite langsam aber sicher ausgeweidet werden können. Auf den ersten Blick wirkt die schwarze Stellung solide, erweist sich
aber bei genauerer Betrachtung als Potemkinsches Dorf. Schwarz wird im
Folgenden die Schwächung der schwarzen Felder, die schlechte
Bauernstruktur am Damenflügel, den deplatzierten Lb7, sowie die wacklig
stehenden Rappen bereuen. Wie bisherige Partien zeigen, kämpft Schwarz
trotz Mehrbauer um Remis, ohne selbst über irgendwelche Gewinnchancen zu
verfügen. Das schlimmste, das dem Anziehenden passieren kann, wäre ein
Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern, in welchem ein Minusbauer nicht weiter tragisch wäre. 16...Dxd1 17.Tfxd1 Tfe8 FM Pucher setzte hier schwächer mit 17...Se5 fort, was nach 18.f4 zu konkreten Problemen hätte führen können. Stattdessen spielte ich schematisch 18.f3, überspielte ihn langsam, zeigte dann eine schockierend schlechte Technik, musste lange nachsitzen und gewann am Ende glücklich nach 98 Zügen. 18.f3 Se5 19.Le3 Sg6 20.Kf2! ein weiterer Schlüsselzug in diesem System. Schwarz drohte, sich mittels Sd5 zu entlasten. Daher deckt Weiß prophylaktisch den Le3 und unterbindet jedwede Tricks. 20...h5 Es fällt schwer, für Schwarz einen vernünftigen Plan zu finden, daher muss er sich mit zweitklassigen Zügen ohne tieferen Sinn begnügen. 21.a4! die weißen Figuren sind ideal platziert, es wird Zeit aktiv zu werden. 21...b4?! umsichtiger war wohl 21...a6, auch wenn es das Feld b6 abtritt. Schwarz behält eine halbwegs solide Stellung und kann sich zaghafte Hoffnungen auf einen erfolgreichen Widerstand machen. 22.Sb1! dies ist stärker als 22.Sa2, was 22...a5 23.Sc1 c5 mit der Drohung 24...Lxe4 erlauben würde. Die Opferidee auf e4 ist der einzige Trick, auf den der Schwarze bauen kann. 22...c5 23.Sd2 selbstverständlich nicht 23.Lxc5 Lxe4 und Schwarz mischt kräftig mit. 23...h4?! dies kommt Selbstmord gleich, allerdings fällt es bereits schwer, etwas Vernünftiges vorzuschlagen. Der c5 wird nach Tac1 fallen und um Schwarz ist es in jedem Fall schlecht bestellt. 24.gxh4 Der Rest ist Agonie. Tac8 25.Tac1 Te5 26.Sc4 Te6 27.Sd6 Tb8 28.Lxc5 Sh5 29.Lc4 Tf6 30.Sxf7 Sxh4? 31.Sg5+ Kh8 32. Th1 ein bezeichnendes Schlussbild, das alle oben beschriebenen Defizite der schwarzen Stellung in ihrer Gesamtheit erfasst und in gnadenloser, unverblümter Form widergibt.
Als zweites möchte ich eine Partie vom St.Pauli Open vorstellen, die ich gegen eine aufstrebende Spielerin gewann. Nützlich waren dabei die Erkenntnisse, die ich aus GM Gustafssons Videoserie über den Marshall-Angriff ziehen konnte.
WFM Sieber (2122) - Winterberg
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 Le7 6.Te1 b5 7.Lb3 0-0 8.c3 d5 9.exd5 Sxd5 10.Sxe5 Sxe5 11.Txe5 c6 12.d3 so spielte meine Gegnerin bereits zuvor, daher richtete ich bei der Vorbereitung mein Hauptaugenmerk auf dieses System, welches ambitionierter ist, als es anmuten mag. 12...Ld6 13.Te1 hier zeigt sich der Unterschied zwischen 12.d3 und 12.d4. Stünde der Bauer auf d4, könnte Schwarz nun gut mit 13...Dh4 14.g3 Dh3 15.Te4 g5! vorsetzen, da 16.Lxg5 an Df5 mit Doppelangriff auf Turm und Läufer scheitert. Mit dem Bauern auf d3 jedoch, wäre der Te4 am Ende gedeckt, Schwarz muss sich also etwas Anderes einfallen lassen. 13...Lf5 14.Df3 das ist der Grund, weshalb 12.d3 derzeit so beliebt ist. Häufig erhält Weiß einen mikroskopischen Vorteil im damenlosen Endspiel, in welchem er risikolos auf Gewinn spielen kann. Möglicherweise sind die schwarzen Probleme nicht allzu gravierend, doch haben selbst starke GMs wie Aronian, Caruana oder Adams besagtes Endspiel schon mit Schwarz verloren. Daher ist Vorsicht geboten. 14...Te8!? ein frischer Ansatz, den GM Gustafsson empfiehlt. Er führt zu anderen Stellungstypen und lässt sich offenbar nicht widerlegen. 15.Txe8+ Dxe8 16.Ld2?! dies ist bereits ungenau. Nach 16.Sd2 De1+ 17.Sf1 entstünden indes sehr komplizierte Abspiele, die beiden Seiten viel Präzision abverlangen.
16...De6 17.Sa3 Te8 18.Sc2 Lg4 19.De4 Dd7 20.Dd4 Te5!
Eine sehr starke Idee, für die ich fast 25min. investierte. 21.h3 scheitert nun an 21...Lxh3, 21.f4 Te2 ist sehr unangenehm für Weiß, während Weiß nach 21.Te1 c5 22.Dxe5 Lxe5 23.Txe5 nicht genügend Kompensation für die Dame erhielte. Was also soll Weiß überhaupt gegen die Drohung c5 unternehmen? Die Engine findet eine Rettung, es sollte die letzte Chance für Weiß in dieser Partie sein. Der Silikonkopf zieht unbeeindruckt 21.Se3! und nach 21...Sxe3 22.Lxe3 c5 23.Df4 Th5 schätzte ich die Stellung als klar besser für Schwarz ein, da ich den h2 gratis mitnehme. Die Engine rechnet allerdings weiter. 24.De4 Lxh2+ Kf1 und es zeigt sich, dass die Drohung Da8+ Weiß in der Partie hält. Schwarz hat hier diverse Ansätze, Vorteil sollte allerdings nicht zu holen sein. Am Brett ist diese rettende Idee natürlich nicht leicht mit Weiß zu finden. Meine Gegnerin zog stattdessen 21.f3? Lxf3 22.gxf3 Te2 23.Dg4 Dxg4+ 24.fxg4 Txd2
die Damen sind zwar vom Brett verschwunden, dafür wütet ein Turm auf der zweiten Reihe. 25.Te1 g6 der Bauer h2 ist belanglos, da Weiß ihn ohnehin nicht zu halten vermag. h3 würde in Sf4 laufen. 26.Se3 Sf4 27.Sf1 Sh3+ 28.Kh1 Txb2 29.Te8+ Kg7 30.Te8 Le7 31.Td7 Kf8 32.Ta7 Weiß verteidigt sich gegen die vernichtende Drohung a5-a4 doch es hilft nichts Sf2+ 33.Kg1 Sxd3 34.Txa6 Lc5+ 35.Kh1 Tb1 36.Kg2 Sf4+ 37.Kg3 Txf1 38.Txc6 Se2+ 39.Kg2 Tf2+ 40.Kh3 Le3 0-1 Die Engine hätte nur an 2 Stellen anders forgesetzt, was der Partie objektiv betrachtet einigen Wert verleiht.
Zu guter Letzt möchte ich eine Partie vorstellen, die ich verloren habe. Das Spiel meines Gegners verdient die Auszeichnung hier vorgestellt zu werden.
GM Stupak (2542) - Winterberg
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.g3 c5 4.Sf3 cxd4 5.Sxd4 d5 6.Lg2 ich konnte mich zwar daran erinnern, dass Schwarz hier ganz gut prinzipiell spielen kann mit 6...e5 allerdings war mir das zu unsolide und allzu viel konnte ich auch nicht mehr rekonstruieren. Daher wählte ich einen sichereren Aufbau. 6...Le7 7.cxd5 cxd5 8.0-0 0-0 Ich muss gestehen, dass ich kein großer Fan von solchen Isolanistrukturen bin, meine Ergebnisse sind auch ziemlich schlecht. Objektiv sollte Weiß etwas Vorteil haben, da er Druck ausübt, während ich etwas passiv stehe. 9.Sc3 Sc6 10.Lf4 Le6 11.Tc1 Dd7 12.Sxe6 fxe6 13.Lh3 Sh5!?
Eine unerwartete Reaktion, davon beseelt den Läufer auf ein schlechteres Feld zu treiben. 14.e3! richtig gespielt, den Läufer kann Weiß entbehren, da er die halboffene e-Linie für seine Schwerfiguren erhielte. 14...Sxf4?! vernünftiger war wohl 14...g6, was die Spannung aufrecht erhält, auch wenn Weiß nach wie vor mehr vom Spiel behält. 15.exf4 Lf6 16.Te1 Tae8
Hier entkorkte mein Gegner ein taktisches Feuerwerk! Diejenigen, die selbst knobeln wollen, sollten hier innehalten und nicht weiterlesen.
17.Sxd5! Dxd5 18.Lxe6+ Dxe6 19.Txe6 20.Dd5 Sd4 21.f5 Td8 was nun? Hat sich Weiß verdribbelt? Ich war tatsächlich naiv genug das zu glauben, da 22.Dc4 nun in 22...b5 -/+ läuft. Allerdings währte meine Freude nicht lange, denn mein Gegner knallte augenblicklich 22.Tc8!! aufs Brett.
Zunächst verstand ich das Problem nicht und nahm optimistisch auf c8. 22...Txc8 23.fxe6 und hier dämmerte es mir langsam. Es droht 24.e7+ nebst Df7 und der weiße Bauer promoviert. 23...Td8 hilft nicht wegen 24.e7 Txd5 25.e8=D#, 23...Kf8 scheitert indes an 24.Dd7 mit der unabwendbaren Drohung Df7#, während 23...Kh8 wiederum an 24.Dd7 nebst e7 scheitert. Eine großartige Stellungsbewertung meines Gegners. Nicht nur, dass er 22.Tc8!! gefunden hat, er hat die Konsequenzen auch richtig eingeschätzt. Schwarz ist verloren. 23...Sc6 was sonst? 24.Dd7 Tb8 25.b4! a6 26.a4 h6 27.Dc7 Ld8 mir ist es nicht gelungen, den Bauern e6 dingfest zu machen, die weiße Dame dominiert und setzt nun zum finalen Schlag an. 28.Df7+ Kh7 29.b5 axb5 30.axb5 Se7 31.Df4! Tc8 32.De4+ 1-0
Eine starke Vorführung meines Gegners!
Abschließen möchte ich diesen Artikel mit der "Gurke des Jahres":
Winterberg - Vöge,T. (2171)
Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich schon grausig gespielt, mit De7+ wäre es nun an der Zeit gewesen das Remis zu forcieren. Stattdessen folgte 25.Dg6+?! Kf8 es bot sich die erneute Chance mit 26.Dd6+ die Friedensverhandlungen einzuleiten. Was ich stattdessen spielte bewog mich zu ausdauerndem Kopfschütteln. 26.Sxd4??? mit der Idee gespielt, nach Dh2+ Kf3 zu ziehen und sogar Vorteil zu behalten. Was mir entging war das simple 26...e4!, was die dämliche Stellung der Dg6 unterstreicht. Ich verfüge nicht über ein einziges Schachgebot. Es folgte noch 27.Th1 Dxf2+ 28.Kh3 Se3+ 29.Se6+ Lxe6+ mit Matt.
Allen Lesern wünsche ich ein erfolgreiches Jahr 2016 auf und abseits des Schachbretts!
Samstag, 2. Januar 2016
Freitag, 2. Januar 2015
Ein denkwürdiger Jahresabschluss
Werte Schachfreundinnen und Schachfreunde,
das neue Jahr ist noch jung und ich möchte die Gelegenheit nutzen, einen Rückblick auf das vergangene Jahr zu werfen.
Was passierte so alles in der Schachwelt? Zunächst einmal verteidigte Carlsen in einem spannenden WM-Match seinen Titel gegen den Tiger aus Madras, Vishy Anand, der seinen Biss wiedererlangt hat. Außerdem profitierte die deutsche Herrenmannschaft vom Verbandswechsel Nisipeanus, der seit 2014 für den DSB spielt. Auch regeltechnisch brachte 2014 einige Neuerungen. Der kontroverse Handy-Paragraph dürfte jedem ein Begriff sein, inzwischen wurde die Regel wieder gelockert. Neu hinzu kam eine Regelung bzgl. der 50-Züge-Regel. Ab sofort kann eine Partie weitergespielt werden, sollte keine der Parteien reklamieren. Bei dem 75. Zug ohne Schlagfolge, ist der Schiedsrichter jedoch verpflichtet die Partie auch ohne Reklamation seitens der Spieler Remis zu geben.
Auch ratingtechnisch gibt es eine Neuerung. Die bisherige Verteilung der k-faktoren bei der Elorechnung (k-faktor 5 bei >2400 Elo, k-faktor 15 bei <2400 Elo und k-faktor 25 bei <30 Wetrungspartien) wurde dahingehend verändert, als dass der k-faktor 15 auf 20 angehoben wurde und es zudem einen "Jugendbonus" gibt, der bei U18-Spielern den k-faktor auf 40 ansetzt. Meiner Meinung nach ist das schlichtweg Nonsens und begünstigt die Ratinginflation, was anhand des Beispiels von Parziv Gasimov zu sehen ist. Es kann nicht sein, dass ein Spieler durch mittelmäßiges Spiel 550 Punkte in ein paar Monaten zulegt, weil er die Punkte förmlich hinterher geschmissen bekommt.
Für meinen Heimatverein brachte das Jahr 2014 den Aufstieg in die Oberliga SW, in der wir uns bis dato gut verkaufen.
Im Turnierschach lief es bei mir abgesehen von der Neuwieder- und der Koblenzer Stadtmeisterschaft, die ich beide gewann, sehr dürftig. Ich brachte es gar zuwege 44 Elopunkte und 75 DWZ-Punkte einzubüßen. Daher war ich bestrebt, das Jahr mit einem positiven Ergebnis ausklingen zu lassen und noch ein, zwei Titelträger- Skalps zu erbeuten und meldete mich in diesem Sinne beim Böblinger Open an. An Platz 34 gesetzt, rechnete ich mir keine Chancen auf einen Preisrang aus und hatte auch keine Ambitionen, außer das Rating anzuheben. Mit einem Plus von 15-20 Punkten wäre ich sehr zufrieden gewesen, doch es sollte ganz anders kommen...
Das Turnier wurde von Youngsters beherrscht. Es gab zahlreiche talentierte Jugendspieler und einige juvenile Titelträger. Auch im Endklassement spiegelte sich die Dominanz der Jugend wider. Es gewann ein 21-jähriger IM, vor einem 16-jährigen IM, der seine 4.GM-Norm erspielte.
In den ersten beiden Runden bezwang ich meine jungen Gegner sehr souverän und hatte das Gefühl gut in Form zu sein. Mit einem soliden Schwarzremis gegen IM Fedorovsky (2421/2444) bestätigte sich diese Einschätzung. Dann kam Runde 4, in der ich zum ersten großen Schlag ausholte. Mit einer sehr guten Eröffunungsvorbereitung, einer tiefen Analyse von GM Huschenbeth, schaffte ich es in gerade mal 21 Zügen, einen sehr erfahrenen Französisch-Spieler im Angriff zu besiegen und dabei nicht mal 30 Minuten zu verbrauchen. Chapeau, Niclas! ;)
Das ist die Schlüsselstellung der Partie. Mein Gegner entschied sich nach langem Nachdenken, den c-Bauern nicht kampflos abzutreten und spielte 16...b5??, was die Partie auf der Stelle verliert. Es sollte aber nicht unerwähnt bleiben, dass Weiß auch nach anderen Zügen eine sehr angenehme Stellung mit guten Angriffschancen behält. 17.Lxh7+ Kxh7 18.Sg5+ Kg8 19.Th4 droht Th8 mit Matt. 19...Lxg5 forciert 20.Dxg5 und nun spielte mein Gegner statt 20...f5, was zwar auch verliert, aber zumindest nicht Matt geht, den Zug 20...Sd5. An dieser Stelle endete meine Vorbereitung, doch brauchte ich nur 5 min., um den sofortigen Knockout zu diagnostizieren. 21.Lf6! 1-0
Da Schwarz der Möglichkeit beraubt wurde, seinen Monarchen mittels f5 über f7 zu evakuieren, wird in Kürze matt auf der h-Linie erfolgen. Schwarz gab auf.
Auch wenn diese Partie mangels Eigenleistung keinen Anlass zu übermäßiger Freude bietet, machte es doch unheimlich Spaß einen derartig überzeugenden Vorbereitungssieg zu genießen.
Dann kam Runde 5, meine einzige Verlustpartie. Gegen den starken 17-jährigen IM Lampert, wurde ich in der Eröffnung überrascht. Zwar konnte ich mich unter erheblicher Zeitinvestition an die Theorie erinnern, doch zeigte ich in dem scharfen Endspiel, in dem ich einen Läufer für 3 Bauern besaß, wenig Verständnis, und ließ mich gekonnt überspielen. Ein starker Vortrag meines junges Gegners!
In Runde 6 spielte ich dann die schlechteste Partie. Gegen einen anderen jungen Gegner (DWZ 2119) glänzte ich mit theoretischer Unkenntnis und wäre um ein Haar nicht heil davongekommen. Zum Glück ging es noch mal gut und ich versuchte selbst auf Gewinn zu spielen. Zwar erlaubte mir mein Gegner meine Stellung peu à peu zu verbessern, doch konnte ich seinem Ausgleichsplan nichts entgegensetzen. Am Ende stand das Remis.
Runde 7 war die interessanteste in diesem Turnier und ich möchte sie im Ganzen vorstellen:
Winterberg - IM Smirnov, A. (2446)
1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 das kam bereits überraschend. Mein Gegner ist ein Verfechter von dem eigenwilligen System 2...d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Ld7!? von dem ich absolut keine Ahnung habe. Nach 2...Sc6 kam mir die Idee ihn geschickt in ein System reinzutricksen, von dem ich annahm, dass er sich nicht auskennt...ein Trugschluss! 3.c3 Sf6 4.e5 Sd5 5.Lc4!? dies analysierte ich vor ca. einem Jahr und konnte mich im Großen und Ganzen noch an die Analysen Tiviakovs erinnern. Da mein Gegner normalerweise mit d6 statt mit Sc6 spielt, dachte ich, ich könne ihn mit diesem Zug aus seinen Varianten holen. 5...Sb6 6.Lb3 c4 7.Lc2 d6 8.exd6 Lg4!? dieser Zug traf mich wie ein Blitz, er begegnete mir noch nie zuvor. Ich investierte ca. 20 Minuten und konnte keinen Vorteil nach 9.d4 oder 9.b3 finden. Also entschied ich mich dazu prinzipiell zu spielen. 9.h3 Lh5 10.dxe7!? (objektiv trifft es ?! wohl eher) 10...Dxe7+ 11.De2 Lxf3 12.gxf3 0-0-0 13.Dxe7 Lxe7 14.b3 selbstverständlich muss Weiß den gordischen Knoten schnellstmöglich zerschlagen und dann d4 folgen lassen. Die Stellung ist hochinteressant.
14...The8 15.Kf1 dies macht mehr Sinn als die kurze Rochade, da der wK das Einbruchsfeld e2 überdeckt. Des Weiteren ist der König auf g1 anfällig für Turmschachs und f3 hängt in manchen Varianten mit Schach. 15...Se5 Schwarz entfaltet eine enorme Aktivität, die selbstverständlich den geopferten Bauern aufwiegen sollte, doch Weiß droht immer noch mit bxc4 nebst d4. So habe ich es auch kommen sehen, mein Plan sah vor, im Endspiel auf das Läuferpaar zu pochen. Ich sah nicht, was Schwarz gegen den einfachen Plan bxc4 nebst d4 erfinden könnte. 16. bxc4 Sd3! sehr interessant gespielt. Der Springer plombiert das Feld d3 und hindert mich an der Entwicklung des gesamten Damenflügels. Natürlich kann ich den Rappen dort nicht dulden. 17.Lxd3 Txd3 18.Ke2 Ted8 19.Tg1! das war die Idee! Weiß attackiert mit Tempo den schwarzen Bauern auf g7 und droht außerdem Tg3 gefolgt von f4. Sollte Schwarz beispielsweise 19...g6 ziehen, so behielte Weiß nach 20.Tg3 Sxc4 21.f4 einen Mehrbauern. Weicht der Turm von d3 zurück, kommt Weiß erneut zu d4 und im Falle von Txg3 saniert Weiß seine Bauernstruktur und behält einen gesunden Mehrbauern. An dieser Stelle dachte ich, dass Weiß Vorteil hat. 19...g5! sehr stark gespielt!
Weiß hat nun keine große Auswahl, die nächste Partiephase verläuft forciert.
20.Tg3 Sxc4 21.f4 Txg3 22.fxg3 gxf4 und hier dämmerte es mir. Nach Tg8 werde ich große Probleme haben, meine Figuren sind einfach zu passiv, während ich meine einzige gute Figur soeben abgetauscht habe. 23.gxf4 es ist bedeutend festzustellen, dass 23.d3 an 23...f3+ -+ scheitert.
23...Tg8 24.Kd3 erzwungen, da 24.d3 Tg2+ 25.Kd1 Sb6 ob der weißen Unterentwicklung kaum in Frage kommt. 24...Tg1 25.Kc2 Th1 26.d3 Th2+ 27.Sd2 Se3+ 28.Kb3 Sd5 29.Se4 Txh3 der weiße Mehrbauer ist Geschichte, die Probleme jedoch bestehen fort. Weiß steht ein harter Kampf um Remis bevor. 30.Ld2! nur diesem Zug ist es zu verdanken, dass ich die Partie nicht verloren habe. Weiß investiert einen Bauern, um in ein remisliches Endspiel abzuwickeln. Andere Züge sind erheblich schwächer, der Bauer d3 ist ohnehin nicht zu retten. 30...f5 natürlich verbietet sich 30...Txd3 wegen 31.Kc4+/- 31.Sg5 Th2 ich brauchte einige Zeit um in der Vorausberechnung zu realisieren, dass ich auf 31...Txd3 32.Kc2 spielen kann, wenn nach 32...Tg3 33.Th1 Weiß außer Verlustgefahr ist.
32.Td1 Ld6 33.Se6 Kd7 34.Sd4 Lxf4 35.Lxf4 Sxf4 36.Sxf5 h5 37.Tf1 Se2 38.Kc4 h4 39.Sd4 Sxd4 40.Kxd4 h3 41.Tf7+ und hier ging ich davon aus, dass er friedlich hin-und herpendelt. Doch mein Gegner spielt es weiter auf Gewinn und hätte es fast geschafft... 41...Ke6!?
