Mittwoch, 11. April 2012

Neckar-Open 2012

Nach einer längeren Pause melde ich mal wieder zurück. Vom 05.-09.04.2012 spielte ich das in Deizisau befindliche Neckar-Open, welches traditionell stark besetzt war. Am Ende siegte GM Istratescu mit 7,5 Zählern nach Feinwertung vor GM Shanava. Bei mir lief es leider durchwachsen. Gegen Schwächere spielte ich eigentlich gut, gegen Stärkere (2 IMs,2 FMs) war ich teilweise völlig von der Rolle. So verpatzte ich beispielsweise meine more or less Gewinnstellung gegen IM Zeller noch zum Verlust. Die restlichen Niederlagen resultieren aus dem Duell Winterberg-Schweiz, das ich leider 0-3 verloren geben musste. So war mein erster Schweizer ein junger FM. Meine Vorbereitung kam aufs Brett, doch dummerweise vergaß ich im Ragozin im 16. Zug meine Vorbereitung, vergaß einen Zug und erhielt eine freudlose Stellung. Der 2. schweizer FM brauchte mich gar nicht schlagen, das tat ich selbst, aber dazu später mehr. In Runde 9 wurde mir dann auch noch ein schweizer IM zugelost. Ich kam mit seinem Eigenbau nicht klar, stand schlechter, verteidigte mich nicht ideal und verlor. Bevor ich aber auf die Gurke des Turniers eingehe, zunächst eine gute Partie: Ich entschied mich meine Drittrundenpartie gegen einen Gegner mit ca. 2000 zu präsentieren. OK, ist nicht gerade viel, dennoch fand ich mein Spiel recht gefällig.
Osmanovic-Winterberg:
1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 a6 5.Sc3 d6 6.Le2 Sf6 natürlich möglich, 6...b5!? ist aber eine respektable Alternative 7.0-0 Le7 8.Le3 Dc7 9.a4 0-0 10.0-0 b6 11.Lf3 Lb7 12.Kh1 Sbd7 13.f5?! eine schlechte Entscheidung, Weiß sollte die Spannung halten, z.B. 13. De1 mit verteilten Chancen.
13...e5 14.Sb3 Tfd8 der typische Plan. Sollte sich Weiß in der Folge zu g4 erkühnen, folgt der programmatische Zentraldolchstoß d5! und Weiß ist in Nöten. 15. a5 gefällt mir nicht, warum soll er mir b5 erlauben? 15...b5 16.Sd2 es zeichnet sich planloses Spiel ab, was kein Wunder ist, wenn g4 gefährlich zu sein scheint. Es folgt ein Spiel auf ein Tor, mit bösem Ende für Weiß. 16...Tac8 17.De2 Db8!? (?!) Interessant, aber ungenau, da ein sofortiges b4 18.Sa2 d5 19.exd5 Dxc2! Weiß bereits vor große Probleme gestellt hätte. Aber auch das logische Db8 sollte einigen Vorteil und eine sehr angenehme Stellung behalten. 18.Tfc1? Der beste Versuch war wohl 18. Dd3!?, wonach Weiß noch mitmischt. 18...Da8 19.Lg1 b4 20. Sa4 d5! da ist endlich der Hebel. Weiß hat große Probleme.


21. exd5 Sxd5 22.Lxd5 Lxd5 23.Lb6? Das scheitert an einer kleinen Kombi. Beachtung verdiente 23.c4!?, wonach der Nachteil immernoch im Rahmen bliebe. 23...Sxb6 24.Sxb6 Lxg2+! 25.Dxg2 Dxg2+ 26.Kxg2 Txd2+ 27.Kg3 Tc6!? für die Galerie gespielt. Natürlich sprach nichts gegen Tcxc2, aber ich sah, dass der Bauer mir ohnehin nicht wegrennt, weshalb ich einen Angriff auf den weißen Monarchen zu inszenieren versuchte. 28.c4 bxc3 Schade, hier hätte ich meinen 27. Zug mit 28...Th6! rechtfertigen können, mit der Idee, dass auf 29. Th1 e4! mit Gewinn folgt, aber natürlich verdirbt auch bxc3 nichts. 29.Txc3 Txc3 30.bxc3 Td3+ 31.Kg2 Txc3 32.Td1 h5