42. Txb7?! ich überschätzte die Kraft meiner verbundenen Freibauern. Vernünftiger wäre es gewesen, mit 42.Tf3! den Remishafen anzusteuern. Nach 42...Th1 43.c4 h2 44.Tf2 b6 45.a4 a5 46.Tb2 Kf5 47.Kd5 Kg4 48.d4 hält sich Weiß mühelos. In der Partie wandelt Weiß am Abgrund.
42...Txa2 43.Th7 h2 44.c4 Kf5 und bei knapp werdender Bedenkzeit produzierte ich 45.Kc5?? was sofort verliert. Remis könnte Weiß mit 45.c5 halten. Das Endspiel ist kompliziert, und ich rege den Leser dazu an, etwas auf eigene Faust zu analysieren. Als Anregung gebe ich zu bedenken, dass der schwarze a-Bauer durchaus eine Gefahr ist und Schwarz immer mit Manövern wie Tf2-Tf4-Th4 droht. 45...Kg4? geht an der großen Chance vorbei. Das kontraintuitive 45...Kg6 46.Th3 Ta5+ 47.Kb4 Th5 gewann auf der Stelle. In dieser Variante übersah ich den zuvor erwähnten Turmschwenk, da Kg6 sehr paradox erscheint. 46.Kb5 Kg3 47.c5? erneut ein Fehler, nur 47.Tg7+ versprach Remischancen.47...a5?? und das vergeigt es endgültig. In der Sekunde, als ich den Bauern auf c5 losließ, fiel mir ein, dass ich vergaß das Schach auf g7 zu geben. Schwarz konnte einfach mit 47...Ta1 gewinnen, wenn Weiß nach 48.d4 h1=D 49.Txh1 Txh1 50.d5 Kf4 51.Ka6 Th7 52.d6 Ke5 ein Tempo zu langsam ist. 48.Tg7+ Kf3 49.Th7 Kg2 50.Tg7+ Kf2 51.Th7 Kg1 52.Tg7+ Kf2 53.Th7 Kg1 54.Tg7+ Kf2 ½–½
Eine packende Partie auf hohem Niveau, leider haben die beiderseitigen Patzer in Zeitnot die gut gespielte Partie in gewisser Weise verdorben. Trotzdem hat es Spaß gemacht, vor allem weil der Gegner sehr kreativ war.
In Runde 8 gewann ich in nur 25 Zügen gegen einen IM mit Schwarz im Halbslawen. Da dies aber vielmehr auf sein katastrophales Spiel, als auf meinen Verdienst zurückzuführen ist, verdient diese Partie keine Beachtung.
Mein Meisterstück lieferte ich dann in Runde 9 ab. Es war der 6. IM in der 9. Partie. Ich spielte zuvor schon einmal gegen ihn. Auch in der letzten Runde, auch mit Weiß, auch im Alapin. Um den Turniersieg und 800 Euro zu sichern, spielte ich damals sicher, wollte wenig riskieren, und sicherte mir mit einem Remis den 1. Platz. Dieses Mal war ich allerdings in kämpferischer Stimmung und gewann in großem Stil:
Winterberg - IM Gschnitzer, O. (2407)
1. e4 c5 2. c3 Sf6 3. e5 Sd5 4. d4 cxd4 5. Sf3 e6 6. cxd4 d6 7. Lc4 Sc6 8. O-O
Le7 9. De2 O-O 10. Sc3 Sxc3 11. bxc3 dxe5 12. dxe5 b6 13. De4 Lb7 14. Ld3 g6
15. Lh6 Te8 16. Tad1 Dc7 17. Df4 soweit die Theorie,die weiße Spielweise ist im Prinzip sehr riskant, da jedes Endspiel hoffnungslos verloren ist. Weiß sucht seine Chancen im direkten Königsangriff. Schwarz hat zwar gute Chancen, allerdings ist es eine schwierig zu spielende Stellung und der weiße Angriff ist gefährlich. Das ist nicht nach jedermanns Gusto, was erklärt, warum Schwarz in der Regel zu 12...Da5 statt 12...b6 greift. 17...f6?? Das ist nicht nur positionell ein schrecklicher Zug, er lockert zudem auch noch, die ohnehin bereits geschwächte schwarze Königsstellung noch weiter. 18. Dc4! nach längerer Überlegung gespielt und sehr stark. Schwarz hat große Probleme. 18...Dc8? und das verliert bereits forciert. Den Rest der Partie spielte ich sehr streng. 19. exf6 Lxf6 20. Df4! Lg7 21.Sg5
21...Te7 erzwungen, da nach 21...Tf8 22. Dh4 Lxh6 23.Dxh6 Dc7 an 24.Sxe6 scheitert. 22. Lxg7 Kxg7 23. Tfe1 droht mit 24.Txe6 die sofortige Entscheidung herbeizuführen. e5 24. Dh4 Dh8 am zähesten, da 24...h6 an 25.Lxg6 scheitern würde. 25. Lc4 h6 26. Se6+ Kh7 27. Te3 es droht Dxh6+ Kxh6 Th3#
27...h5 28. Tg3 mit der Drohung 29.Dxh5+ gxh5 30.Ld3+ Kh6 31.Tg6+ Kh7 32.Sg5# 28...De8 29. Df6 Kh6 30. Sf8 totale Zerstörung! 1-0
Als ich im Begriff war das Brett zu verlassen, fing mich der Schiedsrichter ab, um mich darüber in Kenntnis zu setzen, eine IM-Norm erzielt zu haben. Das hatte ich eigentlich bereits abgehakt, umso überraschter und erfreuter war ich, dass es geklappt hat. Mit 3 IM- Skalps und für meine Verhältnisse sehr gutem Schach, einer Norm, dem 9. Platz und einem DWZ-und Eloplus von fast 50 Punkten, bin ich mehr als zufrieden. Ein denkwürdiger Abschluss des Jahres 2014, das, in Anbetracht dieses Turnieres doch gut lief.
Allen Lesern ein gutes und erfolgreiches Jahr 2015!
das neue Jahr ist noch jung und ich möchte die Gelegenheit nutzen, einen Rückblick auf das vergangene Jahr zu werfen.
Was passierte so alles in der Schachwelt? Zunächst einmal verteidigte Carlsen in einem spannenden WM-Match seinen Titel gegen den Tiger aus Madras, Vishy Anand, der seinen Biss wiedererlangt hat. Außerdem profitierte die deutsche Herrenmannschaft vom Verbandswechsel Nisipeanus, der seit 2014 für den DSB spielt. Auch regeltechnisch brachte 2014 einige Neuerungen. Der kontroverse Handy-Paragraph dürfte jedem ein Begriff sein, inzwischen wurde die Regel wieder gelockert. Neu hinzu kam eine Regelung bzgl. der 50-Züge-Regel. Ab sofort kann eine Partie weitergespielt werden, sollte keine der Parteien reklamieren. Bei dem 75. Zug ohne Schlagfolge, ist der Schiedsrichter jedoch verpflichtet die Partie auch ohne Reklamation seitens der Spieler Remis zu geben.
Auch ratingtechnisch gibt es eine Neuerung. Die bisherige Verteilung der k-faktoren bei der Elorechnung (k-faktor 5 bei >2400 Elo, k-faktor 15 bei <2400 Elo und k-faktor 25 bei <30 Wetrungspartien) wurde dahingehend verändert, als dass der k-faktor 15 auf 20 angehoben wurde und es zudem einen "Jugendbonus" gibt, der bei U18-Spielern den k-faktor auf 40 ansetzt. Meiner Meinung nach ist das schlichtweg Nonsens und begünstigt die Ratinginflation, was anhand des Beispiels von Parziv Gasimov zu sehen ist. Es kann nicht sein, dass ein Spieler durch mittelmäßiges Spiel 550 Punkte in ein paar Monaten zulegt, weil er die Punkte förmlich hinterher geschmissen bekommt.
Für meinen Heimatverein brachte das Jahr 2014 den Aufstieg in die Oberliga SW, in der wir uns bis dato gut verkaufen.
Im Turnierschach lief es bei mir abgesehen von der Neuwieder- und der Koblenzer Stadtmeisterschaft, die ich beide gewann, sehr dürftig. Ich brachte es gar zuwege 44 Elopunkte und 75 DWZ-Punkte einzubüßen. Daher war ich bestrebt, das Jahr mit einem positiven Ergebnis ausklingen zu lassen und noch ein, zwei Titelträger- Skalps zu erbeuten und meldete mich in diesem Sinne beim Böblinger Open an. An Platz 34 gesetzt, rechnete ich mir keine Chancen auf einen Preisrang aus und hatte auch keine Ambitionen, außer das Rating anzuheben. Mit einem Plus von 15-20 Punkten wäre ich sehr zufrieden gewesen, doch es sollte ganz anders kommen...
Das Turnier wurde von Youngsters beherrscht. Es gab zahlreiche talentierte Jugendspieler und einige juvenile Titelträger. Auch im Endklassement spiegelte sich die Dominanz der Jugend wider. Es gewann ein 21-jähriger IM, vor einem 16-jährigen IM, der seine 4.GM-Norm erspielte.
In den ersten beiden Runden bezwang ich meine jungen Gegner sehr souverän und hatte das Gefühl gut in Form zu sein. Mit einem soliden Schwarzremis gegen IM Fedorovsky (2421/2444) bestätigte sich diese Einschätzung. Dann kam Runde 4, in der ich zum ersten großen Schlag ausholte. Mit einer sehr guten Eröffunungsvorbereitung, einer tiefen Analyse von GM Huschenbeth, schaffte ich es in gerade mal 21 Zügen, einen sehr erfahrenen Französisch-Spieler im Angriff zu besiegen und dabei nicht mal 30 Minuten zu verbrauchen. Chapeau, Niclas! ;)
Das ist die Schlüsselstellung der Partie. Mein Gegner entschied sich nach langem Nachdenken, den c-Bauern nicht kampflos abzutreten und spielte 16...b5??, was die Partie auf der Stelle verliert. Es sollte aber nicht unerwähnt bleiben, dass Weiß auch nach anderen Zügen eine sehr angenehme Stellung mit guten Angriffschancen behält. 17.Lxh7+ Kxh7 18.Sg5+ Kg8 19.Th4 droht Th8 mit Matt. 19...Lxg5 forciert 20.Dxg5 und nun spielte mein Gegner statt 20...f5, was zwar auch verliert, aber zumindest nicht Matt geht, den Zug 20...Sd5. An dieser Stelle endete meine Vorbereitung, doch brauchte ich nur 5 min., um den sofortigen Knockout zu diagnostizieren. 21.Lf6! 1-0
Da Schwarz der Möglichkeit beraubt wurde, seinen Monarchen mittels f5 über f7 zu evakuieren, wird in Kürze matt auf der h-Linie erfolgen. Schwarz gab auf.
Auch wenn diese Partie mangels Eigenleistung keinen Anlass zu übermäßiger Freude bietet, machte es doch unheimlich Spaß einen derartig überzeugenden Vorbereitungssieg zu genießen.
Dann kam Runde 5, meine einzige Verlustpartie. Gegen den starken 17-jährigen IM Lampert, wurde ich in der Eröffnung überrascht. Zwar konnte ich mich unter erheblicher Zeitinvestition an die Theorie erinnern, doch zeigte ich in dem scharfen Endspiel, in dem ich einen Läufer für 3 Bauern besaß, wenig Verständnis, und ließ mich gekonnt überspielen. Ein starker Vortrag meines junges Gegners!
In Runde 6 spielte ich dann die schlechteste Partie. Gegen einen anderen jungen Gegner (DWZ 2119) glänzte ich mit theoretischer Unkenntnis und wäre um ein Haar nicht heil davongekommen. Zum Glück ging es noch mal gut und ich versuchte selbst auf Gewinn zu spielen. Zwar erlaubte mir mein Gegner meine Stellung peu à peu zu verbessern, doch konnte ich seinem Ausgleichsplan nichts entgegensetzen. Am Ende stand das Remis.
Runde 7 war die interessanteste in diesem Turnier und ich möchte sie im Ganzen vorstellen:
Winterberg - IM Smirnov, A. (2446)
1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 das kam bereits überraschend. Mein Gegner ist ein Verfechter von dem eigenwilligen System 2...d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Ld7!? von dem ich absolut keine Ahnung habe. Nach 2...Sc6 kam mir die Idee ihn geschickt in ein System reinzutricksen, von dem ich annahm, dass er sich nicht auskennt...ein Trugschluss! 3.c3 Sf6 4.e5 Sd5 5.Lc4!? dies analysierte ich vor ca. einem Jahr und konnte mich im Großen und Ganzen noch an die Analysen Tiviakovs erinnern. Da mein Gegner normalerweise mit d6 statt mit Sc6 spielt, dachte ich, ich könne ihn mit diesem Zug aus seinen Varianten holen. 5...Sb6 6.Lb3 c4 7.Lc2 d6 8.exd6 Lg4!? dieser Zug traf mich wie ein Blitz, er begegnete mir noch nie zuvor. Ich investierte ca. 20 Minuten und konnte keinen Vorteil nach 9.d4 oder 9.b3 finden. Also entschied ich mich dazu prinzipiell zu spielen. 9.h3 Lh5 10.dxe7!? (objektiv trifft es ?! wohl eher) 10...Dxe7+ 11.De2 Lxf3 12.gxf3 0-0-0 13.Dxe7 Lxe7 14.b3 selbstverständlich muss Weiß den gordischen Knoten schnellstmöglich zerschlagen und dann d4 folgen lassen. Die Stellung ist hochinteressant.
14...The8 15.Kf1 dies macht mehr Sinn als die kurze Rochade, da der wK das Einbruchsfeld e2 überdeckt. Des Weiteren ist der König auf g1 anfällig für Turmschachs und f3 hängt in manchen Varianten mit Schach. 15...Se5 Schwarz entfaltet eine enorme Aktivität, die selbstverständlich den geopferten Bauern aufwiegen sollte, doch Weiß droht immer noch mit bxc4 nebst d4. So habe ich es auch kommen sehen, mein Plan sah vor, im Endspiel auf das Läuferpaar zu pochen. Ich sah nicht, was Schwarz gegen den einfachen Plan bxc4 nebst d4 erfinden könnte. 16. bxc4 Sd3! sehr interessant gespielt. Der Springer plombiert das Feld d3 und hindert mich an der Entwicklung des gesamten Damenflügels. Natürlich kann ich den Rappen dort nicht dulden. 17.Lxd3 Txd3 18.Ke2 Ted8 19.Tg1! das war die Idee! Weiß attackiert mit Tempo den schwarzen Bauern auf g7 und droht außerdem Tg3 gefolgt von f4. Sollte Schwarz beispielsweise 19...g6 ziehen, so behielte Weiß nach 20.Tg3 Sxc4 21.f4 einen Mehrbauern. Weicht der Turm von d3 zurück, kommt Weiß erneut zu d4 und im Falle von Txg3 saniert Weiß seine Bauernstruktur und behält einen gesunden Mehrbauern. An dieser Stelle dachte ich, dass Weiß Vorteil hat. 19...g5! sehr stark gespielt!
Weiß hat nun keine große Auswahl, die nächste Partiephase verläuft forciert.
20.Tg3 Sxc4 21.f4 Txg3 22.fxg3 gxf4 und hier dämmerte es mir. Nach Tg8 werde ich große Probleme haben, meine Figuren sind einfach zu passiv, während ich meine einzige gute Figur soeben abgetauscht habe. 23.gxf4 es ist bedeutend festzustellen, dass 23.d3 an 23...f3+ -+ scheitert.
23...Tg8 24.Kd3 erzwungen, da 24.d3 Tg2+ 25.Kd1 Sb6 ob der weißen Unterentwicklung kaum in Frage kommt. 24...Tg1 25.Kc2 Th1 26.d3 Th2+ 27.Sd2 Se3+ 28.Kb3 Sd5 29.Se4 Txh3 der weiße Mehrbauer ist Geschichte, die Probleme jedoch bestehen fort. Weiß steht ein harter Kampf um Remis bevor. 30.Ld2! nur diesem Zug ist es zu verdanken, dass ich die Partie nicht verloren habe. Weiß investiert einen Bauern, um in ein remisliches Endspiel abzuwickeln. Andere Züge sind erheblich schwächer, der Bauer d3 ist ohnehin nicht zu retten. 30...f5 natürlich verbietet sich 30...Txd3 wegen 31.Kc4+/- 31.Sg5 Th2 ich brauchte einige Zeit um in der Vorausberechnung zu realisieren, dass ich auf 31...Txd3 32.Kc2 spielen kann, wenn nach 32...Tg3 33.Th1 Weiß außer Verlustgefahr ist.
32.Td1 Ld6 33.Se6 Kd7 34.Sd4 Lxf4 35.Lxf4 Sxf4 36.Sxf5 h5 37.Tf1 Se2 38.Kc4 h4 39.Sd4 Sxd4 40.Kxd4 h3 41.Tf7+ und hier ging ich davon aus, dass er friedlich hin-und herpendelt. Doch mein Gegner spielt es weiter auf Gewinn und hätte es fast geschafft... 41...Ke6!?
42. Txb7?! ich überschätzte die Kraft meiner verbundenen Freibauern. Vernünftiger wäre es gewesen, mit 42.Tf3! den Remishafen anzusteuern. Nach 42...Th1 43.c4 h2 44.Tf2 b6 45.a4 a5 46.Tb2 Kf5 47.Kd5 Kg4 48.d4 hält sich Weiß mühelos. In der Partie wandelt Weiß am Abgrund.
42...Txa2 43.Th7 h2 44.c4 Kf5 und bei knapp werdender Bedenkzeit produzierte ich 45.Kc5?? was sofort verliert. Remis könnte Weiß mit 45.c5 halten. Das Endspiel ist kompliziert, und ich rege den Leser dazu an, etwas auf eigene Faust zu analysieren. Als Anregung gebe ich zu bedenken, dass der schwarze a-Bauer durchaus eine Gefahr ist und Schwarz immer mit Manövern wie Tf2-Tf4-Th4 droht. 45...Kg4? geht an der großen Chance vorbei. Das kontraintuitive 45...Kg6 46.Th3 Ta5+ 47.Kb4 Th5 gewann auf der Stelle. In dieser Variante übersah ich den zuvor erwähnten Turmschwenk, da Kg6 sehr paradox erscheint. 46.Kb5 Kg3 47.c5? erneut ein Fehler, nur 47.Tg7+ versprach Remischancen.47...a5?? und das vergeigt es endgültig. In der Sekunde, als ich den Bauern auf c5 losließ, fiel mir ein, dass ich vergaß das Schach auf g7 zu geben. Schwarz konnte einfach mit 47...Ta1 gewinnen, wenn Weiß nach 48.d4 h1=D 49.Txh1 Txh1 50.d5 Kf4 51.Ka6 Th7 52.d6 Ke5 ein Tempo zu langsam ist. 48.Tg7+ Kf3 49.Th7 Kg2 50.Tg7+ Kf2 51.Th7 Kg1 52.Tg7+ Kf2 53.Th7 Kg1 54.Tg7+ Kf2 ½–½
Eine packende Partie auf hohem Niveau, leider haben die beiderseitigen Patzer in Zeitnot die gut gespielte Partie in gewisser Weise verdorben. Trotzdem hat es Spaß gemacht, vor allem weil der Gegner sehr kreativ war.
In Runde 8 gewann ich in nur 25 Zügen gegen einen IM mit Schwarz im Halbslawen. Da dies aber vielmehr auf sein katastrophales Spiel, als auf meinen Verdienst zurückzuführen ist, verdient diese Partie keine Beachtung.
Mein Meisterstück lieferte ich dann in Runde 9 ab. Es war der 6. IM in der 9. Partie. Ich spielte zuvor schon einmal gegen ihn. Auch in der letzten Runde, auch mit Weiß, auch im Alapin. Um den Turniersieg und 800 Euro zu sichern, spielte ich damals sicher, wollte wenig riskieren, und sicherte mir mit einem Remis den 1. Platz. Dieses Mal war ich allerdings in kämpferischer Stimmung und gewann in großem Stil:
Winterberg - IM Gschnitzer, O. (2407)
1. e4 c5 2. c3 Sf6 3. e5 Sd5 4. d4 cxd4 5. Sf3 e6 6. cxd4 d6 7. Lc4 Sc6 8. O-O
Le7 9. De2 O-O 10. Sc3 Sxc3 11. bxc3 dxe5 12. dxe5 b6 13. De4 Lb7 14. Ld3 g6
15. Lh6 Te8 16. Tad1 Dc7 17. Df4 soweit die Theorie,die weiße Spielweise ist im Prinzip sehr riskant, da jedes Endspiel hoffnungslos verloren ist. Weiß sucht seine Chancen im direkten Königsangriff. Schwarz hat zwar gute Chancen, allerdings ist es eine schwierig zu spielende Stellung und der weiße Angriff ist gefährlich. Das ist nicht nach jedermanns Gusto, was erklärt, warum Schwarz in der Regel zu 12...Da5 statt 12...b6 greift. 17...f6?? Das ist nicht nur positionell ein schrecklicher Zug, er lockert zudem auch noch, die ohnehin bereits geschwächte schwarze Königsstellung noch weiter. 18. Dc4! nach längerer Überlegung gespielt und sehr stark. Schwarz hat große Probleme. 18...Dc8? und das verliert bereits forciert. Den Rest der Partie spielte ich sehr streng. 19. exf6 Lxf6 20. Df4! Lg7 21.Sg5
21...Te7 erzwungen, da nach 21...Tf8 22. Dh4 Lxh6 23.Dxh6 Dc7 an 24.Sxe6 scheitert. 22. Lxg7 Kxg7 23. Tfe1 droht mit 24.Txe6 die sofortige Entscheidung herbeizuführen. e5 24. Dh4 Dh8 am zähesten, da 24...h6 an 25.Lxg6 scheitern würde. 25. Lc4 h6 26. Se6+ Kh7 27. Te3 es droht Dxh6+ Kxh6 Th3#
27...h5 28. Tg3 mit der Drohung 29.Dxh5+ gxh5 30.Ld3+ Kh6 31.Tg6+ Kh7 32.Sg5# 28...De8 29. Df6 Kh6 30. Sf8 totale Zerstörung! 1-0
Als ich im Begriff war das Brett zu verlassen, fing mich der Schiedsrichter ab, um mich darüber in Kenntnis zu setzen, eine IM-Norm erzielt zu haben. Das hatte ich eigentlich bereits abgehakt, umso überraschter und erfreuter war ich, dass es geklappt hat. Mit 3 IM- Skalps und für meine Verhältnisse sehr gutem Schach, einer Norm, dem 9. Platz und einem DWZ-und Eloplus von fast 50 Punkten, bin ich mehr als zufrieden. Ein denkwürdiger Abschluss des Jahres 2014, das, in Anbetracht dieses Turnieres doch gut lief.
Allen Lesern ein gutes und erfolgreiches Jahr 2015!
Sonntag, 31. August 2014
SVDB Schachfestival 2014
Hallo Schachfreunde,
während Caruana die Weltspitze derzeit kräftig aufwirbelt, versuchte ich mich an meinem 1. IM- Normenturnier in Eupen. Es handelt sich dabei um ein Rundenturnier mit 10 Teilnehmern unter der Leitung des International Arbiter (IA) Sylvin de Vet. Das Turnier an sich war eine tolle Erfahrung und es hat Spaß gemacht, durchgängig gegen Gegner zu spielen, die mindestens so stark sind wie ich selbst. Mit der Norm hat es zwar nicht ganz geklappt, und auch das Endergebnis von -2 sieht ziemlich schlecht aus, doch spiegelt das den Turnierverlauf, sowie die guten Stellungen, die ich hatte, nicht wirklich wider. Die Rahmenbedingungen waren leider nicht ideal. Die Unterkunft bestand in einem der ältesten Häuser Eupens, mit sehr steilen und schmalen Treppen und keinem TV-Gerät auf dem Zimmer. Bei nur einer Partie am Tag und demnach ca. 17 Std., in denen man auf dem Zimmer verweilt, ist das sehr unvorteilhaft. Auch der Weg zur Turnierhalle (1km. steil bergauf) war beschwerlich und so schleppte ich mich oft mit letzter Kraft 25min. vor Spielbeginn in die Turnierhalle. Bei Rundenbeginn war ich dann jedoch wieder voll auf der Höhe, sodass der Gewaltmarsch keinen Einfluss auf das Spielgeschehen nahm. Die Räumlichkeiten des SK Rochade Eupen-Kelmis sind sehr schön. An den Wänden hängen zahllose Trophäen, Urkunden und Schenkungen von Partnervereinen. Der Spielsaal war geräumig, die Atmosphäre gut und alles in allem wirkte das Turnier sehr familiär. Dennoch wurde sich an den Brettern nichts geschenkt und es wurde hart gekämpft. Am Ende gelang 3 Teilnehmern eine IM-Norm: M. Coenen (2294), FM A. Kalka (2373) und FM P. Hopman (2387). Gratulation dazu! Ich hatte das drittniedrigste Startrating und mein Primärziel war es, 50% oder mehr der Punkte zu holen. Am Ende waren es nur 3,5 jedoch hätten es auch locker 5,5 sein können. Einen unnötigen Verlust gab es bereits in Runde 1 zu beklagen. Nachdem mein Gegner mich bereits mit 3.Lc4 aus der Vorbereitung warf, setzte er im Folgenden mit 6.Lg5 7.Lxf6 fort, was auf mich einen ungesunden Eindruck macht. Nur Schwarz kann auf Vorteil spielen. Trotzdem investierte ich eine Menge Bedenkzeit, die mir später bei taktischen Verwicklungen fehlte.
Coenen,M. (2294) - Winterberg:
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.0–0 Sf6 5.d3 a6 6.Lg5 h6 7.Lxf6 Dxf6 8.Sc3 d6 9.Sd5 Dd8 10.c3 La7 11.b4 0–0 12.a4 Se7 13.Se3 c6 14.Lb3 Sg6 15.d4 Df6 16.Te1 Sf4 17.g3 exd4 18.cxd4 Sh3+ 19.Kg2 Te8 20.e5 dxe5 21.dxe5 De7 22.Dc2 Dxb4 23.e6 Txe6 24.Lxe6 Lxe6 25.Tab1 De7 26.Db2 Tb8 27.Sd4 Sg5 28.Sdf5 Df8 29.De5 g6 30.h4 Sh7 31.Sd4 Te8 32.Sxe6 Txe6 33.Dc3 b5 34.Sg4 Td6 35.De5 Td2 36.Df4 Dd6 37.Te8+ Sf8 38.Sxh6+ Kg7 39.Dxf7+ Kxh6 40.Dxa7 Df6 41.De3+ 1–0
In Runde 2 hatte ich wieder Schwarz. Dieses Mal lief es allerdings besser:
IM Vandevoort (2390) - Winterberg
1.Sf3 Sf6 2.g3 Obwohl erst 2 Züge gespielt sind, war meine intensive Vorbereitung schon hier für die Katz... 2...e6 3.Lg2 d5 4.00 Le7 5.d4 b6 6.c4 c6 inspiriert von GM Kovalyov, dem ich in dieser Variante mit Weiß in etlichen Partien nicht ein einziges Remis abtrotzen konnte. Dies war das 5. Mal, dass ich dieses System anwandte. Gegen starke Gegnerschaft (2 FMs, 2GMs) standen bis zu dieser Partie 3 Remise und 1 Verlust. 7.Sc3 0-0 8.Se5 Lb7 9.e4 dxc4 ich folge meiner eigenen Partie, die ich im Oktober 2013 gegen FM Schild spielte. Nach der Eröffnung stand ich sehr passabel, dass ich dann allerdings fehlgriff und für den Rest der Partie leiden musste, bevor wir am Ende versöhnlich den Remishafen anschipperten, ist auf mein schlechtes Spiel zurückzuführen. 10.a4 Sbd7 11.Sxc4 La6 12.b3 Lxc4 13.bxc4 e5! ansonsten wäre das schwarze Konzept völig verfehlt. 14.d5 cxd5 15.exd5!?N mein Gegner spielte es ad hoc und ehrlich gesagt, zog ich exd5 nie ernsthaft in Betracht. c4 ist für den Rest der Partie schwach. Leider ist die Sache nicht so klar. Der weiße Ansatz mit exd5 ist sehr konkret und fußt auf der Idee d6 nebst Sb5 zu spielen.
Schwarz hat hier eigentlich nur 3 Kandidatenzüge: a) 15...Ld6 b) 15...Lc5 und c)15...Lb4
Schnell verwerfen lässt sich das passive Ld6, da Weiß nach 16.Sb5 quasi schon eine Gewinnstellung hat. Was der Läufer auf b4 zu suchen hat, war mir indes nicht klar. So entschied ich mich für den Partiezug 15...Lc5. Es folgte: 16.d6 und nun muss Schwarz bereit sein, die Qualität zu geben. 16...Ld4! 17.Ta3? wieder sehr schnell gespielt. Viel besser wäre es gewesen, sich auf a8 zu bedienen. Nach 17.Lxa8 Dxa8 18.Lb2 Dc6 19.De2 a6 schätzte ich die Lage als unklar ein. Für die Qualität wird Schwarz den Bauern d6 gewinnen, während c4 weiterhin schwach ist. Meister Houdini sieht Weiß aber klar am Ruder. Wenn das das beste ist, was Schwarz nach 15.exd5!?N aus der Stellung rausholen kann, steht die ganze Idee mit La6 nebst Lxc4 unter keinem guten Stern. Der Partiezug 17. Ta3? vergibt den Vorteil 17...Tc8 18.Sb5 Txc4 und nun fing mein Gegner endlich an zu denken, reichlich spät, wenn man bedenkt, dass Weiß bereits um Ausgleich kämpft. 19.De2 Dc8 20.Sxa7? besser war 20.Sc7, wonach der schwarze Vorteil im Rahmen bleibt. 20...Dc5 21.Lg5?? krönt das schlechte Spiel mit einem plumpen Einsteller. 21...Tc2 22.Dd3 e4 23.Lxe4 Sxe4 24.Dxe4 Lxf2+ 25.Kh1 Dxa3 0-1
Ein gelungenes Schlussbild!
In Runde 3 vergaß ich im 18. Zug die theoretische Empfehlung und hätte vielleicht besser daran getan, Remis durch Zugwiederholung zu forcieren. Ich wollte gewinnen, doch das ging nach hinten los. Eine gute Darbietung von IM Braun, der am Ende mit 6,5/9 ganz oben in der Tabelle zu finden war!
Winterberg - IM Braun (2360)
1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Sf6 4.e5 Sfd7 5.f4 c5 6.Sf3 Sc6 7.Le3 cxd4 8.Sxd4 Db6 9.Dd2 Dxb2 10.Tb1 Da3 11.Lb5 Sxd4 12.Lxd4 a6 13.Lxd7+ Lxd7 14.Tb3 De7 15.Txb7 Dd8 16.Lb6 Dc8 17.Tc7 Dd8 18.Df2 Tc8 19.Txc8 Dxc8 20.Dd4 Dc6 21.f5 La3 22.Sb1 Le7 23.f6 gxf6 24.exf6 Ld6 25.0–0 e5 26.Db2 Db5 27.Dxb5 Lxb5 28.Td1 Lc6 29.Sc3 d4 30.Se2 Kd7 31.c3 La4 32.Td2 Kc6 33.La5 Kb5 34.cxd4 Kxa5 35.dxe5 Lc5+ 36.Kf1 Te8 37.Td5 Kb6 38.Sc3 Lc6 0-1
Runde 4 brachte die dritte Schwarzpartie, auch der Tag war ziemlich schwarz. In 8 Partien kam ich gut aus der Eröffnung raus, in Runde 4 war das Eröffnungsergebnis desaströs und ich verlor mehr als verdient gegen FM Marcziter (2235), der am Ende 4/9 erreichte und ein gutes Turnier spielte. Die Schlusskombination ist sehenswert:
FM Marcziter (2235) - Winterberg
Stellung nach 25...Sf8
Weiß gewann mit 26.Txf6! Kxf6 27.Ld4+! Ke7 28.Te1+ Kd7 29.d6 Db8 30.Te7+ Kxd6 31.Txb7 Dxb7 32.Le5+ 1-0
Der Start mit 1/4 war alles andere als zufriedenstellend und um ein Debakel zu verhindern, mussten dringend Punkte her. In Runde 5 kam selbstverständlich wieder nicht meine Vorbereitung aufs Brett, was lediglich in Runde 8 der Fall war, dennoch lief es sehr gut. Mein Gegner FM Meessen (2278), der Kapitän der belgischen Herrenmannschaft in Tromsö, wollte mich mit einer Eröffnung überraschen, die er noch nie zuvor spielte, und erleidete schnell Schiffsbruch.
Winterberg - FM Meessen (2278)
1.e4 d5 2.exd5 Dxd5 3.Sc3 Dd8 meine praktischen Erfahrungen mit dieser Antiquität basieren lediglich auf einer Partie, welcher im Übrigen ein eigener Thread gewidmet wurde (Threadtitel: "Entscheidung im 5. Zug?!") 4.Lc4 Sf6 5.Sf3 Sc6 Schwarz will es wissen 6.d4 Lg4 7.d5 Se5?? ein unglaublicher Patzer 8.Sxe5
Lxd1 9.Lb5+ c6 10.dxc6 Lg4 11.Sxg4! am kaltblütigsten bxc6 12.Lxc6+ Sd7 13.Se5 Dc7 14.Lxd7+ Kd8 15.Lf4 Db7 16.0–0–0 Kc7 17.Sb5+ Kb6 18.Sc4+ Kc5 die abschließende Hatz verdient ein weiteres Diagramm
19.Le3+ Kxc4 20.Td4+ Kc5 21.b4+ Kb6 22.Td6# 1–0
FM Rudolf Meessen erwischte ein schreckliches Turnier und musste sich bei einer Bilanz von (+1/=0/-8) mit dem letzten Tabellenplatz begnügen.
Nach diesem Geschenk kam wieder ein dicker Brocken: FM Pieter Hopman, der laut eigener Aussage inoffiziell bereits ein Rating von ca. 2422 hat. Ich war wie in diesem Turnier üblich auf die falsche Variante vorbereitet und musste mit eigenem Kopf denken. Da ich 4/4 brauchte, um eine Norm zu schaffen, war Remis keine Option, weshalb ich lasche, remisträchtige Varianten, die sich in der Eröffunung ergaben, ausschlug, und versuchte in einem komplizierten, zweischneidigen Mittelspiel, als Sieger vom Feld zu gehen. Leider ging der Schuss nach hinten los und nach einem langen, zähen Kampf blieb mir nichts weiter übrig, als die Hand zu reichen.
FM Hopman (2387) - Winterberg
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.g3 Lb4+ 4.Ld2 Le7 verglichen mit der Partie gegen Vandevoort stellt diese Zugfolge eine kleine Feinheit dar, da der weiße Läufer auf d2 schlecht steht...5.Lg2 d5 6.Sf3 b6 7.Sc3 c6 8.Lg5...was Weiß in der Regel durch Lf4 Sh5 Lc1 korrigiert. Anschließend wird der Läufer dann mittels b3 und Lb2 fianchettiert. 8.Lg5 trägt eigenen Charakter, stellt Schwarz aber vor keinerlei Probleme. 0–0 9.0–0 Lb7 10.Se5 Sbd7 11.cxd5 cxd5 12.Sd3 Tc8 13.f3 b5 Schwarz hat gutes Spiel und träumt von einer Initiative am Damenflügel 14.Le3 b4 15.Sa4 Da5?! eine schlechte Wahl. Ich war mir nicht sicher, ob Lc6 oder der Partiezug vorzuziehen war. Die Engine lässt da keine Fragen offen. Besser war 15...Lc6! wonach Schwarz gut steht. Man sehe z.B. 16.Sac5 Lb5 17.Tc1 Sxc5 18.Sxc5 Sd7 von weißer Initiative ist weit und breit nichts zu sehen. 16.b3 Lc6 17.Sab2 Se8!? beseelt von der Idee mittels Sc7-b5 einen Springer auf c3 zu installieren. 18.Dd2 Db6 19.Lf2 a5 20.e4 Sc7 21.e5 Lb5 22.h4 f5?! besser war es vermutlich sofort auf d3 zu schlagen. Nach 22...Lxd3 23.Dxd3 Sb5 24.Sa4 Dc6 mit der Idee Sb6 gelingt die schwarze Infiltration. 23.Tfc1 Lxd3 24.Dxd3! das hatte ich unterschätzt.Weiß droht mit Lf1, was die Bankrotterklärung meines Planes bedeuten würde. Schwarz muss nun nolens volens Sb5 ziehen, was zu einer sehr unerfreulichen Stellung führt. 24...Sb5 25.Sa4 Db7 26.Lf1 Sa3 27.Da6 Dxa6 28.Lxa6 Ta8 29.Tc6? auch Weiß strauchelt. Zu spät sah ich Tc7, wonach Schwarz auf Verlust steht, er kann sich nicht bewegen, während die weißen Türme wie Orkane im schwarzen Hinterland wüten. Tc6 basiert auf einem taktischen Schwindel, erlaubt Schwarz aber Erleichterung. 29...Kf7 Es galt zu erkennen, dass 29...Sb8 nicht etwa eine Figur gewinnt, sondern einem taktischen Trick zum Opfer fällt, der die Partie zu weißen Gunsten entscheidet. 30.Txe6 Kf7 31.Lb7 nebst 32.Lxd5 und Weiß hat sich 2 Bauern eingeheimst. 30.Ld3 Tfc8 31.Tac1 Txc6 32.Txc6 Ld8 33.Le3 Ta7 der einzige vernünftige Plan. Was sonst? 34.Tc8 Lc7 35.Kf2 Sb6 von diesem Zug und der damit verbundenen Bewertung des nachfolgenden Endspiels hängt die Stellungsbewertung ab. Es gab keine Alternativen, Schwarz muss im Endspiel S+L gegen Turm nach Rettung suchen. 36.Txc7+ Txc7 37.Sxb6 Sc2 38.Sa4 Sxe3 39.Kxe3 Tc1 40.Sc5 Ke7 41.La6 Te1+ 42.Kf4 Td1!
schlau gespielt, wenn Weiß auf Gewinn spielen will, muss er ein Risiko eingehen, nämlich den Bauern a2 mit Schach abtreten. Ängstliche Spieler müssen sich mit Remis nach Te1-d1-e1-d1 begnügen. 43.Ke3 Te1+ 44.Kd3 Tf1 45.Ke2 Ta1 46.Lc8 Txa2+ 47.Kd3 Tf2 48.Lxe6 Txf3+ 49.Ke2 Txg3 50.Lxf5? unverständlich. Nicht nur die Ästhetik, sondern auch der gesunde Menschenverstand sprach für Lxd5, wenn Weiß sich durchsetzen sollte. Tg2+ 51.Ke3 Th2 Schwarz wehrt sich nach Leibeskräften, der Turm entfaltet eine enorme Aktivität, Weiß muss auf der Hut sein 52.Le6 Weiß ist auf der Höhe. Nach 52.Lxh7?! Th3+! ein wichtiges Zwischenschach 53.Ke3 Txh4 54.Lg8 Txd4 55.Kd3 Td1 wäre das Remis unausweichlich 52...a4! genau so. Schwarz nutzt die schlechte Koordination des Anziehenden aus. Man beachte wie Schwarz sich durch aktives Spiel am Leben hält. Der Turm bereitet dem Weißen große praktische Probleme.
53.bxa4 b3 54.Lxd5 b2 55.La2 Th3+?? ein totaler Blackout, der Schwarz um die Früchte seiner Verteidigungsarbeit bringt. Ursprünglich war natürlich 55...Th1 56.d5 Ta1 der Plan, bis ich plötzlich die fixe Idee hatte, den d4-Bauern zu gewinnen, was natürlich hinten und vorne nicht klappt. Interessant ist das Endspiel, das nach 55...Th1 56.d5 Ta1 57.d6+ Ke8 58.Kd3 Txa2 59.Kc2 b1=D 60.Kxb1 Td2 hätte entstehen können.
Es steht Spitz auf Knopf, doch wenn man der Engine Glauben schenken kann, ist diese Stellung für Weiß nicht zu gewinnen.
56.Kd2 Txh4 57.Kc3 den hatte ich verpasst...so einfach kann Schach sein. g5 58.a5 g4 59.a6 Th1 60.a7 1–0
Ein sehr ärgerlicher Verlust nach zäher Gegenwehr, doch es sollte nicht der letzte gewesen sein...
Dennoch startete ich optimistisch in den nächsten Tag, an dem es gegen meinen Wirtzfelder Clubkameraden IM Stephane Hautot in die Schlacht ging. Ich war sehr gut vorbereitet, und da Stephane immer dieselbe Eröffnung spielt, plante ich einen vollen Punkt ein. Völlig falsch lag ich zwar nicht, doch überraschte er mich mit einer in meinen Augen dubiosen Nebenvariante. Was dann geschah, seht selbst:
Winterberg - IM Hautot (2374)
1.d4 d5 2.Sf3 Sf6 3.c4 c6 4.Sc3 dxc4 5.a4 Lf5 6.Se5 Sbd7 7.Sxc4 Sb6 8.Se5 a5 Dies ist die solide Lieblingsvariante der Chinesen, die viele chinesische Super-GMs in ihrem Repertoire haben. Da man sich am schwarzen Aufbau durchaus die Zähne ausbeißen kann, möchte ich das System hiermit "Chinesische Mauer" taufen. 9.f3 in meinen Augen der ambitionierteste Zug. Solidere Spieler wie Kramnik haben in der Praxis auch häufig 9.g3 und das moderne 9.e3 versucht. Wer es geradliniger mag, kann Gelfands 9.Lg5 folgen oder sich für Mamedyarovs giftiges 9.Tg1!? entscheiden.
9...h6 und da ist schon die Überraschung. Meine gesamten Analysen fingen mit dem Hauptzug 9...Sfd7 an, den die Theorie auch mit Abstand am höchsten einstuft. Der Partiezug hat halt das Problem, dass der Läufer auf h7 kümmerlich stehen wird, und selbst wenn Schwarz es schaffen sollte c5 oder e5 zu realisieren, es viele Tempi benötigen wird, diesen Läufer wieder zurück ins Spiel zu beordern. Meiner Ansicht nach ist 9...h6?! daher eine schlechte Idee. 10.e4 Lh7 11.Le3 Sfd7? Es ist erstaunlich, dass mein Gegner, der immer dieses System mit Schwarz spielt, auf solche Ideen kommt. 11...e6 war ein Muss. 12.Sxd7 Sxd7 13.d5! und plötzlich hat Schwarz große Entwicklungsprobleme. 13...cxd5?? Das überspannt den Bogen aber endgültig. Notwendig war 13...e6 14.dxe6 fxe6 15.Db3 wonach Schwarz zwar deutlich schlechter steht, aber immerhin noch am Leben ist. 14.Lb5 e6 15.exd5 Lb4 16.dxe6 fxe6 17.00 De7 was sonst? 18.Lb6!
Die schwarze Stellung wird zunehmends schlechter. Er kann nach wie vor nicht rochieren und ist ziemlich paralysiert. Der nächste Zug ist forciert. 18...Lc5+ 19.Lxc5 Dxc5+ 20.Tf2? das erste Mal, dass ich den Gewinn verpasse. Ursprünglich geplant war 20.Kh1, wonach Schwarz sofort verloren ist. So würde 20...000 an 21.Se4 Lxe4 (21...De7 22.Dd6+-/ 21...Db6 22.Sd6+ Kb8 23.Sf7+-) 22.Tc1+- scheitern und nach 20...Td8 gäbe es 21.Se4! Lxe4 22.fxe4 nebst Dg4 und Gewinn. Mit Tf2 wollte ich es übergenau spielen und gegebenenfalls den Turm nach d2 überführen, doch das hat den Nachteil, dass die Türme nicht verbunden sind. 20...Td8 erzwungen. 20...000 verliert analog zum Kh1-Abspiel nach 21.Se4+- 21.Tc1 De3 ich erwartete 21...Db6, wenn 22.Sd5! einen starken Eindruck hinterlässt. Nach dem Partiezug wurde ich nervös. Wie soll ich jetzt gewinnen? Problematisch ist, dass Schwarz nun 0-0 droht, um Lxd7 mit Txd7 zu beantworten, da der Tc1 hängt. Hier wird der Nachteil von 20.Tf2? deutlich. 22.Kf1 0-0 23.Te2? übersieht den sofortigen Knockout. Nach 23.Td2! hätte Schwarz die Figur nicht retten können, wie Varianten wie 23...Tf7 24.Sa2! deckt c1 Le4 25.Tc3 nebst Txd7 +- oder 23...Lg6 24.Sa2! Tf7 25.Tc7 nebst Tcxd7 illustrieren. 23...Dg5 24.Lxd7 Txd7 25.Dxd7 Dxc1+ 26.Kf2 das ernüchternde Ergebnis einer einstmaligen Gewinnstellung. Es tut weh, wenn man sich vor Augen führt, was Weiß aus seinen Chancen gemacht hat. 26...Lf5 27.Dd4! stark gespielt, Weiß klopft sich den Staub ab und fängt von vorne an mit seinen Gewinnbestrebungen. Die Dame steht sehr zentral und lässt Weiß auf ein kleines Plus hoffen. Schwächer hingegen ist 27.Dxb7 Ld3, wo Schwarz sich gut behauptet. 27...Kh7? ein ernster Fehler, der zu einem schlechten Endspiel führt, welches Schwarz kaum halten kann. Ich erwartete stattdessen 27...Dg5, wo es für Weiß sehr schwierig ist, auf Gewinn zu spielen. 28.Dd2! Dxd2 ist erzwungen, da 28...Dh1 29.Dd6 +- etwas peinlich wäre. 29.Txd2 Kg6 30.Td7 Tf7 31.Td6 Tc7 32.Tb6 Td7 33.Ke3 Kf6 34.Tb5 Ld3 35.Txa5 b6 36.Ta8 Lf1 37.g3? in Zeitnot versuchte ich einfache Züge zu machen, die nichts verderben. Nach 37.Tb8 hätte Schwarz getrost aufgeben können, da 37...Td6 an 38.Se4+ scheitert. 37...Lc4 38.Se4+ Ke7 39.h4 mit der Idee den König über f4 zu aktivieren. 39...e5 40.Tc8 Td3+ 41.Kf2 Ld5 und hier wurde mir gesamte Ausmaß meines Scheiterns bewusst. 42.Tc7+ Kf8 43.Tc8+ Ke7 44.Sc3!? ein letzter Gewinnversuch, der jedoch nicht ohne Risiken ist. Schwarz kriegt nun Gegenspiel und sollte nicht verlieren. Die Engine findet aber selbst hier noch eine erstaunlichen Weg um den Sieg zu kämpfen, der in 44.b4!! besteht. Natürlich sah ich diesen Zug, doch dachte ich Weiß würde einen Bauern einbüßen. Allerdings ist dies mitnichten so.
So scheitert beispielsweise 44...Tb3 an 45.Tc7+ Kd6 (45...Kf8 46.Sc3 +-) 46.Txg7 Txb4 47.Th7 +/- und 44...Lxe4 45.fxe4 Td4 46.Tc7+! Kf8 47.a5 bxa5 48.bxa5 Ta4 (48...Txe4? 49.a6 Ta4 50.a7 nebst Tc8+ und a8=D +-) 49.Tc5 führt zu einem für Weiß günstigen Endspiel, wo ich mir nicht sicher bin, ob Schwarz es halten kann. Der Partiezug 44.Sc3!? ist zwar interessant, reicht jedoch nicht aus, einen gewinnbringenden Vorteil zu erzielen. 44...Lxf3 45.Tb8 g5 46.hxg5 hxg5 47.Txb6 g4 48.Tb4 quasi ein Muss. Schwarz drohte mit e4, was unbedingt verhindert werden muss. 48...Kd6 49.a5 Kc5 50.Tb5+ Kd6 51.Tb4 Kc5 52.Tb5+ ½–½
Und schwups ist leichtfertig ein halber Punkt verschenkt. Ein Remis, das sich anfühlt wie ein Verlust. Ich zeigte mich resistent gegen jedwede verheißungsvolle Gewinnfortsetzung und verdiene unter dem Strich das Remis. Dummheit muss bestraft werden.
Runde 8 stand unter einem anderen Stern. Da ich bereits nach Runde 7 in meiner Unterkunft auscheckte, pendelte ich die letzten 2 Tage. Bei einer Fahrt von ca. 2h10min. ist das erträglich. So verließ ich um 11:45 das Haus, also 3h15min. vor Rundenbeginn...aber wie so oft in diesem Turnier ging alles schief. Auf der A3 gab es einen sehr sehr langen Stau nach einem Unfall. Eigentlich kein Problem, ich plane ja immer sehr großzügige Zeitpuffer ein, lieber zu früh als zu spät. Das Problem war, es ging überhaupt nicht weiter, keinen Meter, und das für über eine Stunde. So kontaktierte ich um kurz nach 1 die Turnierleitung und teilte ihr mit, dass ich es nicht pünktlich schaffen würde, vielleicht sogar erst um 4 Uhr eintreffen würde. Ich hoffte darauf, eine Regelung finden zu können, die vorsieht, dass mein Gegner auf mich wartet, so wie ich es am ersten Tag tat, als mein Gegner noch arbeiten musste und die Partie auf 6 Uhr verlegt wurde. Aber nein, um 15:28 erreichte ich "schon" den Turniersaal, meine Uhr lief bereits. Mit Schwarz gegen einen 2373er, mit 28 Minuten weniger auf der Uhr...eine ziemliche Hypothek. Zu meiner Freude kam das einzige Mal in diesem Turnier meine Vorbereitung aufs Brett. Eine Variante, die ich gut kenne, mein Gegner nicht. Ich blitzte, er grübelte und so war sein Zeitvorsprung bald aufgebraucht. Im Mittelspiel bin ich jedoch traditionell sehr lahm und so kam ich doch noch in Zeitnot und vermisste die 28min. Es kam wie es kommen musste...
FM Kalka (2373) - Winterberg
1.c4 Sf6 2.Sf3 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.d4 0-0 6.Le2 Sa6 7.0–0 e5 8.Te1 Lg4!? meine Lieblingsvariante 9.Le3 Lxf3 10.Lxf3 exd4 11.Lxd4 Sb4 das ist die Idee 12.Dd2 Sc6 13.Le3 Sd7 14.Le2 Sc5 15.f3 Se6 mein Gegner verriet mir nach der Partie, dass er diese Idee völlig übersehen hat, dabei ist doch gerade Se6 der Kern des schwarzen Planes. 16.Kh1 und der Zeitvorteil war weg. Meine häuslichen Analysen beschäftigen sich hauptsächlich mit 16.Td1, doch fürchtete mein Gegner 16...Ld4, ein Zug, den ich ob meines geschwächten Königs nie und nimmer gemacht hätte. Die weiße Initiative entwickelt sich nach f4-f5 sehr schnell und die Schwäche des Le2 ist lediglich eine ephemere Erscheinung. 16...Scd4
Nach 16...Ld4 wollte mein Gegner mittels Lh6-e3-h6 die Züge wiederholen. Er verstand nicht, der Schwächung meines Königs Bedeutung beizumessen.17.Sb5 will den lästigen Sd4 sofort befragen, Weiß mag etwas besser stehen, der Rappe, der wie ein Krake auf d4 sitzt, ist allerdings sehr lästig und bereitet dem Anziehenden Unwohlsein, da er "um ihn herum" spielen muss. c5 18.f4 Sxb5 19.cxb5 Sd4 20.Lc4 De7 21.Dd3 Tae8 22.Ld2 Kh8 23.Te3 Dd7 24.a4 f5 25.Tae1 Te7 26.Ld5 Tfe8 eine sehr interessante Stellung hat sich ergeben. Meiner Meinung nach mischt Schwarz kräftig mit und sollte nicht schlechter stehen. 27.Th3 Lf6? und die Zeitnot fordert ihren Tribut. Mit 28min. mehr auf der Uhr hätte ich definitiv 27...fxe4! 28.Txe4 Dg4! mit schwarzem Vorteil gefunden. 28.Dg3 fxe4? Leider zu spät und bereits der entscheidende Fehler. Es gab tatsächlich noch Rettung, welche mit 28...Tg7! verbunden war. Nach 29.e5 dxe5 30.fxe5 Lh4! den übersahen wir beide, steht das Spiel in etwa gleich. 29.Dxg6 Tf8 erst jetzt merkte ich, dass das geplante 29...Df5 an 30.Txh7 +- scheitert. 30.Dh6 Tg7 31.Lxe4 Df7 32.g4 d5 33.Lb1 c4 34.g5 Ld8 35.Lb4 Tfg8 36.Lc3 Lb6 37.Dxb6 habe ich natürlich gesehen, aber was sollte ich sonst spielen?
axb6 38.Lxd4 Te8 39.Txh7+ Kg8 40.Txg7+ Dxg7 41.Txe8+ 1–0
Und erneut ein unnötiger Verlust, manchmal ist es wirklich wie verhext. Der Freude meines Gegner tat das jedoch keinen Abbruch, es muss offenbar ein sehr befriedigendes Gefühl sein mit Weiß gegen einen 90 Punkte schwächeren Gegner bei 30 min. mehr auf der Uhr zu gewinnen...
Inzwischen hatte ich das Turnier bereits abgehakt, es sollte einfach nicht sein! In Runde 9 wurde dann ein Ragozin diskutiert, auf den ich natürlich nicht vorbereitet war. Durch den Sieg robbte (anders kann man es wirklich nicht nennen) ich mich noch an meinem Widerpart vorbei, der am Ende auf Platz 9 eintrudelte.
Winterberg - FM Kaufeld (2342)
1.Sf3 ich wollte eine schlaue Zugreihenfolge wählen, doch bereits sein 1.Zug ließ die Träume einer gelungenen Vorbereitung platzen. d5 2.d4 Sf6 3.c4 e6 4.Sc3 Lb4 Ragozin, ok. Wie ging das noch gleich? 5.Lg5 Sbd7 6.cxd5 exd5 7.e3 h6 8.Lh4 g5 In den Varianten mit frühem c5 kenne ich mich ja halbwegs aus, aber frühes h6-g5 hmmm. 9.Lg3 Se4 10.Sd2 Sxg3 11.hxg3 Sb6 12.Ld3 Le6 13.Db3 nachdem ich diesen Zug gespielt hatte, mochte ich ihn schon nicht mehr. Die Dame steht dort unglücklich, da sie einem eventuellen c5 ins Visier blickt. 13...De7 das hingegen empfand ich als sehr angenehm. Wieso nicht Ld6, was mich ernsthaft mit der Drohung c5 konfrontiert? 14.a3 Lxc3 15.Dxc3 c6 16.b4 a6 17.a4 Df6 18.Dc5 der konkrete Ansatz bestand in 18.b5, der auf mich einen gesunden Eindruck machte, aber ich wollte die Lage nicht forcieren. 18...Sd7 19.Dd6 De7 zu weißer Initiative führt auch der Versuch die Dame zu fangen. Nach 19...c5 20.bxc5 Tc8 21.c6 Txc6 22.Da3 bzw. 19...Tc8 20.Sb3 h5 (20...c5? 21.Sxc5+-) 21.Sa5 Tb8 22.f3 steht Weiß etwas besser. 20.Dxe7+ Kxe7 21.Sb3 h5 22.f3! ein starker Plan f5 23.Kf2
durch prophylaktisches Spiel hat Weiß verhindert, dass Schwarz am Königsflügel zu Gegenspiel kommt. Nun wird am Damenflügel gespielt, während Schwarz, des aktiven Spiels beraubt, nur abwarten kann. Außerdem neigen auch die Bauern h5 und f5 zur Schwäche. Kd6 24.Tab1 Sf6 25.Sc5 Lc8 26.Thc1 Tf8 27.Le2 Tf7 28.Tb2 Te7 29.Tbc2 Le6 30.Sd3 Weiß hat den Luxus lavieren zu dürfen. Mein Gegner war bereits in Zeitnot und da ist keine direkte Drohung oft die unangenehmste...man kann sich nicht gegen sie verteidigen. Außerdem schwebt der mögliche Hebel b5 schon länger wie ein Damoklesschwert über des Schwarzen Haupt, was ihn zwingt, sich Gedanken über seine Figurenstellung zu machen. 30...h4? Bricht zusammen. Schwarz musste die Füße still halten, auch wenn es schwer fällt. Richtig war 30...Se7, wenn Weiß sein Lavierspiel fortsetzt und irgendwann in einem günstigen Moment b5 realisiert. Die schwarze Stellung macht auf mich einen sehr gefährdeten Eindruck und ich weiß nicht, ob Schwarz sich halten kann. 31.gxh4 gxh4 32.Se5 droht dreist mit Matt. Tg7 33.b5 erstaunlich ist der Vorschlag der Engine, die 33.Sxc6 bxc6 34.Txc6+ Ke7 35.Txa6 propagiert. Für das menschliche Auge erscheint diese Brachiallösung aber unangemessen. axb5 34.axb5 Sd7 35.Sd3! richtig gespielt, da 35.bxc6 nicht forciert gewinnt, wird der Springer zu seinem Traumfeld f4 überführt.
cxb5 36.Tb2 Sb6 37.Txb5 Sc4 38.Tcb1 Ta2 39.Sf4 Ein strategisches Bild des Horrors. Schwarz bleibt auf einer Ruine sitzen und die Drohungen Tb6+ und Txb7 lassen sich nicht parieren. b6 40.Txb6+ Sxb6 41.Txb6+ Kc7 42.Txe6 1–0
Fazit: Das Turnier war an sich sehr schön und eine tolle Erfahrung. Zwar lief es für mich nicht ideal, doch habe ich gemerkt, dass es nicht so schwer ist, eine IM-Norm zu schaffen. Die Durchführung von IA de Vet und anderen Helfern war sehr gelungen und verlief reibungslos.
Welches Turnier als nächstes ansteht, weiß ich noch nicht aber bald beginnt die neue Saison, in der wir hoffentlich ordentlich durchstarten werden :)
während Caruana die Weltspitze derzeit kräftig aufwirbelt, versuchte ich mich an meinem 1. IM- Normenturnier in Eupen. Es handelt sich dabei um ein Rundenturnier mit 10 Teilnehmern unter der Leitung des International Arbiter (IA) Sylvin de Vet. Das Turnier an sich war eine tolle Erfahrung und es hat Spaß gemacht, durchgängig gegen Gegner zu spielen, die mindestens so stark sind wie ich selbst. Mit der Norm hat es zwar nicht ganz geklappt, und auch das Endergebnis von -2 sieht ziemlich schlecht aus, doch spiegelt das den Turnierverlauf, sowie die guten Stellungen, die ich hatte, nicht wirklich wider. Die Rahmenbedingungen waren leider nicht ideal. Die Unterkunft bestand in einem der ältesten Häuser Eupens, mit sehr steilen und schmalen Treppen und keinem TV-Gerät auf dem Zimmer. Bei nur einer Partie am Tag und demnach ca. 17 Std., in denen man auf dem Zimmer verweilt, ist das sehr unvorteilhaft. Auch der Weg zur Turnierhalle (1km. steil bergauf) war beschwerlich und so schleppte ich mich oft mit letzter Kraft 25min. vor Spielbeginn in die Turnierhalle. Bei Rundenbeginn war ich dann jedoch wieder voll auf der Höhe, sodass der Gewaltmarsch keinen Einfluss auf das Spielgeschehen nahm. Die Räumlichkeiten des SK Rochade Eupen-Kelmis sind sehr schön. An den Wänden hängen zahllose Trophäen, Urkunden und Schenkungen von Partnervereinen. Der Spielsaal war geräumig, die Atmosphäre gut und alles in allem wirkte das Turnier sehr familiär. Dennoch wurde sich an den Brettern nichts geschenkt und es wurde hart gekämpft. Am Ende gelang 3 Teilnehmern eine IM-Norm: M. Coenen (2294), FM A. Kalka (2373) und FM P. Hopman (2387). Gratulation dazu! Ich hatte das drittniedrigste Startrating und mein Primärziel war es, 50% oder mehr der Punkte zu holen. Am Ende waren es nur 3,5 jedoch hätten es auch locker 5,5 sein können. Einen unnötigen Verlust gab es bereits in Runde 1 zu beklagen. Nachdem mein Gegner mich bereits mit 3.Lc4 aus der Vorbereitung warf, setzte er im Folgenden mit 6.Lg5 7.Lxf6 fort, was auf mich einen ungesunden Eindruck macht. Nur Schwarz kann auf Vorteil spielen. Trotzdem investierte ich eine Menge Bedenkzeit, die mir später bei taktischen Verwicklungen fehlte.
Coenen,M. (2294) - Winterberg:
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.0–0 Sf6 5.d3 a6 6.Lg5 h6 7.Lxf6 Dxf6 8.Sc3 d6 9.Sd5 Dd8 10.c3 La7 11.b4 0–0 12.a4 Se7 13.Se3 c6 14.Lb3 Sg6 15.d4 Df6 16.Te1 Sf4 17.g3 exd4 18.cxd4 Sh3+ 19.Kg2 Te8 20.e5 dxe5 21.dxe5 De7 22.Dc2 Dxb4 23.e6 Txe6 24.Lxe6 Lxe6 25.Tab1 De7 26.Db2 Tb8 27.Sd4 Sg5 28.Sdf5 Df8 29.De5 g6 30.h4 Sh7 31.Sd4 Te8 32.Sxe6 Txe6 33.Dc3 b5 34.Sg4 Td6 35.De5 Td2 36.Df4 Dd6 37.Te8+ Sf8 38.Sxh6+ Kg7 39.Dxf7+ Kxh6 40.Dxa7 Df6 41.De3+ 1–0
In Runde 2 hatte ich wieder Schwarz. Dieses Mal lief es allerdings besser:
IM Vandevoort (2390) - Winterberg
1.Sf3 Sf6 2.g3 Obwohl erst 2 Züge gespielt sind, war meine intensive Vorbereitung schon hier für die Katz... 2...e6 3.Lg2 d5 4.00 Le7 5.d4 b6 6.c4 c6 inspiriert von GM Kovalyov, dem ich in dieser Variante mit Weiß in etlichen Partien nicht ein einziges Remis abtrotzen konnte. Dies war das 5. Mal, dass ich dieses System anwandte. Gegen starke Gegnerschaft (2 FMs, 2GMs) standen bis zu dieser Partie 3 Remise und 1 Verlust. 7.Sc3 0-0 8.Se5 Lb7 9.e4 dxc4 ich folge meiner eigenen Partie, die ich im Oktober 2013 gegen FM Schild spielte. Nach der Eröffnung stand ich sehr passabel, dass ich dann allerdings fehlgriff und für den Rest der Partie leiden musste, bevor wir am Ende versöhnlich den Remishafen anschipperten, ist auf mein schlechtes Spiel zurückzuführen. 10.a4 Sbd7 11.Sxc4 La6 12.b3 Lxc4 13.bxc4 e5! ansonsten wäre das schwarze Konzept völig verfehlt. 14.d5 cxd5 15.exd5!?N mein Gegner spielte es ad hoc und ehrlich gesagt, zog ich exd5 nie ernsthaft in Betracht. c4 ist für den Rest der Partie schwach. Leider ist die Sache nicht so klar. Der weiße Ansatz mit exd5 ist sehr konkret und fußt auf der Idee d6 nebst Sb5 zu spielen.
Schwarz hat hier eigentlich nur 3 Kandidatenzüge: a) 15...Ld6 b) 15...Lc5 und c)15...Lb4
Schnell verwerfen lässt sich das passive Ld6, da Weiß nach 16.Sb5 quasi schon eine Gewinnstellung hat. Was der Läufer auf b4 zu suchen hat, war mir indes nicht klar. So entschied ich mich für den Partiezug 15...Lc5. Es folgte: 16.d6 und nun muss Schwarz bereit sein, die Qualität zu geben. 16...Ld4! 17.Ta3? wieder sehr schnell gespielt. Viel besser wäre es gewesen, sich auf a8 zu bedienen. Nach 17.Lxa8 Dxa8 18.Lb2 Dc6 19.De2 a6 schätzte ich die Lage als unklar ein. Für die Qualität wird Schwarz den Bauern d6 gewinnen, während c4 weiterhin schwach ist. Meister Houdini sieht Weiß aber klar am Ruder. Wenn das das beste ist, was Schwarz nach 15.exd5!?N aus der Stellung rausholen kann, steht die ganze Idee mit La6 nebst Lxc4 unter keinem guten Stern. Der Partiezug 17. Ta3? vergibt den Vorteil 17...Tc8 18.Sb5 Txc4 und nun fing mein Gegner endlich an zu denken, reichlich spät, wenn man bedenkt, dass Weiß bereits um Ausgleich kämpft. 19.De2 Dc8 20.Sxa7? besser war 20.Sc7, wonach der schwarze Vorteil im Rahmen bleibt. 20...Dc5 21.Lg5?? krönt das schlechte Spiel mit einem plumpen Einsteller. 21...Tc2 22.Dd3 e4 23.Lxe4 Sxe4 24.Dxe4 Lxf2+ 25.Kh1 Dxa3 0-1
Ein gelungenes Schlussbild!
In Runde 3 vergaß ich im 18. Zug die theoretische Empfehlung und hätte vielleicht besser daran getan, Remis durch Zugwiederholung zu forcieren. Ich wollte gewinnen, doch das ging nach hinten los. Eine gute Darbietung von IM Braun, der am Ende mit 6,5/9 ganz oben in der Tabelle zu finden war!
Winterberg - IM Braun (2360)
1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Sf6 4.e5 Sfd7 5.f4 c5 6.Sf3 Sc6 7.Le3 cxd4 8.Sxd4 Db6 9.Dd2 Dxb2 10.Tb1 Da3 11.Lb5 Sxd4 12.Lxd4 a6 13.Lxd7+ Lxd7 14.Tb3 De7 15.Txb7 Dd8 16.Lb6 Dc8 17.Tc7 Dd8 18.Df2 Tc8 19.Txc8 Dxc8 20.Dd4 Dc6 21.f5 La3 22.Sb1 Le7 23.f6 gxf6 24.exf6 Ld6 25.0–0 e5 26.Db2 Db5 27.Dxb5 Lxb5 28.Td1 Lc6 29.Sc3 d4 30.Se2 Kd7 31.c3 La4 32.Td2 Kc6 33.La5 Kb5 34.cxd4 Kxa5 35.dxe5 Lc5+ 36.Kf1 Te8 37.Td5 Kb6 38.Sc3 Lc6 0-1
Runde 4 brachte die dritte Schwarzpartie, auch der Tag war ziemlich schwarz. In 8 Partien kam ich gut aus der Eröffnung raus, in Runde 4 war das Eröffnungsergebnis desaströs und ich verlor mehr als verdient gegen FM Marcziter (2235), der am Ende 4/9 erreichte und ein gutes Turnier spielte. Die Schlusskombination ist sehenswert:
FM Marcziter (2235) - Winterberg
Stellung nach 25...Sf8
Weiß gewann mit 26.Txf6! Kxf6 27.Ld4+! Ke7 28.Te1+ Kd7 29.d6 Db8 30.Te7+ Kxd6 31.Txb7 Dxb7 32.Le5+ 1-0
Der Start mit 1/4 war alles andere als zufriedenstellend und um ein Debakel zu verhindern, mussten dringend Punkte her. In Runde 5 kam selbstverständlich wieder nicht meine Vorbereitung aufs Brett, was lediglich in Runde 8 der Fall war, dennoch lief es sehr gut. Mein Gegner FM Meessen (2278), der Kapitän der belgischen Herrenmannschaft in Tromsö, wollte mich mit einer Eröffnung überraschen, die er noch nie zuvor spielte, und erleidete schnell Schiffsbruch.
Winterberg - FM Meessen (2278)
1.e4 d5 2.exd5 Dxd5 3.Sc3 Dd8 meine praktischen Erfahrungen mit dieser Antiquität basieren lediglich auf einer Partie, welcher im Übrigen ein eigener Thread gewidmet wurde (Threadtitel: "Entscheidung im 5. Zug?!") 4.Lc4 Sf6 5.Sf3 Sc6 Schwarz will es wissen 6.d4 Lg4 7.d5 Se5?? ein unglaublicher Patzer 8.Sxe5
Lxd1 9.Lb5+ c6 10.dxc6 Lg4 11.Sxg4! am kaltblütigsten bxc6 12.Lxc6+ Sd7 13.Se5 Dc7 14.Lxd7+ Kd8 15.Lf4 Db7 16.0–0–0 Kc7 17.Sb5+ Kb6 18.Sc4+ Kc5 die abschließende Hatz verdient ein weiteres Diagramm
19.Le3+ Kxc4 20.Td4+ Kc5 21.b4+ Kb6 22.Td6# 1–0
FM Rudolf Meessen erwischte ein schreckliches Turnier und musste sich bei einer Bilanz von (+1/=0/-8) mit dem letzten Tabellenplatz begnügen.
Nach diesem Geschenk kam wieder ein dicker Brocken: FM Pieter Hopman, der laut eigener Aussage inoffiziell bereits ein Rating von ca. 2422 hat. Ich war wie in diesem Turnier üblich auf die falsche Variante vorbereitet und musste mit eigenem Kopf denken. Da ich 4/4 brauchte, um eine Norm zu schaffen, war Remis keine Option, weshalb ich lasche, remisträchtige Varianten, die sich in der Eröffunung ergaben, ausschlug, und versuchte in einem komplizierten, zweischneidigen Mittelspiel, als Sieger vom Feld zu gehen. Leider ging der Schuss nach hinten los und nach einem langen, zähen Kampf blieb mir nichts weiter übrig, als die Hand zu reichen.
FM Hopman (2387) - Winterberg
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.g3 Lb4+ 4.Ld2 Le7 verglichen mit der Partie gegen Vandevoort stellt diese Zugfolge eine kleine Feinheit dar, da der weiße Läufer auf d2 schlecht steht...5.Lg2 d5 6.Sf3 b6 7.Sc3 c6 8.Lg5...was Weiß in der Regel durch Lf4 Sh5 Lc1 korrigiert. Anschließend wird der Läufer dann mittels b3 und Lb2 fianchettiert. 8.Lg5 trägt eigenen Charakter, stellt Schwarz aber vor keinerlei Probleme. 0–0 9.0–0 Lb7 10.Se5 Sbd7 11.cxd5 cxd5 12.Sd3 Tc8 13.f3 b5 Schwarz hat gutes Spiel und träumt von einer Initiative am Damenflügel 14.Le3 b4 15.Sa4 Da5?! eine schlechte Wahl. Ich war mir nicht sicher, ob Lc6 oder der Partiezug vorzuziehen war. Die Engine lässt da keine Fragen offen. Besser war 15...Lc6! wonach Schwarz gut steht. Man sehe z.B. 16.Sac5 Lb5 17.Tc1 Sxc5 18.Sxc5 Sd7 von weißer Initiative ist weit und breit nichts zu sehen. 16.b3 Lc6 17.Sab2 Se8!? beseelt von der Idee mittels Sc7-b5 einen Springer auf c3 zu installieren. 18.Dd2 Db6 19.Lf2 a5 20.e4 Sc7 21.e5 Lb5 22.h4 f5?! besser war es vermutlich sofort auf d3 zu schlagen. Nach 22...Lxd3 23.Dxd3 Sb5 24.Sa4 Dc6 mit der Idee Sb6 gelingt die schwarze Infiltration. 23.Tfc1 Lxd3 24.Dxd3! das hatte ich unterschätzt.Weiß droht mit Lf1, was die Bankrotterklärung meines Planes bedeuten würde. Schwarz muss nun nolens volens Sb5 ziehen, was zu einer sehr unerfreulichen Stellung führt. 24...Sb5 25.Sa4 Db7 26.Lf1 Sa3 27.Da6 Dxa6 28.Lxa6 Ta8 29.Tc6? auch Weiß strauchelt. Zu spät sah ich Tc7, wonach Schwarz auf Verlust steht, er kann sich nicht bewegen, während die weißen Türme wie Orkane im schwarzen Hinterland wüten. Tc6 basiert auf einem taktischen Schwindel, erlaubt Schwarz aber Erleichterung. 29...Kf7 Es galt zu erkennen, dass 29...Sb8 nicht etwa eine Figur gewinnt, sondern einem taktischen Trick zum Opfer fällt, der die Partie zu weißen Gunsten entscheidet. 30.Txe6 Kf7 31.Lb7 nebst 32.Lxd5 und Weiß hat sich 2 Bauern eingeheimst. 30.Ld3 Tfc8 31.Tac1 Txc6 32.Txc6 Ld8 33.Le3 Ta7 der einzige vernünftige Plan. Was sonst? 34.Tc8 Lc7 35.Kf2 Sb6 von diesem Zug und der damit verbundenen Bewertung des nachfolgenden Endspiels hängt die Stellungsbewertung ab. Es gab keine Alternativen, Schwarz muss im Endspiel S+L gegen Turm nach Rettung suchen. 36.Txc7+ Txc7 37.Sxb6 Sc2 38.Sa4 Sxe3 39.Kxe3 Tc1 40.Sc5 Ke7 41.La6 Te1+ 42.Kf4 Td1!
schlau gespielt, wenn Weiß auf Gewinn spielen will, muss er ein Risiko eingehen, nämlich den Bauern a2 mit Schach abtreten. Ängstliche Spieler müssen sich mit Remis nach Te1-d1-e1-d1 begnügen. 43.Ke3 Te1+ 44.Kd3 Tf1 45.Ke2 Ta1 46.Lc8 Txa2+ 47.Kd3 Tf2 48.Lxe6 Txf3+ 49.Ke2 Txg3 50.Lxf5? unverständlich. Nicht nur die Ästhetik, sondern auch der gesunde Menschenverstand sprach für Lxd5, wenn Weiß sich durchsetzen sollte. Tg2+ 51.Ke3 Th2 Schwarz wehrt sich nach Leibeskräften, der Turm entfaltet eine enorme Aktivität, Weiß muss auf der Hut sein 52.Le6 Weiß ist auf der Höhe. Nach 52.Lxh7?! Th3+! ein wichtiges Zwischenschach 53.Ke3 Txh4 54.Lg8 Txd4 55.Kd3 Td1 wäre das Remis unausweichlich 52...a4! genau so. Schwarz nutzt die schlechte Koordination des Anziehenden aus. Man beachte wie Schwarz sich durch aktives Spiel am Leben hält. Der Turm bereitet dem Weißen große praktische Probleme.
53.bxa4 b3 54.Lxd5 b2 55.La2 Th3+?? ein totaler Blackout, der Schwarz um die Früchte seiner Verteidigungsarbeit bringt. Ursprünglich war natürlich 55...Th1 56.d5 Ta1 der Plan, bis ich plötzlich die fixe Idee hatte, den d4-Bauern zu gewinnen, was natürlich hinten und vorne nicht klappt. Interessant ist das Endspiel, das nach 55...Th1 56.d5 Ta1 57.d6+ Ke8 58.Kd3 Txa2 59.Kc2 b1=D 60.Kxb1 Td2 hätte entstehen können.
Es steht Spitz auf Knopf, doch wenn man der Engine Glauben schenken kann, ist diese Stellung für Weiß nicht zu gewinnen.
56.Kd2 Txh4 57.Kc3 den hatte ich verpasst...so einfach kann Schach sein. g5 58.a5 g4 59.a6 Th1 60.a7 1–0
Ein sehr ärgerlicher Verlust nach zäher Gegenwehr, doch es sollte nicht der letzte gewesen sein...
Dennoch startete ich optimistisch in den nächsten Tag, an dem es gegen meinen Wirtzfelder Clubkameraden IM Stephane Hautot in die Schlacht ging. Ich war sehr gut vorbereitet, und da Stephane immer dieselbe Eröffnung spielt, plante ich einen vollen Punkt ein. Völlig falsch lag ich zwar nicht, doch überraschte er mich mit einer in meinen Augen dubiosen Nebenvariante. Was dann geschah, seht selbst:
Winterberg - IM Hautot (2374)
1.d4 d5 2.Sf3 Sf6 3.c4 c6 4.Sc3 dxc4 5.a4 Lf5 6.Se5 Sbd7 7.Sxc4 Sb6 8.Se5 a5 Dies ist die solide Lieblingsvariante der Chinesen, die viele chinesische Super-GMs in ihrem Repertoire haben. Da man sich am schwarzen Aufbau durchaus die Zähne ausbeißen kann, möchte ich das System hiermit "Chinesische Mauer" taufen. 9.f3 in meinen Augen der ambitionierteste Zug. Solidere Spieler wie Kramnik haben in der Praxis auch häufig 9.g3 und das moderne 9.e3 versucht. Wer es geradliniger mag, kann Gelfands 9.Lg5 folgen oder sich für Mamedyarovs giftiges 9.Tg1!? entscheiden.
9...h6 und da ist schon die Überraschung. Meine gesamten Analysen fingen mit dem Hauptzug 9...Sfd7 an, den die Theorie auch mit Abstand am höchsten einstuft. Der Partiezug hat halt das Problem, dass der Läufer auf h7 kümmerlich stehen wird, und selbst wenn Schwarz es schaffen sollte c5 oder e5 zu realisieren, es viele Tempi benötigen wird, diesen Läufer wieder zurück ins Spiel zu beordern. Meiner Ansicht nach ist 9...h6?! daher eine schlechte Idee. 10.e4 Lh7 11.Le3 Sfd7? Es ist erstaunlich, dass mein Gegner, der immer dieses System mit Schwarz spielt, auf solche Ideen kommt. 11...e6 war ein Muss. 12.Sxd7 Sxd7 13.d5! und plötzlich hat Schwarz große Entwicklungsprobleme. 13...cxd5?? Das überspannt den Bogen aber endgültig. Notwendig war 13...e6 14.dxe6 fxe6 15.Db3 wonach Schwarz zwar deutlich schlechter steht, aber immerhin noch am Leben ist. 14.Lb5 e6 15.exd5 Lb4 16.dxe6 fxe6 17.00 De7 was sonst? 18.Lb6!
Die schwarze Stellung wird zunehmends schlechter. Er kann nach wie vor nicht rochieren und ist ziemlich paralysiert. Der nächste Zug ist forciert. 18...Lc5+ 19.Lxc5 Dxc5+ 20.Tf2? das erste Mal, dass ich den Gewinn verpasse. Ursprünglich geplant war 20.Kh1, wonach Schwarz sofort verloren ist. So würde 20...000 an 21.Se4 Lxe4 (21...De7 22.Dd6+-/ 21...Db6 22.Sd6+ Kb8 23.Sf7+-) 22.Tc1+- scheitern und nach 20...Td8 gäbe es 21.Se4! Lxe4 22.fxe4 nebst Dg4 und Gewinn. Mit Tf2 wollte ich es übergenau spielen und gegebenenfalls den Turm nach d2 überführen, doch das hat den Nachteil, dass die Türme nicht verbunden sind. 20...Td8 erzwungen. 20...000 verliert analog zum Kh1-Abspiel nach 21.Se4+- 21.Tc1 De3 ich erwartete 21...Db6, wenn 22.Sd5! einen starken Eindruck hinterlässt. Nach dem Partiezug wurde ich nervös. Wie soll ich jetzt gewinnen? Problematisch ist, dass Schwarz nun 0-0 droht, um Lxd7 mit Txd7 zu beantworten, da der Tc1 hängt. Hier wird der Nachteil von 20.Tf2? deutlich. 22.Kf1 0-0 23.Te2? übersieht den sofortigen Knockout. Nach 23.Td2! hätte Schwarz die Figur nicht retten können, wie Varianten wie 23...Tf7 24.Sa2! deckt c1 Le4 25.Tc3 nebst Txd7 +- oder 23...Lg6 24.Sa2! Tf7 25.Tc7 nebst Tcxd7 illustrieren. 23...Dg5 24.Lxd7 Txd7 25.Dxd7 Dxc1+ 26.Kf2 das ernüchternde Ergebnis einer einstmaligen Gewinnstellung. Es tut weh, wenn man sich vor Augen führt, was Weiß aus seinen Chancen gemacht hat. 26...Lf5 27.Dd4! stark gespielt, Weiß klopft sich den Staub ab und fängt von vorne an mit seinen Gewinnbestrebungen. Die Dame steht sehr zentral und lässt Weiß auf ein kleines Plus hoffen. Schwächer hingegen ist 27.Dxb7 Ld3, wo Schwarz sich gut behauptet. 27...Kh7? ein ernster Fehler, der zu einem schlechten Endspiel führt, welches Schwarz kaum halten kann. Ich erwartete stattdessen 27...Dg5, wo es für Weiß sehr schwierig ist, auf Gewinn zu spielen. 28.Dd2! Dxd2 ist erzwungen, da 28...Dh1 29.Dd6 +- etwas peinlich wäre. 29.Txd2 Kg6 30.Td7 Tf7 31.Td6 Tc7 32.Tb6 Td7 33.Ke3 Kf6 34.Tb5 Ld3 35.Txa5 b6 36.Ta8 Lf1 37.g3? in Zeitnot versuchte ich einfache Züge zu machen, die nichts verderben. Nach 37.Tb8 hätte Schwarz getrost aufgeben können, da 37...Td6 an 38.Se4+ scheitert. 37...Lc4 38.Se4+ Ke7 39.h4 mit der Idee den König über f4 zu aktivieren. 39...e5 40.Tc8 Td3+ 41.Kf2 Ld5 und hier wurde mir gesamte Ausmaß meines Scheiterns bewusst. 42.Tc7+ Kf8 43.Tc8+ Ke7 44.Sc3!? ein letzter Gewinnversuch, der jedoch nicht ohne Risiken ist. Schwarz kriegt nun Gegenspiel und sollte nicht verlieren. Die Engine findet aber selbst hier noch eine erstaunlichen Weg um den Sieg zu kämpfen, der in 44.b4!! besteht. Natürlich sah ich diesen Zug, doch dachte ich Weiß würde einen Bauern einbüßen. Allerdings ist dies mitnichten so.
So scheitert beispielsweise 44...Tb3 an 45.Tc7+ Kd6 (45...Kf8 46.Sc3 +-) 46.Txg7 Txb4 47.Th7 +/- und 44...Lxe4 45.fxe4 Td4 46.Tc7+! Kf8 47.a5 bxa5 48.bxa5 Ta4 (48...Txe4? 49.a6 Ta4 50.a7 nebst Tc8+ und a8=D +-) 49.Tc5 führt zu einem für Weiß günstigen Endspiel, wo ich mir nicht sicher bin, ob Schwarz es halten kann. Der Partiezug 44.Sc3!? ist zwar interessant, reicht jedoch nicht aus, einen gewinnbringenden Vorteil zu erzielen. 44...Lxf3 45.Tb8 g5 46.hxg5 hxg5 47.Txb6 g4 48.Tb4 quasi ein Muss. Schwarz drohte mit e4, was unbedingt verhindert werden muss. 48...Kd6 49.a5 Kc5 50.Tb5+ Kd6 51.Tb4 Kc5 52.Tb5+ ½–½
Und schwups ist leichtfertig ein halber Punkt verschenkt. Ein Remis, das sich anfühlt wie ein Verlust. Ich zeigte mich resistent gegen jedwede verheißungsvolle Gewinnfortsetzung und verdiene unter dem Strich das Remis. Dummheit muss bestraft werden.
Runde 8 stand unter einem anderen Stern. Da ich bereits nach Runde 7 in meiner Unterkunft auscheckte, pendelte ich die letzten 2 Tage. Bei einer Fahrt von ca. 2h10min. ist das erträglich. So verließ ich um 11:45 das Haus, also 3h15min. vor Rundenbeginn...aber wie so oft in diesem Turnier ging alles schief. Auf der A3 gab es einen sehr sehr langen Stau nach einem Unfall. Eigentlich kein Problem, ich plane ja immer sehr großzügige Zeitpuffer ein, lieber zu früh als zu spät. Das Problem war, es ging überhaupt nicht weiter, keinen Meter, und das für über eine Stunde. So kontaktierte ich um kurz nach 1 die Turnierleitung und teilte ihr mit, dass ich es nicht pünktlich schaffen würde, vielleicht sogar erst um 4 Uhr eintreffen würde. Ich hoffte darauf, eine Regelung finden zu können, die vorsieht, dass mein Gegner auf mich wartet, so wie ich es am ersten Tag tat, als mein Gegner noch arbeiten musste und die Partie auf 6 Uhr verlegt wurde. Aber nein, um 15:28 erreichte ich "schon" den Turniersaal, meine Uhr lief bereits. Mit Schwarz gegen einen 2373er, mit 28 Minuten weniger auf der Uhr...eine ziemliche Hypothek. Zu meiner Freude kam das einzige Mal in diesem Turnier meine Vorbereitung aufs Brett. Eine Variante, die ich gut kenne, mein Gegner nicht. Ich blitzte, er grübelte und so war sein Zeitvorsprung bald aufgebraucht. Im Mittelspiel bin ich jedoch traditionell sehr lahm und so kam ich doch noch in Zeitnot und vermisste die 28min. Es kam wie es kommen musste...
FM Kalka (2373) - Winterberg
1.c4 Sf6 2.Sf3 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.d4 0-0 6.Le2 Sa6 7.0–0 e5 8.Te1 Lg4!? meine Lieblingsvariante 9.Le3 Lxf3 10.Lxf3 exd4 11.Lxd4 Sb4 das ist die Idee 12.Dd2 Sc6 13.Le3 Sd7 14.Le2 Sc5 15.f3 Se6 mein Gegner verriet mir nach der Partie, dass er diese Idee völlig übersehen hat, dabei ist doch gerade Se6 der Kern des schwarzen Planes. 16.Kh1 und der Zeitvorteil war weg. Meine häuslichen Analysen beschäftigen sich hauptsächlich mit 16.Td1, doch fürchtete mein Gegner 16...Ld4, ein Zug, den ich ob meines geschwächten Königs nie und nimmer gemacht hätte. Die weiße Initiative entwickelt sich nach f4-f5 sehr schnell und die Schwäche des Le2 ist lediglich eine ephemere Erscheinung. 16...Scd4
Nach 16...Ld4 wollte mein Gegner mittels Lh6-e3-h6 die Züge wiederholen. Er verstand nicht, der Schwächung meines Königs Bedeutung beizumessen.17.Sb5 will den lästigen Sd4 sofort befragen, Weiß mag etwas besser stehen, der Rappe, der wie ein Krake auf d4 sitzt, ist allerdings sehr lästig und bereitet dem Anziehenden Unwohlsein, da er "um ihn herum" spielen muss. c5 18.f4 Sxb5 19.cxb5 Sd4 20.Lc4 De7 21.Dd3 Tae8 22.Ld2 Kh8 23.Te3 Dd7 24.a4 f5 25.Tae1 Te7 26.Ld5 Tfe8 eine sehr interessante Stellung hat sich ergeben. Meiner Meinung nach mischt Schwarz kräftig mit und sollte nicht schlechter stehen. 27.Th3 Lf6? und die Zeitnot fordert ihren Tribut. Mit 28min. mehr auf der Uhr hätte ich definitiv 27...fxe4! 28.Txe4 Dg4! mit schwarzem Vorteil gefunden. 28.Dg3 fxe4? Leider zu spät und bereits der entscheidende Fehler. Es gab tatsächlich noch Rettung, welche mit 28...Tg7! verbunden war. Nach 29.e5 dxe5 30.fxe5 Lh4! den übersahen wir beide, steht das Spiel in etwa gleich. 29.Dxg6 Tf8 erst jetzt merkte ich, dass das geplante 29...Df5 an 30.Txh7 +- scheitert. 30.Dh6 Tg7 31.Lxe4 Df7 32.g4 d5 33.Lb1 c4 34.g5 Ld8 35.Lb4 Tfg8 36.Lc3 Lb6 37.Dxb6 habe ich natürlich gesehen, aber was sollte ich sonst spielen?
axb6 38.Lxd4 Te8 39.Txh7+ Kg8 40.Txg7+ Dxg7 41.Txe8+ 1–0
Und erneut ein unnötiger Verlust, manchmal ist es wirklich wie verhext. Der Freude meines Gegner tat das jedoch keinen Abbruch, es muss offenbar ein sehr befriedigendes Gefühl sein mit Weiß gegen einen 90 Punkte schwächeren Gegner bei 30 min. mehr auf der Uhr zu gewinnen...
Inzwischen hatte ich das Turnier bereits abgehakt, es sollte einfach nicht sein! In Runde 9 wurde dann ein Ragozin diskutiert, auf den ich natürlich nicht vorbereitet war. Durch den Sieg robbte (anders kann man es wirklich nicht nennen) ich mich noch an meinem Widerpart vorbei, der am Ende auf Platz 9 eintrudelte.
Winterberg - FM Kaufeld (2342)
1.Sf3 ich wollte eine schlaue Zugreihenfolge wählen, doch bereits sein 1.Zug ließ die Träume einer gelungenen Vorbereitung platzen. d5 2.d4 Sf6 3.c4 e6 4.Sc3 Lb4 Ragozin, ok. Wie ging das noch gleich? 5.Lg5 Sbd7 6.cxd5 exd5 7.e3 h6 8.Lh4 g5 In den Varianten mit frühem c5 kenne ich mich ja halbwegs aus, aber frühes h6-g5 hmmm. 9.Lg3 Se4 10.Sd2 Sxg3 11.hxg3 Sb6 12.Ld3 Le6 13.Db3 nachdem ich diesen Zug gespielt hatte, mochte ich ihn schon nicht mehr. Die Dame steht dort unglücklich, da sie einem eventuellen c5 ins Visier blickt. 13...De7 das hingegen empfand ich als sehr angenehm. Wieso nicht Ld6, was mich ernsthaft mit der Drohung c5 konfrontiert? 14.a3 Lxc3 15.Dxc3 c6 16.b4 a6 17.a4 Df6 18.Dc5 der konkrete Ansatz bestand in 18.b5, der auf mich einen gesunden Eindruck machte, aber ich wollte die Lage nicht forcieren. 18...Sd7 19.Dd6 De7 zu weißer Initiative führt auch der Versuch die Dame zu fangen. Nach 19...c5 20.bxc5 Tc8 21.c6 Txc6 22.Da3 bzw. 19...Tc8 20.Sb3 h5 (20...c5? 21.Sxc5+-) 21.Sa5 Tb8 22.f3 steht Weiß etwas besser. 20.Dxe7+ Kxe7 21.Sb3 h5 22.f3! ein starker Plan f5 23.Kf2
durch prophylaktisches Spiel hat Weiß verhindert, dass Schwarz am Königsflügel zu Gegenspiel kommt. Nun wird am Damenflügel gespielt, während Schwarz, des aktiven Spiels beraubt, nur abwarten kann. Außerdem neigen auch die Bauern h5 und f5 zur Schwäche. Kd6 24.Tab1 Sf6 25.Sc5 Lc8 26.Thc1 Tf8 27.Le2 Tf7 28.Tb2 Te7 29.Tbc2 Le6 30.Sd3 Weiß hat den Luxus lavieren zu dürfen. Mein Gegner war bereits in Zeitnot und da ist keine direkte Drohung oft die unangenehmste...man kann sich nicht gegen sie verteidigen. Außerdem schwebt der mögliche Hebel b5 schon länger wie ein Damoklesschwert über des Schwarzen Haupt, was ihn zwingt, sich Gedanken über seine Figurenstellung zu machen. 30...h4? Bricht zusammen. Schwarz musste die Füße still halten, auch wenn es schwer fällt. Richtig war 30...Se7, wenn Weiß sein Lavierspiel fortsetzt und irgendwann in einem günstigen Moment b5 realisiert. Die schwarze Stellung macht auf mich einen sehr gefährdeten Eindruck und ich weiß nicht, ob Schwarz sich halten kann. 31.gxh4 gxh4 32.Se5 droht dreist mit Matt. Tg7 33.b5 erstaunlich ist der Vorschlag der Engine, die 33.Sxc6 bxc6 34.Txc6+ Ke7 35.Txa6 propagiert. Für das menschliche Auge erscheint diese Brachiallösung aber unangemessen. axb5 34.axb5 Sd7 35.Sd3! richtig gespielt, da 35.bxc6 nicht forciert gewinnt, wird der Springer zu seinem Traumfeld f4 überführt.
cxb5 36.Tb2 Sb6 37.Txb5 Sc4 38.Tcb1 Ta2 39.Sf4 Ein strategisches Bild des Horrors. Schwarz bleibt auf einer Ruine sitzen und die Drohungen Tb6+ und Txb7 lassen sich nicht parieren. b6 40.Txb6+ Sxb6 41.Txb6+ Kc7 42.Txe6 1–0
Fazit: Das Turnier war an sich sehr schön und eine tolle Erfahrung. Zwar lief es für mich nicht ideal, doch habe ich gemerkt, dass es nicht so schwer ist, eine IM-Norm zu schaffen. Die Durchführung von IA de Vet und anderen Helfern war sehr gelungen und verlief reibungslos.
Welches Turnier als nächstes ansteht, weiß ich noch nicht aber bald beginnt die neue Saison, in der wir hoffentlich ordentlich durchstarten werden :)
Donnerstag, 6. März 2014
Närrisches Schach in der Pfalz
Hallo Schachfreunde,
der Karneval ist seit gestern vorbei, dessen Spuren werden so manchen jedoch noch verfolgen. Dabei spreche ich aber nicht von dem berühmten Brummschädel oder anderen Auswirkungen ausgeweiteten Alkoholkonsums. Ich spreche vielmehr von den Ratingentwicklungen, die bei Karnevalsturnieren vollzogen wurden. An dieser Stelle sei auch auf den RAMADA-Cup in Köln Brühl hingewiesen. Köln/Fasching---RAMADA-Cup?! Es verwundert nicht, dass sich zahlreiche Schachfreunde als Cowboy, Mönch oder ähnliches ans Brett begaben. Ich spielte stattdessen das starkbesetzte Pfalz-Open, selbstverständlich wie üblich als Zivilist gekleidet. Während Großteile des Rheinlands zum Höhepunkt der närrischen Zeit enthemmt der Bacchanale frönten, wurde im pittoresken Neustadt an der Weinstraße Schach gespielt, und dies geschah zumindest an den ersten 10 Brettern zumeist auf hohem Niveau. Sieger nach 9 Runden wurde Favorit GM Baklan vor dem jungen GM Bogner, der seit einiger Zeit unter eidgenössischer Flagge spielt. Bei mir lief es sehr durchwachsen. Einige wenige Partien waren gut, der Rest war stellenweise grotesk schlecht. "Närrisch" ging es bereits in Runde 1 los, als ich es zuwege brachte im Rubinstein-Franzosen als Anziehender nach nur 9 Zügen einen Bauern einzustellen. Narreteien wie diese zogen sich wie ein roter Faden durch das Turnier, was das Eloplus von ca. +2 allerdings nicht vermuten lässt. Das Turnier an sich war sehr gut organisiert, was beim Schiedsrichtergespann Johann/Hendrich/Hess üblich ist. Der Turniersaal war geräumig, der Raum gut klimatisiert. Lediglich dem ständigen Lärm auf dem Flur wurde man nicht wirklich Herr. Ich verstehe nicht, wieso sich die Leute nicht an Turnierruhe halten, gerade Schachspieler sollten es doch verstehen, dass Ruhe nicht abträglich ist. Auch das Schild auf dem Flur mit der Aufschrift "Bitte Turnierruhe" wurde entweder erfolgreich ignoriert oder nicht respektiert. Bei geschlossener Tür war die Geräuschkulisse zum Glück sehr gut erträglich. Entschuldigungen für schlechtes Spiel sollten also woanders gesucht werden :) . ...zum Beispiel bei unterirdischen theoretischen Kenntnissen. Als Weißer schaffte ich es in 2 Partien nicht, einen Eröffnungsvorteil nachzuweisen, in einer stellte ich einen Bauern ein, in einer Schwarzpartie konnte ich mit Ach und Krach einen sofortigen Kollaps in der Eröffnung vermeiden. Vor allem gegen die Letten tat ich mich schwer: 0,5/3 sind wenig erbaulich, mal ganz abgesehen davon, dass ich eine Gewinnstellung Remis gegeben habe. Nun möchte ich 2 Partien vorstellen, die das alles in allem schlechte Turnier nicht wirklich widerspiegeln.
Winterberg - Hecht,C.
Vor der Runde hatte ich naturgemäß etwas Bedenken. Gegen einen jungen Gegner zu spielen, dessen DWZ bereits über 2100 ist, ist üblicherweise alles andere als ein Picknick im Park. In dieser Partie lief es gottseidank sehr gut für mich, selbst die Engine war ziemlich glücklich. Und was die Engine glücklich macht, stellt auch mich zufrieden :).
1.e4 c5 2.c3 d5 3.exd5 Dxd5 4.d4 Sf6 5.Sf3 e6 6.Le3 cxd4 7.cxd4 Sc6 8.Sc3 Dd6 9.a3 Le7 10.Ld3 0-0 11.0-0 b6 12.De2 Lb7 13.Tad1 Tfd8 14.Tfe1 Tac8 15.Lb1 bis zu diesem Moment spielten wir beide ziemlich schnell. Jetzt versank mein Gegner zum ersten Mal im Nachdenken, umso erstaunlicher, dass er sich für einen schlechten Zug entschied. 15...Sa5? zu früh, der Springer macht dort nichts, im Gegenteil: Schwarz gibt frühzeitig die Kontrolle über e5 auf. Die Theorie empfiehlt bessere Pläne. 16.Se5 und hier rechnete mein Gegner eine gefühlte Ewigkeit, bis er nur noch 39 Minuten auf der Uhr hatte, die schwarze Stellung ist bereits schwierig, ständig drohen diverse Opfer auf f7 oder h7. 16...Sc6! Es fällt nicht leicht, einen Fehler zuzugeben, ganz besonders nicht in einer Situation wie dieser. Der schwarze Zug ist der beste, fehlerhaft wäre es gewesen, Sa5 zu rechtfertigen und z.B. Db8 zu ziehen, 17. Lg5 ▲ 18.Sxf7 +- hätte den Tag zu weißen Gunsten entschieden. 17.f4 g6 18.La2! ein typisches Manöver, da der Läufer nach 17...g6 auf Granit beißt. Auf der Diagonalen a2-g8 winkt ihm jedoch eine verheißungsvolle Zukunft. Der Vorstoß d5 wird bekräftigt und Schwarz wird sich im Folgenden immer mit möglichen Opfern auf f7 beschäftigen dürfen. 18...Lf8 19.Lf2 Sd5 allzu gerne hätte Schwarz 19...Sh5 versucht, um Weiß zu g3 zu verleiten, doch scheitert Sh5 taktisch an 20.Sxf7! Kxf7 21.Lxe6+ (21.Se4!?) Kg7 22.d5! wonach die schwarze Stellung zusammenbricht. Nach der Partiefortsetzung hat sich Weiß die Frage zu stellen, ob er besser mit dem Springer oder mit dem Läufer auf d5 schlägt. Für den Springer habe ich wenig Perspektiven gesehen, wohingegen der Läufer eine latente Kraft ausstrahlt. Außerdem gäbe es nach 20.Lxd5 exd5 immer Tricks mit Lxa3 basierend auf der ungedeckten Stellung des Sc3. Laut Engine wäre der weiße Vorteil sogar völlig perdu. 20.Sxd5 exd5 21.Df3 mit der Drohung f5 21...Se7 22.Lb1! da ist er wieder und erneuert die Drohung f5. 22...f6 23.Sg4 f5 24.Se5 Lg7 25.Lh4 es zeichnet sich ein strategisches Debakel für Schwarz ab. Der Bauer d5 ist schwach, der Lb7 passiv und die weißen Figuren stehen ausgezeichnet.
25...Lf6 26.Lxf6 Dxf6 27.La2! und täglich grüßt das Murmeltier. 27...Dd6 28.Tc1 Sc6 gibt Weiß die Chance ein paar Figuren zu tauschen und den Druck gegen d5 zu verstärken. 29.Sxc6 Txc6 30.Txc6 Dxc6 31.De3 Df6? 32.De7
und in dieser Stellung überschritt mein Gegner seine Bedenkzeit obwohl wir mit Inkrement spielten. Allerdings ist es zu bezweifeln, dass Schwarz diese Partie anderenfalls nicht verloren hätte. Erwähnenswert ist, dass 32...Dxd4? an 33.Kh1 scheitert, wenn nach 33...Tb8 34.Dc7 Schwarz eine Figur verliert. Demzufolge muss Schwarz nolens volens 32...Dxe7 spielen, und nach 33.Txe7 La6!? versuchen, da das passive 33...Tb8? nach 34.Txb7 Txb7 35.Lxd5+ ein verlorenes Bauernendspiel ergibt. Nach 33...La6!? ist 34.Kf2!+/- stark, hingegen 34.Txa7?! Lc4 mit sehr guten Remischancen.
Mit dieser Partie bin ich zufrieden, leider lief es in den meisten anderen ganz anders...
Die zweite Partie, die ich vorstellen möchte, ereignete sich eine Runde zuvor, wobei ich in dieser Partie die Einstellung der schwarzen Seite im Alapin verteidigte.
Spengler,H. - Winterberg
1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.c3 d5 4.exd5 Dxd5 5.d4 Sf6 6.Le2 in Runde 2 versuchte mein Gegner 6.Le3 cxd4 7.Dxd4?! er spielte offenkundig auf Remis und erreichte dieses auch.
6...Sc6 7.0-0 cxd4 8.cxd4 Le7 9.Sc3 Dd6 10.Lg5 0-0 11.Dd2 Td8 12.Tfd1 Sd5 wie ich nach der Partie festgestellt habe, gab es dies alles bereits. 13.Lxe7 der erste neue Zug, in den drei Vorgängerpartien versuchten die Weißen es mit 13.Tac1. 13...Scxe7 14.Se5 Sf6 (14...Sxc3!?) 15.Sb5 Db8 16.Tac1 Sed5 verlockend war 16...a6, doch waren mir die Folgen von 17.Sc7 Ta7 nicht klar. Der Springer steht zwar komisch auf c7, aber ich kann ihn nicht angreifen. Der Textzug ist solider. 17.Dg5 Ld7 18.Sc3 Le8 19.Td3 mein Gegner macht vieles richtig, er scheint einen gewissen Erfahrungsschatz in dieser Art von Stellung zu besitzen. 19...h6 20.Dh4 Dd6 21.Tg3 Kf8!
Die beste Verteidigung. Der König steht sicher auf f8 und deckt gleichzeitig f7. Es ist mir nicht klar, wie Weiß seinen Angriff verstärken kann. 22.Td1 Se7 23.Df4 Sf5 24.Tgd3 ich hatte nicht mehr viel Zeit auf der Uhr, dennoch versuche ich meinen Gegner mit dem nächsten Zug auszutricksen. 24...Tac8 sieht ganz unschuldig aus und ist es im Prinzip auch. Der Vorstoß 25.d5 erscheint nun allzu verlockend, so verlockend, dass mein Gegner der Versuchung nicht widerstehen konnte. In der Tat wäre 25.d5 sehr stark, wenn, ja wenn da nicht 25...g5! wäre.
Eine böse Überraschung für den Anziehenden. Der Se5 ist nicht zu halten. 26.Dd2 Dxe5 27.dxe6 Txd3 28.Lxd3 Sh4! 29.Te1 Dd6 30.e7+ Kg7 31.De3 Lc6 32.f3 und obwohl ich nur noch 2 Minuten auf der Uhr hatte, ließ ich es mir nicht nehmen, die Partie auf der Stelle auf kombinatorischem Wege zu beenden. 32...Sxg2!
33.Kxg2 Sg4 34.De2 Dxh2+ 35.Kf1 Dh1#
Eine interessante Partie, mit einem für die Alapin-Variante typischen Stellungstyp. Mein Gegner meinte nach der Partie, dass ich bestimmt auf Verlust gestanden habe, doch bestätigte die Engine meine Einschätzung: Die schwarze Verteidigung steht fest und ist schwer zu knacken.
Das nächste Turnier wird kommen, voraussichtlich wird es das Neckar-Open sein. Sonntag geht es aber zunächst mal darum, den Aufstieg unter Dach und Fach zu bringen.
der Karneval ist seit gestern vorbei, dessen Spuren werden so manchen jedoch noch verfolgen. Dabei spreche ich aber nicht von dem berühmten Brummschädel oder anderen Auswirkungen ausgeweiteten Alkoholkonsums. Ich spreche vielmehr von den Ratingentwicklungen, die bei Karnevalsturnieren vollzogen wurden. An dieser Stelle sei auch auf den RAMADA-Cup in Köln Brühl hingewiesen. Köln/Fasching---RAMADA-Cup?! Es verwundert nicht, dass sich zahlreiche Schachfreunde als Cowboy, Mönch oder ähnliches ans Brett begaben. Ich spielte stattdessen das starkbesetzte Pfalz-Open, selbstverständlich wie üblich als Zivilist gekleidet. Während Großteile des Rheinlands zum Höhepunkt der närrischen Zeit enthemmt der Bacchanale frönten, wurde im pittoresken Neustadt an der Weinstraße Schach gespielt, und dies geschah zumindest an den ersten 10 Brettern zumeist auf hohem Niveau. Sieger nach 9 Runden wurde Favorit GM Baklan vor dem jungen GM Bogner, der seit einiger Zeit unter eidgenössischer Flagge spielt. Bei mir lief es sehr durchwachsen. Einige wenige Partien waren gut, der Rest war stellenweise grotesk schlecht. "Närrisch" ging es bereits in Runde 1 los, als ich es zuwege brachte im Rubinstein-Franzosen als Anziehender nach nur 9 Zügen einen Bauern einzustellen. Narreteien wie diese zogen sich wie ein roter Faden durch das Turnier, was das Eloplus von ca. +2 allerdings nicht vermuten lässt. Das Turnier an sich war sehr gut organisiert, was beim Schiedsrichtergespann Johann/Hendrich/Hess üblich ist. Der Turniersaal war geräumig, der Raum gut klimatisiert. Lediglich dem ständigen Lärm auf dem Flur wurde man nicht wirklich Herr. Ich verstehe nicht, wieso sich die Leute nicht an Turnierruhe halten, gerade Schachspieler sollten es doch verstehen, dass Ruhe nicht abträglich ist. Auch das Schild auf dem Flur mit der Aufschrift "Bitte Turnierruhe" wurde entweder erfolgreich ignoriert oder nicht respektiert. Bei geschlossener Tür war die Geräuschkulisse zum Glück sehr gut erträglich. Entschuldigungen für schlechtes Spiel sollten also woanders gesucht werden :) . ...zum Beispiel bei unterirdischen theoretischen Kenntnissen. Als Weißer schaffte ich es in 2 Partien nicht, einen Eröffnungsvorteil nachzuweisen, in einer stellte ich einen Bauern ein, in einer Schwarzpartie konnte ich mit Ach und Krach einen sofortigen Kollaps in der Eröffnung vermeiden. Vor allem gegen die Letten tat ich mich schwer: 0,5/3 sind wenig erbaulich, mal ganz abgesehen davon, dass ich eine Gewinnstellung Remis gegeben habe. Nun möchte ich 2 Partien vorstellen, die das alles in allem schlechte Turnier nicht wirklich widerspiegeln.
Winterberg - Hecht,C.
Vor der Runde hatte ich naturgemäß etwas Bedenken. Gegen einen jungen Gegner zu spielen, dessen DWZ bereits über 2100 ist, ist üblicherweise alles andere als ein Picknick im Park. In dieser Partie lief es gottseidank sehr gut für mich, selbst die Engine war ziemlich glücklich. Und was die Engine glücklich macht, stellt auch mich zufrieden :).
1.e4 c5 2.c3 d5 3.exd5 Dxd5 4.d4 Sf6 5.Sf3 e6 6.Le3 cxd4 7.cxd4 Sc6 8.Sc3 Dd6 9.a3 Le7 10.Ld3 0-0 11.0-0 b6 12.De2 Lb7 13.Tad1 Tfd8 14.Tfe1 Tac8 15.Lb1 bis zu diesem Moment spielten wir beide ziemlich schnell. Jetzt versank mein Gegner zum ersten Mal im Nachdenken, umso erstaunlicher, dass er sich für einen schlechten Zug entschied. 15...Sa5? zu früh, der Springer macht dort nichts, im Gegenteil: Schwarz gibt frühzeitig die Kontrolle über e5 auf. Die Theorie empfiehlt bessere Pläne. 16.Se5 und hier rechnete mein Gegner eine gefühlte Ewigkeit, bis er nur noch 39 Minuten auf der Uhr hatte, die schwarze Stellung ist bereits schwierig, ständig drohen diverse Opfer auf f7 oder h7. 16...Sc6! Es fällt nicht leicht, einen Fehler zuzugeben, ganz besonders nicht in einer Situation wie dieser. Der schwarze Zug ist der beste, fehlerhaft wäre es gewesen, Sa5 zu rechtfertigen und z.B. Db8 zu ziehen, 17. Lg5 ▲ 18.Sxf7 +- hätte den Tag zu weißen Gunsten entschieden. 17.f4 g6 18.La2! ein typisches Manöver, da der Läufer nach 17...g6 auf Granit beißt. Auf der Diagonalen a2-g8 winkt ihm jedoch eine verheißungsvolle Zukunft. Der Vorstoß d5 wird bekräftigt und Schwarz wird sich im Folgenden immer mit möglichen Opfern auf f7 beschäftigen dürfen. 18...Lf8 19.Lf2 Sd5 allzu gerne hätte Schwarz 19...Sh5 versucht, um Weiß zu g3 zu verleiten, doch scheitert Sh5 taktisch an 20.Sxf7! Kxf7 21.Lxe6+ (21.Se4!?) Kg7 22.d5! wonach die schwarze Stellung zusammenbricht. Nach der Partiefortsetzung hat sich Weiß die Frage zu stellen, ob er besser mit dem Springer oder mit dem Läufer auf d5 schlägt. Für den Springer habe ich wenig Perspektiven gesehen, wohingegen der Läufer eine latente Kraft ausstrahlt. Außerdem gäbe es nach 20.Lxd5 exd5 immer Tricks mit Lxa3 basierend auf der ungedeckten Stellung des Sc3. Laut Engine wäre der weiße Vorteil sogar völlig perdu. 20.Sxd5 exd5 21.Df3 mit der Drohung f5 21...Se7 22.Lb1! da ist er wieder und erneuert die Drohung f5. 22...f6 23.Sg4 f5 24.Se5 Lg7 25.Lh4 es zeichnet sich ein strategisches Debakel für Schwarz ab. Der Bauer d5 ist schwach, der Lb7 passiv und die weißen Figuren stehen ausgezeichnet.
25...Lf6 26.Lxf6 Dxf6 27.La2! und täglich grüßt das Murmeltier. 27...Dd6 28.Tc1 Sc6 gibt Weiß die Chance ein paar Figuren zu tauschen und den Druck gegen d5 zu verstärken. 29.Sxc6 Txc6 30.Txc6 Dxc6 31.De3 Df6? 32.De7
und in dieser Stellung überschritt mein Gegner seine Bedenkzeit obwohl wir mit Inkrement spielten. Allerdings ist es zu bezweifeln, dass Schwarz diese Partie anderenfalls nicht verloren hätte. Erwähnenswert ist, dass 32...Dxd4? an 33.Kh1 scheitert, wenn nach 33...Tb8 34.Dc7 Schwarz eine Figur verliert. Demzufolge muss Schwarz nolens volens 32...Dxe7 spielen, und nach 33.Txe7 La6!? versuchen, da das passive 33...Tb8? nach 34.Txb7 Txb7 35.Lxd5+ ein verlorenes Bauernendspiel ergibt. Nach 33...La6!? ist 34.Kf2!+/- stark, hingegen 34.Txa7?! Lc4 mit sehr guten Remischancen.
Mit dieser Partie bin ich zufrieden, leider lief es in den meisten anderen ganz anders...
Die zweite Partie, die ich vorstellen möchte, ereignete sich eine Runde zuvor, wobei ich in dieser Partie die Einstellung der schwarzen Seite im Alapin verteidigte.
Spengler,H. - Winterberg
1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.c3 d5 4.exd5 Dxd5 5.d4 Sf6 6.Le2 in Runde 2 versuchte mein Gegner 6.Le3 cxd4 7.Dxd4?! er spielte offenkundig auf Remis und erreichte dieses auch.
6...Sc6 7.0-0 cxd4 8.cxd4 Le7 9.Sc3 Dd6 10.Lg5 0-0 11.Dd2 Td8 12.Tfd1 Sd5 wie ich nach der Partie festgestellt habe, gab es dies alles bereits. 13.Lxe7 der erste neue Zug, in den drei Vorgängerpartien versuchten die Weißen es mit 13.Tac1. 13...Scxe7 14.Se5 Sf6 (14...Sxc3!?) 15.Sb5 Db8 16.Tac1 Sed5 verlockend war 16...a6, doch waren mir die Folgen von 17.Sc7 Ta7 nicht klar. Der Springer steht zwar komisch auf c7, aber ich kann ihn nicht angreifen. Der Textzug ist solider. 17.Dg5 Ld7 18.Sc3 Le8 19.Td3 mein Gegner macht vieles richtig, er scheint einen gewissen Erfahrungsschatz in dieser Art von Stellung zu besitzen. 19...h6 20.Dh4 Dd6 21.Tg3 Kf8!
Eine böse Überraschung für den Anziehenden. Der Se5 ist nicht zu halten. 26.Dd2 Dxe5 27.dxe6 Txd3 28.Lxd3 Sh4! 29.Te1 Dd6 30.e7+ Kg7 31.De3 Lc6 32.f3 und obwohl ich nur noch 2 Minuten auf der Uhr hatte, ließ ich es mir nicht nehmen, die Partie auf der Stelle auf kombinatorischem Wege zu beenden. 32...Sxg2!
33.Kxg2 Sg4 34.De2 Dxh2+ 35.Kf1 Dh1#
Eine interessante Partie, mit einem für die Alapin-Variante typischen Stellungstyp. Mein Gegner meinte nach der Partie, dass ich bestimmt auf Verlust gestanden habe, doch bestätigte die Engine meine Einschätzung: Die schwarze Verteidigung steht fest und ist schwer zu knacken.
Das nächste Turnier wird kommen, voraussichtlich wird es das Neckar-Open sein. Sonntag geht es aber zunächst mal darum, den Aufstieg unter Dach und Fach zu bringen.
Mittwoch, 1. Januar 2014
Jahresrückblick
Frohes Neues liebe Schachfreunde,
das neue Jahr ist nicht mal 10 min. alt und ich nutze die Zeit um die Highlights des vergangenen Schachjahres zu rekapitulieren. In erster Linie sollte natürlich der neue Weltmeister Magnus Carlsen erwähnt werden, der Anand in reifer Manier bezwang. Leider konnte "Team Germany" bei keinem Event wirklich gut punkten. Erwähnenswert sind außerdem der grandiose Durchmarsch von Mickey Adams bei den Dortmunder Schachtagen, das Lifetime-Elohoch von Bacrot und Adams und das spannende Qualifikationsturnier der WM, in dem sowohl Carlsen als auch Kramnik in der letzten Runde verloren...in 2013 wurde große Schachgeschichte geschrieben. Betrachten wir die weniger schönen Vorfälle in 2013, wären in jedem Fall die Betrugsskandale um IM Kotainy und Borislav Ivanov zu nennen, bei welchem ich mich weigere seinen Namen mit "FM" zu schmücken. Außerdem hat die Schachwelt einige Verluste zu beklagen. Zunächst verstarb Jahrhundert-Schiedsrichter Lothar Schmid, dann verunglückte GM Kurnosov bei einem Verkehrsunfall, wenige Zeit später erlag die ebenfalls noch sehr junge WIM Vesna Rozic ihrer Krankheit. Im Herbst verstarb GM Milan Matulovic, der vielen als "J'adoubovic" ein Begriff sein dürfte. Für mich lief das Jahr sehr gut, zunächst mit einem Misserfolg in Basel ins Jahr gestartet, lief es beim Neckar-Open nicht besser. Doch dann ging es steil bergauf und ich verbesserte mein Rating von dort an um 108 Punkte. Das Highlight war der Sieg beim Nibelungen-Open in Worms vor einigen Titelträgern. Ich werde im Folgenden zwei meiner Lieblingspartien aus dem vergangenen Jahr präsentieren:
Winterberg - Mantau (Godesburg Open 2013)
1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.Le2 0-0 6.Sf3 e5 7.0-0 Sc6 8.d5 Se7 9.Se1 Se8 10.Sd3 f5 11.Ld2 Tf7 12.Tc1 Sf6 13.f3 f4 14.c5 g5 15.cxd6 cxd6 16.Sb5 Sg6 17.Dc2 Se8 18.a4 Ld7 Ich möchte wie üblich nicht auf die Theorie eingehen, es sei nur gesagt, dass es all dies bereits schon gab. Ld7 war neu für mich, ändert aber an dem weißen Plan nicht viel. 19.Sf2 h5 20.Db3 Lf8 21.a5 Sh4 22.h3 Tg7 Es scheint als stünde Schwarz kurz dem entscheidenden Durchbruch, vor dem es jedem Weißspieler graut. Das weiße Spiel hingegen sieht etwas langsam aus, doch wie die Partie zeigen wird, ist der schwarze Angriff nur Theaterdonner, während der weiße Aufmarsch am Damenflügel langsam aber sicher aufgezogen wird. 23.Le1 Kh8 24.Dd1 dieser Zug richtet sich zum einen profylaktisch gegen g4 und zum anderen kann nun der b-Bauer mit Schwung nach vorne preschen. 24...Sg6 mit Remisgebot. Ich hatte Gründe genug weiterzuspielen. Zum einen war ich der Elofavorit, zum anderen befand sich mein Gegner bereits in Zeitnot und fühlte sich offenbar nicht so recht wohl und außerdem zog er soeben den Springer von seiner Angriffsposition zurück, wo er ihn erst drei Züge zuvor postiert hat. Der weiße Angriff am Damenflügel hat jedoch Perspektive. Dennoch überlegte ich eine Weile, denn Weiß braucht einen Plan, und den muss man erst mal finden. 25.b4 Lc8 nicht schön, aber überdeckt c7. 26.Tc3!
Ein typischer Zug. Im Königsinder steht der Turm auf der dritte Reihe oft sehr gut, weil er zum einen vertikal am Damenflügel Druck ausübt und zum anderen auf der Horizontalen eine Verteidigungsfunktion einnimmt. Weiß will nun auf der c-Linie verdoppeln, während vom schwarzen Mattangriff weit und breit nichts zu sehen ist. 26...Sf6 27.Dc2 Se7 28.Sc7 diejenigen, die diese Eröffnung mit Schwarz spielen, wissen was es bedeutet, wenn Weiß auf c7 einreitet. Häufig opfert der Nachziehende den Turm a8 aus konkreten, taktischen Gründen, da er hier aber kein Gegenspiel hat, muss der Turm kleinmütig weichen, wonach der überaus lästige Springer Weiß bereits klaren Vorteil gibt. 28...Tb8 29.b5 Ld7 30.b6 axb6 31.axb6 Sc8 Es ist offensichtlich, dass bei Schwarz etwas gründlich schief gelaufen ist.Trotzdem muss Weiß einen Plan finden die Stellung weiter zu verstärken. Ein möglicher Plan sieht vor den Tf1 nach c1 zu bringen und den Ld7 mittels Lb5 abzutauschen, was für Weiß ein sehr gutes Geschäft wäre. Die weißfeldrigen Schwächen im schwarzen Lager, insbesondere das Feld e6, wären fatal. Weiß würde anschließend z.B. Se6 ziehen und mit dem Turm auf c7 eindringen, die weiße Stellung ist strategisch gewonnen. 32.Db2 Le7 33.Ld2 Dg8 34.Tfc1Was nun folgt ist Selbstmord 34...g4?? Niemand verteidigt sich gerne passiv, Königsindisch-Spieler schon gar nicht, aber g4 drückt feste auf den Selbstzerstörungsknopf. Umsichtiger wäre 34...Ld8 gewesen. Danach hat Weiß einen interessanten Plan, der mit 35.Ta3 beginnt. Die Idee ist es La5 folgen zu lassen um b6 zu decken, und anschließend mittels Lb5 die Läufer zu tauschen. Das sofortige 35.Lb5? wäre wegen 35...Sxb6 ein Fehler. Nach 34...g4?? hat Weiß jedoch schon leichtes Spiel. 35.fxg4 hxg4 36.Lxg4 Lxg4 37.hxg4 Sxg4 38.Sxg4 Die allwissende Engine versteht die taktischen Feinheiten besser als ich und schlägt das Qualitätsopfer 38.Se6! vor. Nach 38...Sxf2 39.Sxg7 Sxe4 40.Se6! Sxc3 41.Txc3 ist der schwarze König leichte Beute. Der Textzug 38.Sxg4 verdirbt jedoch nichts. 38...Txg4 39.Th3+ nun meldet sich der Turm auf der dritten Reihe am Königsflügel zu Wort. Kg7 40.Lxf4! In der Vorausberechnung brauchte ich eine ganze Weile, um zu realisieren, dass Lxf4 nicht wegen Txf4 Se6+ etc. gewinnt, sondern weil nach Txf4 ganz plump Tg3+ die Dame gewinnt. 40...Kf7 Die Zeitkontrolle hat der Nachziehende geschafft, das spielt in Anbetracht der hoffnungslosen Stellung jedoch keine Rolle mehr. 41.Le3 Lg5 42.Lxg5 Txg5 43.Df2+ Ke7 44.Se6 Tg4 45.Th7! noch ein kleiner Witz zum Abschluss
45...Ke8 46.Sc7+ Kd8 47.Df6+ für 47...Se7 reichte der Humor des Schwarzen nicht mehr, er gab an dieser Stelle auf. Diese Partie gefällt mir ausgesprochen gut, weil sie ein Musterbeispiel für die Königsindische Verteidigung ist. Weiß hatte sich zahlreiche thematische Pläne gefasst und diese allesamt reibungslos realisiert. Bei Schwarz ist das Ergebnis debakulös, er hatte keinen Angriff, wurde am Damenflügel langsam überspielt und zu guter Letzt an "seinem" Flügel komplett weggefegt. Strategie und Taktik griffen wie ein Schweizer Uhrwerk perfekt ineinander, eine Partie die sehr viel Spaß gemacht hat! :)
Bei der Auswahl der zweiten Partie war ich mir etwas unschlüssig.
Ich wollte auf jeden Fall eine Schwarzpartie nehmen und hatte zunächst die Partie gegen den amtierenden Deutschen Meister U25A im Auge, entschied mich dann aber für eine Partie vom Böblinger Open, in der sich Weiß grundsolide mit dem Londoner System aufbaute und ohne nennenswerte Gegenwehr langsam überspielt wurde.
Bräuner - Winterberg (Böblinger Open 2013)
1.d4 Sf6 2.Sf3 g6 3.Lf4 g6 4.e3 0-0 5.Le2 d6 6.h3 Sbd7 7.0-0 c5 8.c3 b6 9.Te1 Lb7 10.Sbd2 a6 11.a4 soweit alles noch Theorie und nicht untypisch. Da mein Gegner aber gelegentlich diesen Aufbau wählt, ging ich nicht unvorbereitet in die Partie und wartete mit einem interessanten Plan des indischen GM Ganguly auf, den ich nur leicht abänderte. 11...Ta7!? Die Idee ist bekannt, zu diesem Zeitpunkt jedoch untypisch. 12.Lf1 Da8
13.Lh2 Tfb8 14.c4 Se4 15.d5 Sxd2 16.Dxd2 b5 Man braucht nicht lange, um zu erkennen, dass dies die einzige Chance ist. Die taktische Rechtfertigung besteht in 17.axb5 axb5 18.Txa7 Dxa7 19.cxb5 Da2 20.e4 Ta8! wonach Schwarz gutes Spiel hat. In der Partie folgte jedoch das gekünstelte 17.Ta2?! was den Grundstein für die weißen Sorgen legt. 17...bxc4 18.e4 a5 19.Lxc4 La6 20.Lxa6 Txa6 21.e5 Weiß muss versuchen ein Gegenspiel zu organisieren, allerdings schlägt es nicht durch und verpufft sehr schnell. 21...Tab6 22.Te2 Da6 23.Te4 Db7 24.Te2 Da6 25.Te4 Tb4 Zugwiederholungen sind ein bewährtes Mittel um näher an die Zeitkontrolle zu kommen. Weiß wäre mit Remis natürlich mehr als einverstanden. 26.De2?! Das Endspiel verspricht Weiß keine Freude, mit Damen auf dem Brett hätte Weiß bessere Chancen auf etwaige Schwindelversuche. 26...Dxe2 27.Txe2 Lf8!
Dieser scheinbar passive Zug bringt Weiß in ernste Schwierigkeiten. Der Punkt d6 ist nun zuverlässig gedeckt, was Weiß komplett des Gegenspiels beraubt. Nun droht bereits Sb6. Der Schwächen (a4,b2,d5) hat Weiß gar zu viele, als dass ein Mensch diese Stellung verteidigen könnte. Gemäß des "Prinzips der zwei Schwächen" benötigt man 2 Schwächen zum Sieg, in der Diagrammstellung sind es bereits 3. Erschwerend hinzu kommen die deplatzierten weißen Figuren. Vorallem der Ta2 und der Lh2 geben ein trauriges Bild ab. 28.exd6 exd6 29.Sg5 Td4 Planänderung! Anstelle des Bauern a4 greift Schwarz lieber d5 ab. Die zwei verbundenen Freibauern sind eine Siegesgarantie. 30.Ta1 Txd5 31.Se4 Te8 nicht notwendig, aber auch nicht schlecht. 32.Tae1 Td4 33.Sc3 Txe2 34.Txe2 Sb6
erinnert Weiß an seinen a4-Bauern. 35.g4 Sxa4 36.Sb5 Td3 37.Lf4 f6 38.Td2 Txd2 39.Lxd2 Sxb2 40.Lxa5 Der Rest ist einfach und bedarf keines Kommentares Kf7 41.Kf1 d5 42.Ke2 d4 43.Lc7 Ke6 44.Kd2 Kd5 45.Ld8 Kc4 46.Sc7 Lh6+ 0-1
Allen Lesern wünsche ich einen guten Start ins Jahr 2014!
das neue Jahr ist nicht mal 10 min. alt und ich nutze die Zeit um die Highlights des vergangenen Schachjahres zu rekapitulieren. In erster Linie sollte natürlich der neue Weltmeister Magnus Carlsen erwähnt werden, der Anand in reifer Manier bezwang. Leider konnte "Team Germany" bei keinem Event wirklich gut punkten. Erwähnenswert sind außerdem der grandiose Durchmarsch von Mickey Adams bei den Dortmunder Schachtagen, das Lifetime-Elohoch von Bacrot und Adams und das spannende Qualifikationsturnier der WM, in dem sowohl Carlsen als auch Kramnik in der letzten Runde verloren...in 2013 wurde große Schachgeschichte geschrieben. Betrachten wir die weniger schönen Vorfälle in 2013, wären in jedem Fall die Betrugsskandale um IM Kotainy und Borislav Ivanov zu nennen, bei welchem ich mich weigere seinen Namen mit "FM" zu schmücken. Außerdem hat die Schachwelt einige Verluste zu beklagen. Zunächst verstarb Jahrhundert-Schiedsrichter Lothar Schmid, dann verunglückte GM Kurnosov bei einem Verkehrsunfall, wenige Zeit später erlag die ebenfalls noch sehr junge WIM Vesna Rozic ihrer Krankheit. Im Herbst verstarb GM Milan Matulovic, der vielen als "J'adoubovic" ein Begriff sein dürfte. Für mich lief das Jahr sehr gut, zunächst mit einem Misserfolg in Basel ins Jahr gestartet, lief es beim Neckar-Open nicht besser. Doch dann ging es steil bergauf und ich verbesserte mein Rating von dort an um 108 Punkte. Das Highlight war der Sieg beim Nibelungen-Open in Worms vor einigen Titelträgern. Ich werde im Folgenden zwei meiner Lieblingspartien aus dem vergangenen Jahr präsentieren:
Winterberg - Mantau (Godesburg Open 2013)
1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.Le2 0-0 6.Sf3 e5 7.0-0 Sc6 8.d5 Se7 9.Se1 Se8 10.Sd3 f5 11.Ld2 Tf7 12.Tc1 Sf6 13.f3 f4 14.c5 g5 15.cxd6 cxd6 16.Sb5 Sg6 17.Dc2 Se8 18.a4 Ld7 Ich möchte wie üblich nicht auf die Theorie eingehen, es sei nur gesagt, dass es all dies bereits schon gab. Ld7 war neu für mich, ändert aber an dem weißen Plan nicht viel. 19.Sf2 h5 20.Db3 Lf8 21.a5 Sh4 22.h3 Tg7 Es scheint als stünde Schwarz kurz dem entscheidenden Durchbruch, vor dem es jedem Weißspieler graut. Das weiße Spiel hingegen sieht etwas langsam aus, doch wie die Partie zeigen wird, ist der schwarze Angriff nur Theaterdonner, während der weiße Aufmarsch am Damenflügel langsam aber sicher aufgezogen wird. 23.Le1 Kh8 24.Dd1 dieser Zug richtet sich zum einen profylaktisch gegen g4 und zum anderen kann nun der b-Bauer mit Schwung nach vorne preschen. 24...Sg6 mit Remisgebot. Ich hatte Gründe genug weiterzuspielen. Zum einen war ich der Elofavorit, zum anderen befand sich mein Gegner bereits in Zeitnot und fühlte sich offenbar nicht so recht wohl und außerdem zog er soeben den Springer von seiner Angriffsposition zurück, wo er ihn erst drei Züge zuvor postiert hat. Der weiße Angriff am Damenflügel hat jedoch Perspektive. Dennoch überlegte ich eine Weile, denn Weiß braucht einen Plan, und den muss man erst mal finden. 25.b4 Lc8 nicht schön, aber überdeckt c7. 26.Tc3!
Ein typischer Zug. Im Königsinder steht der Turm auf der dritte Reihe oft sehr gut, weil er zum einen vertikal am Damenflügel Druck ausübt und zum anderen auf der Horizontalen eine Verteidigungsfunktion einnimmt. Weiß will nun auf der c-Linie verdoppeln, während vom schwarzen Mattangriff weit und breit nichts zu sehen ist. 26...Sf6 27.Dc2 Se7 28.Sc7 diejenigen, die diese Eröffnung mit Schwarz spielen, wissen was es bedeutet, wenn Weiß auf c7 einreitet. Häufig opfert der Nachziehende den Turm a8 aus konkreten, taktischen Gründen, da er hier aber kein Gegenspiel hat, muss der Turm kleinmütig weichen, wonach der überaus lästige Springer Weiß bereits klaren Vorteil gibt. 28...Tb8 29.b5 Ld7 30.b6 axb6 31.axb6 Sc8 Es ist offensichtlich, dass bei Schwarz etwas gründlich schief gelaufen ist.Trotzdem muss Weiß einen Plan finden die Stellung weiter zu verstärken. Ein möglicher Plan sieht vor den Tf1 nach c1 zu bringen und den Ld7 mittels Lb5 abzutauschen, was für Weiß ein sehr gutes Geschäft wäre. Die weißfeldrigen Schwächen im schwarzen Lager, insbesondere das Feld e6, wären fatal. Weiß würde anschließend z.B. Se6 ziehen und mit dem Turm auf c7 eindringen, die weiße Stellung ist strategisch gewonnen. 32.Db2 Le7 33.Ld2 Dg8 34.Tfc1Was nun folgt ist Selbstmord 34...g4?? Niemand verteidigt sich gerne passiv, Königsindisch-Spieler schon gar nicht, aber g4 drückt feste auf den Selbstzerstörungsknopf. Umsichtiger wäre 34...Ld8 gewesen. Danach hat Weiß einen interessanten Plan, der mit 35.Ta3 beginnt. Die Idee ist es La5 folgen zu lassen um b6 zu decken, und anschließend mittels Lb5 die Läufer zu tauschen. Das sofortige 35.Lb5? wäre wegen 35...Sxb6 ein Fehler. Nach 34...g4?? hat Weiß jedoch schon leichtes Spiel. 35.fxg4 hxg4 36.Lxg4 Lxg4 37.hxg4 Sxg4 38.Sxg4 Die allwissende Engine versteht die taktischen Feinheiten besser als ich und schlägt das Qualitätsopfer 38.Se6! vor. Nach 38...Sxf2 39.Sxg7 Sxe4 40.Se6! Sxc3 41.Txc3 ist der schwarze König leichte Beute. Der Textzug 38.Sxg4 verdirbt jedoch nichts. 38...Txg4 39.Th3+ nun meldet sich der Turm auf der dritten Reihe am Königsflügel zu Wort. Kg7 40.Lxf4! In der Vorausberechnung brauchte ich eine ganze Weile, um zu realisieren, dass Lxf4 nicht wegen Txf4 Se6+ etc. gewinnt, sondern weil nach Txf4 ganz plump Tg3+ die Dame gewinnt. 40...Kf7 Die Zeitkontrolle hat der Nachziehende geschafft, das spielt in Anbetracht der hoffnungslosen Stellung jedoch keine Rolle mehr. 41.Le3 Lg5 42.Lxg5 Txg5 43.Df2+ Ke7 44.Se6 Tg4 45.Th7! noch ein kleiner Witz zum Abschluss
45...Ke8 46.Sc7+ Kd8 47.Df6+ für 47...Se7 reichte der Humor des Schwarzen nicht mehr, er gab an dieser Stelle auf. Diese Partie gefällt mir ausgesprochen gut, weil sie ein Musterbeispiel für die Königsindische Verteidigung ist. Weiß hatte sich zahlreiche thematische Pläne gefasst und diese allesamt reibungslos realisiert. Bei Schwarz ist das Ergebnis debakulös, er hatte keinen Angriff, wurde am Damenflügel langsam überspielt und zu guter Letzt an "seinem" Flügel komplett weggefegt. Strategie und Taktik griffen wie ein Schweizer Uhrwerk perfekt ineinander, eine Partie die sehr viel Spaß gemacht hat! :)
Bei der Auswahl der zweiten Partie war ich mir etwas unschlüssig.
Ich wollte auf jeden Fall eine Schwarzpartie nehmen und hatte zunächst die Partie gegen den amtierenden Deutschen Meister U25A im Auge, entschied mich dann aber für eine Partie vom Böblinger Open, in der sich Weiß grundsolide mit dem Londoner System aufbaute und ohne nennenswerte Gegenwehr langsam überspielt wurde.
Bräuner - Winterberg (Böblinger Open 2013)
1.d4 Sf6 2.Sf3 g6 3.Lf4 g6 4.e3 0-0 5.Le2 d6 6.h3 Sbd7 7.0-0 c5 8.c3 b6 9.Te1 Lb7 10.Sbd2 a6 11.a4 soweit alles noch Theorie und nicht untypisch. Da mein Gegner aber gelegentlich diesen Aufbau wählt, ging ich nicht unvorbereitet in die Partie und wartete mit einem interessanten Plan des indischen GM Ganguly auf, den ich nur leicht abänderte. 11...Ta7!? Die Idee ist bekannt, zu diesem Zeitpunkt jedoch untypisch. 12.Lf1 Da8
13.Lh2 Tfb8 14.c4 Se4 15.d5 Sxd2 16.Dxd2 b5 Man braucht nicht lange, um zu erkennen, dass dies die einzige Chance ist. Die taktische Rechtfertigung besteht in 17.axb5 axb5 18.Txa7 Dxa7 19.cxb5 Da2 20.e4 Ta8! wonach Schwarz gutes Spiel hat. In der Partie folgte jedoch das gekünstelte 17.Ta2?! was den Grundstein für die weißen Sorgen legt. 17...bxc4 18.e4 a5 19.Lxc4 La6 20.Lxa6 Txa6 21.e5 Weiß muss versuchen ein Gegenspiel zu organisieren, allerdings schlägt es nicht durch und verpufft sehr schnell. 21...Tab6 22.Te2 Da6 23.Te4 Db7 24.Te2 Da6 25.Te4 Tb4 Zugwiederholungen sind ein bewährtes Mittel um näher an die Zeitkontrolle zu kommen. Weiß wäre mit Remis natürlich mehr als einverstanden. 26.De2?! Das Endspiel verspricht Weiß keine Freude, mit Damen auf dem Brett hätte Weiß bessere Chancen auf etwaige Schwindelversuche. 26...Dxe2 27.Txe2 Lf8!
Dieser scheinbar passive Zug bringt Weiß in ernste Schwierigkeiten. Der Punkt d6 ist nun zuverlässig gedeckt, was Weiß komplett des Gegenspiels beraubt. Nun droht bereits Sb6. Der Schwächen (a4,b2,d5) hat Weiß gar zu viele, als dass ein Mensch diese Stellung verteidigen könnte. Gemäß des "Prinzips der zwei Schwächen" benötigt man 2 Schwächen zum Sieg, in der Diagrammstellung sind es bereits 3. Erschwerend hinzu kommen die deplatzierten weißen Figuren. Vorallem der Ta2 und der Lh2 geben ein trauriges Bild ab. 28.exd6 exd6 29.Sg5 Td4 Planänderung! Anstelle des Bauern a4 greift Schwarz lieber d5 ab. Die zwei verbundenen Freibauern sind eine Siegesgarantie. 30.Ta1 Txd5 31.Se4 Te8 nicht notwendig, aber auch nicht schlecht. 32.Tae1 Td4 33.Sc3 Txe2 34.Txe2 Sb6
erinnert Weiß an seinen a4-Bauern. 35.g4 Sxa4 36.Sb5 Td3 37.Lf4 f6 38.Td2 Txd2 39.Lxd2 Sxb2 40.Lxa5 Der Rest ist einfach und bedarf keines Kommentares Kf7 41.Kf1 d5 42.Ke2 d4 43.Lc7 Ke6 44.Kd2 Kd5 45.Ld8 Kc4 46.Sc7 Lh6+ 0-1
Allen Lesern wünsche ich einen guten Start ins Jahr 2014!
Dienstag, 29. Oktober 2013
Mission Possible
Ahoi Schachfreunde,
bald beginnt der Kampf um die Schachkrone zwischen Magnus Carlsen und Vishy Anand, bei dem es meiner Prognose nach keinen klaren Favoriten gibt. Bei einem Kämpfer wie Carlsen sind außerdem interessante Partien zu erwarten. Geschätzte 25 Spielklassen tiefer fand letzte Woche das erste Qualifikationsturnier des RAMADA- Cups in Bad Soden statt, ausgetragen im RAMADA- Hotel, in dem bereits Kasparow spielte, welches aber auch bereits erwähntem Vishy Anand nicht fremd sein dürfte, lebt er doch seit Jahren in Bad Soden. Mit exakt 300 Teilnehmern startete das Turnier, welches in 6 Ratinggruppen unterteilt ist. In der A-Gruppe siegte etwas überraschend ein Jugendspieler mit 4,5/5, welcher mir dieses Jahr auch schon eine leidvolle Erfahrung bescherte. Ich startete von Startplatz 2 und lief schlussendlich auch mit 4/5 als Zweiter über die Ziellinie. Zufrieden bin ich dennoch nicht, war die Qualität der Partien doch außergewöhnlich schlecht, lediglich mein Kampfgeist und eine gehörige Portion Glück bewahrte mich vor Schlimmerem. Im Folgenden stelle ich die Partie aus der vierten Runde vor, die einzige Partie, mit der ich zufrieden bin. Auch wenn sie nur Remis endete, finde ich sie sehr interessant.
Winterberg- FM Meyer, F.
1.d4 c6 2.c4 d5 3.Sc3 Sf6 4.cxd5 Der Abtausch- Slawe gilt gemeinhin als blutleere Variante, ideal geeignet um auf Remis zu spielen. Ich sehe es ein wenig anders: Wenn Weiß möchte, sollte er problemlos zum Remis kommen, spielt er aber auf Sieg, ist das System nicht ungefährlich. Meines Erachtens hat Schwarz nicht weniger Probleme als in anderen Eröffnungen. 4...cxd5 5.Lf4 Sc6 6.e3 die genaueste Zugfolge. Der Springer bleibt vorerst auf g1, je nach dem wie Schwarz spielt, kann sich das Spiel in verschiedene Richtungen entwickeln. 6...Lf5 7.Sf3 Beachtung verdient auch 7.Db3!? Sa5 8.Da4+ Ld7 9.Dc2, was Kramnik erfolgreich gegen Aronian spielte. 7...a6 8.Ld3 Lxd3 9.Dxd3 e6 10.0-0 Le7 11.Tfc1 Weiß hat eine leichte Initiative. Da ich mich auch mit Schwarz gelegentlich mit solchen Stellungsbildern konfrontiert sehe, weiß ich aus Erfahrung, dass es sich nicht angenehm mit Schwarz spielt, der weiße Vorteil ist zwar minimal, aber störend. 11...0-0 12.Sa4 Tc8 13.a3 Sd7 14.b4 g5?! diesen Zug hatte ich nicht auf der Rechnung und meines Erachtens ist er auch fehl am Platze. Da Schwarz nicht ernsthaft von einer Initiative am Königsflügel träumen kann, schwächt dieser Zug nur. Ich erwartete stattdessen 14...Sb6, nach 15.Sc5 Lxc5 16.bxc5 Sc4 17.Tab1 S6a5 ist die Stellung dem Ausgleich sehr nahe. In der Partie folgte weiter: 15.Lg3 f5 wer A sagt,... 16.h3 lange berechnete ich die Folgen von 16.Se5, wonach 16...f4 ein taktischer Fehler wäre, den man mittels 17.exf4 gxf4 18.Sxd7 Dxd719.Lxf4! (19.Sb6? Dd6 20.Sxc8 Txc8 -/+) bestrafen könnte. Allerdings kann Schwarz 16...Sxe5 17.Lxe5 Sxe5 18.dxe5 spielen, wonach die Stellung ausgeglichen ist. Zu dieser Erkenntnis gelangt, wählte ich das unverbindliche 16.h3, worauf 16...f4 folgte. 17.Lh2 Tf5 18. Te1 b5 19.Sc3 nachdem Schwarz sich am Königsflügel bereitwillig geschwächt hat, möchte ich nun auch noch den Springer zum Königsflügel überführen, statt wie ursprünglich geplant, auf c5 einzureiten. 19...fxe3 20.Txe3 Sf8 wenn ich mir die Stellung anschaue, kann ich es immer noch nicht fassen, dass Schwarz sich behaupten konnte. 21.Tae1 Lf6 22.Se2 schlecht wäre natürlich 22.g4?, was an 22...Txf3 23.Txf3 Sxd4 -/+ scheitert. 22...Lg7 und nun beginnt der Spaß. 23.Sg3 Txf3! Schwarz muss handeln. Trostlos wäre 23...Tf7 24.Sh5 mit deutlichem Vorteil für Weiß.
24. gxf3!? ein interessanter Ansatz, der meiner Ansicht nach etwas stärker ist als 24.Txf3.
24...Sxd4 25.Sh5 Sc2 26.Txe6 Sxe1 27.Txe1 diese Stellung hatte ich vor Augen, als ich den 23. Zug ausführte. Ich ging davon aus, Weiß habe eine starke Initiative gegen den geschwächten gegnerischen König. Wie ich feststellen durfte, ist die Stellung jedoch keineswegs klar. 27...Sg6 28.Lg3 notwendige Prophylaxe. Allzu oft drohen Wendungen mit Tc1+ Kg2 Sh4+, weshalb ich mir die Zeit nahm, dieser Drohung entgegen zu wirken. 28...Dd7 eine weitere Idee von 28.Lg3 war es, den Gegner zur Rettung seines wichtigen Lg7 zu motivieren, da für 28...Lh8 29. Te6! (stark ist auch 29.Df5) schlichtweg keine Zeit ist. Der Partiezug ist deutlich besser. 29.Sxg7 Kxg7 30.Dd4+ Kf7! und wieder ein mal wählt er das richtige Feld, ich erwartete eher 30...Kh6, wonach Weiß jedoch dank der Möglichkeit 31.f4 Vorteil behielte. 31.Td1 ich darf nicht locker lassen, schaffte Schwarz es sich zu konsolidieren, stünde er gut. 31...Se7?! ich nahm an, dass er diesen Zug spielen würde, allerdings droht Dxd5 in meinen Augen nicht, da Schwarz im damenlosen Endspiel nicht das geringste Problem haben dürfte. Andererseits sah ich wenige vernünftige Wartezüge. Einen gesunden Eindruck macht z.B. 31...Tc4, worauf ich mir im Voraus nicht wirklich überlegt habe, wo die Dame hin soll. 31...Se7?! ist zwar spielbar, erfordert jedoch weiterhin eine präzise Verteidigung. 32.Kg2 da ich momentan den Druck kaum verstärken kann, nehme ich mir die Zeit für diesen ruhigen Zug, der die Königsstellung etwas verbessert. 32...Df5 33.Te1 Tc6 ein geschickter Zug, der es Weiß nicht leicht macht, die schwarze Stellung zu knacken. Jedoch ist er nur geradeso spielbar. Ich vermute, dass mein Gegner den Partiefortgang nicht hat kommen sehen, und schlichtweg Glück hatte. 34.Te5 Df6 gefährlich war auch 34...Dg6, man sehe z.B. 35.Dg4 h6 36.Dd7 Te6 37.Txd5 +/-. Doch auch die Partiefortsetzung 34...Df6 lässt Schwarz in einen starken Angriff geraten. 35.h4!
Schwarz steht nun am Rande des Abgrundes und im Falle von 35...h6? 36.hxg5 hxg5 37.Dg4 müsste er schon 37...d4!? versuchen, was wahrscheinlich aber trotzdem verliert. Zum wiederholten Mal fand mein Gegner den einzigen Zug. 35...Tc4! 36.Dd3 gxh4 37.Dxh7+ Kf8 genauer war wohl 37...Ke8
38.Lh2 Tc3 39.Dh5 d4 40.Dg4 d3 die Zeitkontrolle war nun geschafft, ich konnte mir wieder etwas Zeit lassen. Für den Rest der Partie blieben mir 15min. + 30 sec. pro Zug. Für meinen nächsten Zug investierte ich geschlagene 10min. Ich konnte es nicht glauben, dass Schwarz diese Stellung halten kann. Ich fand verschiedene Ansätze. Die erste Idee besteht in einem Turmmanöver über e4-f4. Allerdings war 41.Te4? Dg6 -/+ schnell zu verwerfen. Blieb eigentlich nur noch eine andere Idee, die ich auch in der Partie wählte. 41.Te6! h3+! einziger Zug 42.Kxh3 Dh8+ 43.Kg2 Tc4! und wieder findet Schwarz den einzigen Zug. Beträchtlich schwächer wäre das sofortige 43...Dg8, das ich eigentlich für erzwungen hielt, nach 44.Ld6 Dxg4+ 45.fxg4 d2 46.Lxe7+ Kf7 47.Td6 sollte Weiß das Turmendspiel gewinnen.
44.Dg5?schade, das wäre ihr Preis gewesen... Abgesehen davon, dass ich 44.Dg5 für erzwungen hielt, glaubte ich an Vorteil nach 44...Dg8. Völlig entgangen war mir hingegen 44.Lf4!, wonach Schwarz vor großen Problemen steht, da der König immer noch starkem Druck ausgesetzt ist. Bei schrumpfender Bedenkzeit nahm ich 44.Lf4!, was sich auf den ersten Blick unglücklich in eine Selbstfesselung begibt, nicht ernsthaft wahr, zumal Schwarz mit dem Bauern d3 auch einen Kandidat für potentielles Gegenspiel besitzt. In der Partie folgte erwartungsgemäß 44...Dg8 45.Dxg8 Sxg8 46.Td6 darauf hatte ich mich verlassen 46...Tc3 47.Txa6 Se7 48.Lf4 Sd5 49.Ld2 und hier wähnte ich mich auf der Siegerstraße, da 49...Tc2 50.Td6 +- sofort verliert und 49...Tb3 50.f4 nebst Kf3 auch zum Gewinn ausreichen sollte. Stattdessen fand mein Gegner mal wieder den stärksten Zug, worauf ich resignierte und mich mit einem Remis abfinden musste. 49...Ke7!
50.a4 Tc2 und ich akzeptierte enttäuscht sein Remisangebot. Eine kämpferische Partie, die von beiden Seiten mit offenem Visier vorgetragen wurde. Am Ende steht ein Eloplus, welches mich zum FM machen wird, alsbald das Turnier ausgewertet und der Titel beantragt wird. Abgesehen von dieser Partie spielte ich in diesem Turnier aber eher wie ein Novize.
Ich wünsche allen Lesern einen schönen Herbst, Turniere werde ich erst wieder nach Weihnachten spielen, vielleicht schon mit 2 zierenden Buchstaben mehr als gewohnt.
bald beginnt der Kampf um die Schachkrone zwischen Magnus Carlsen und Vishy Anand, bei dem es meiner Prognose nach keinen klaren Favoriten gibt. Bei einem Kämpfer wie Carlsen sind außerdem interessante Partien zu erwarten. Geschätzte 25 Spielklassen tiefer fand letzte Woche das erste Qualifikationsturnier des RAMADA- Cups in Bad Soden statt, ausgetragen im RAMADA- Hotel, in dem bereits Kasparow spielte, welches aber auch bereits erwähntem Vishy Anand nicht fremd sein dürfte, lebt er doch seit Jahren in Bad Soden. Mit exakt 300 Teilnehmern startete das Turnier, welches in 6 Ratinggruppen unterteilt ist. In der A-Gruppe siegte etwas überraschend ein Jugendspieler mit 4,5/5, welcher mir dieses Jahr auch schon eine leidvolle Erfahrung bescherte. Ich startete von Startplatz 2 und lief schlussendlich auch mit 4/5 als Zweiter über die Ziellinie. Zufrieden bin ich dennoch nicht, war die Qualität der Partien doch außergewöhnlich schlecht, lediglich mein Kampfgeist und eine gehörige Portion Glück bewahrte mich vor Schlimmerem. Im Folgenden stelle ich die Partie aus der vierten Runde vor, die einzige Partie, mit der ich zufrieden bin. Auch wenn sie nur Remis endete, finde ich sie sehr interessant.
Winterberg- FM Meyer, F.
1.d4 c6 2.c4 d5 3.Sc3 Sf6 4.cxd5 Der Abtausch- Slawe gilt gemeinhin als blutleere Variante, ideal geeignet um auf Remis zu spielen. Ich sehe es ein wenig anders: Wenn Weiß möchte, sollte er problemlos zum Remis kommen, spielt er aber auf Sieg, ist das System nicht ungefährlich. Meines Erachtens hat Schwarz nicht weniger Probleme als in anderen Eröffnungen. 4...cxd5 5.Lf4 Sc6 6.e3 die genaueste Zugfolge. Der Springer bleibt vorerst auf g1, je nach dem wie Schwarz spielt, kann sich das Spiel in verschiedene Richtungen entwickeln. 6...Lf5 7.Sf3 Beachtung verdient auch 7.Db3!? Sa5 8.Da4+ Ld7 9.Dc2, was Kramnik erfolgreich gegen Aronian spielte. 7...a6 8.Ld3 Lxd3 9.Dxd3 e6 10.0-0 Le7 11.Tfc1 Weiß hat eine leichte Initiative. Da ich mich auch mit Schwarz gelegentlich mit solchen Stellungsbildern konfrontiert sehe, weiß ich aus Erfahrung, dass es sich nicht angenehm mit Schwarz spielt, der weiße Vorteil ist zwar minimal, aber störend. 11...0-0 12.Sa4 Tc8 13.a3 Sd7 14.b4 g5?! diesen Zug hatte ich nicht auf der Rechnung und meines Erachtens ist er auch fehl am Platze. Da Schwarz nicht ernsthaft von einer Initiative am Königsflügel träumen kann, schwächt dieser Zug nur. Ich erwartete stattdessen 14...Sb6, nach 15.Sc5 Lxc5 16.bxc5 Sc4 17.Tab1 S6a5 ist die Stellung dem Ausgleich sehr nahe. In der Partie folgte weiter: 15.Lg3 f5 wer A sagt,... 16.h3 lange berechnete ich die Folgen von 16.Se5, wonach 16...f4 ein taktischer Fehler wäre, den man mittels 17.exf4 gxf4 18.Sxd7 Dxd719.Lxf4! (19.Sb6? Dd6 20.Sxc8 Txc8 -/+) bestrafen könnte. Allerdings kann Schwarz 16...Sxe5 17.Lxe5 Sxe5 18.dxe5 spielen, wonach die Stellung ausgeglichen ist. Zu dieser Erkenntnis gelangt, wählte ich das unverbindliche 16.h3, worauf 16...f4 folgte. 17.Lh2 Tf5 18. Te1 b5 19.Sc3 nachdem Schwarz sich am Königsflügel bereitwillig geschwächt hat, möchte ich nun auch noch den Springer zum Königsflügel überführen, statt wie ursprünglich geplant, auf c5 einzureiten. 19...fxe3 20.Txe3 Sf8 wenn ich mir die Stellung anschaue, kann ich es immer noch nicht fassen, dass Schwarz sich behaupten konnte. 21.Tae1 Lf6 22.Se2 schlecht wäre natürlich 22.g4?, was an 22...Txf3 23.Txf3 Sxd4 -/+ scheitert. 22...Lg7 und nun beginnt der Spaß. 23.Sg3 Txf3! Schwarz muss handeln. Trostlos wäre 23...Tf7 24.Sh5 mit deutlichem Vorteil für Weiß.
24. gxf3!? ein interessanter Ansatz, der meiner Ansicht nach etwas stärker ist als 24.Txf3.
24...Sxd4 25.Sh5 Sc2 26.Txe6 Sxe1 27.Txe1 diese Stellung hatte ich vor Augen, als ich den 23. Zug ausführte. Ich ging davon aus, Weiß habe eine starke Initiative gegen den geschwächten gegnerischen König. Wie ich feststellen durfte, ist die Stellung jedoch keineswegs klar. 27...Sg6 28.Lg3 notwendige Prophylaxe. Allzu oft drohen Wendungen mit Tc1+ Kg2 Sh4+, weshalb ich mir die Zeit nahm, dieser Drohung entgegen zu wirken. 28...Dd7 eine weitere Idee von 28.Lg3 war es, den Gegner zur Rettung seines wichtigen Lg7 zu motivieren, da für 28...Lh8 29. Te6! (stark ist auch 29.Df5) schlichtweg keine Zeit ist. Der Partiezug ist deutlich besser. 29.Sxg7 Kxg7 30.Dd4+ Kf7! und wieder ein mal wählt er das richtige Feld, ich erwartete eher 30...Kh6, wonach Weiß jedoch dank der Möglichkeit 31.f4 Vorteil behielte. 31.Td1 ich darf nicht locker lassen, schaffte Schwarz es sich zu konsolidieren, stünde er gut. 31...Se7?! ich nahm an, dass er diesen Zug spielen würde, allerdings droht Dxd5 in meinen Augen nicht, da Schwarz im damenlosen Endspiel nicht das geringste Problem haben dürfte. Andererseits sah ich wenige vernünftige Wartezüge. Einen gesunden Eindruck macht z.B. 31...Tc4, worauf ich mir im Voraus nicht wirklich überlegt habe, wo die Dame hin soll. 31...Se7?! ist zwar spielbar, erfordert jedoch weiterhin eine präzise Verteidigung. 32.Kg2 da ich momentan den Druck kaum verstärken kann, nehme ich mir die Zeit für diesen ruhigen Zug, der die Königsstellung etwas verbessert. 32...Df5 33.Te1 Tc6 ein geschickter Zug, der es Weiß nicht leicht macht, die schwarze Stellung zu knacken. Jedoch ist er nur geradeso spielbar. Ich vermute, dass mein Gegner den Partiefortgang nicht hat kommen sehen, und schlichtweg Glück hatte. 34.Te5 Df6 gefährlich war auch 34...Dg6, man sehe z.B. 35.Dg4 h6 36.Dd7 Te6 37.Txd5 +/-. Doch auch die Partiefortsetzung 34...Df6 lässt Schwarz in einen starken Angriff geraten. 35.h4!
Schwarz steht nun am Rande des Abgrundes und im Falle von 35...h6? 36.hxg5 hxg5 37.Dg4 müsste er schon 37...d4!? versuchen, was wahrscheinlich aber trotzdem verliert. Zum wiederholten Mal fand mein Gegner den einzigen Zug. 35...Tc4! 36.Dd3 gxh4 37.Dxh7+ Kf8 genauer war wohl 37...Ke8
38.Lh2 Tc3 39.Dh5 d4 40.Dg4 d3 die Zeitkontrolle war nun geschafft, ich konnte mir wieder etwas Zeit lassen. Für den Rest der Partie blieben mir 15min. + 30 sec. pro Zug. Für meinen nächsten Zug investierte ich geschlagene 10min. Ich konnte es nicht glauben, dass Schwarz diese Stellung halten kann. Ich fand verschiedene Ansätze. Die erste Idee besteht in einem Turmmanöver über e4-f4. Allerdings war 41.Te4? Dg6 -/+ schnell zu verwerfen. Blieb eigentlich nur noch eine andere Idee, die ich auch in der Partie wählte. 41.Te6! h3+! einziger Zug 42.Kxh3 Dh8+ 43.Kg2 Tc4! und wieder findet Schwarz den einzigen Zug. Beträchtlich schwächer wäre das sofortige 43...Dg8, das ich eigentlich für erzwungen hielt, nach 44.Ld6 Dxg4+ 45.fxg4 d2 46.Lxe7+ Kf7 47.Td6 sollte Weiß das Turmendspiel gewinnen.
44.Dg5?schade, das wäre ihr Preis gewesen... Abgesehen davon, dass ich 44.Dg5 für erzwungen hielt, glaubte ich an Vorteil nach 44...Dg8. Völlig entgangen war mir hingegen 44.Lf4!, wonach Schwarz vor großen Problemen steht, da der König immer noch starkem Druck ausgesetzt ist. Bei schrumpfender Bedenkzeit nahm ich 44.Lf4!, was sich auf den ersten Blick unglücklich in eine Selbstfesselung begibt, nicht ernsthaft wahr, zumal Schwarz mit dem Bauern d3 auch einen Kandidat für potentielles Gegenspiel besitzt. In der Partie folgte erwartungsgemäß 44...Dg8 45.Dxg8 Sxg8 46.Td6 darauf hatte ich mich verlassen 46...Tc3 47.Txa6 Se7 48.Lf4 Sd5 49.Ld2 und hier wähnte ich mich auf der Siegerstraße, da 49...Tc2 50.Td6 +- sofort verliert und 49...Tb3 50.f4 nebst Kf3 auch zum Gewinn ausreichen sollte. Stattdessen fand mein Gegner mal wieder den stärksten Zug, worauf ich resignierte und mich mit einem Remis abfinden musste. 49...Ke7!
50.a4 Tc2 und ich akzeptierte enttäuscht sein Remisangebot. Eine kämpferische Partie, die von beiden Seiten mit offenem Visier vorgetragen wurde. Am Ende steht ein Eloplus, welches mich zum FM machen wird, alsbald das Turnier ausgewertet und der Titel beantragt wird. Abgesehen von dieser Partie spielte ich in diesem Turnier aber eher wie ein Novize.
Ich wünsche allen Lesern einen schönen Herbst, Turniere werde ich erst wieder nach Weihnachten spielen, vielleicht schon mit 2 zierenden Buchstaben mehr als gewohnt.
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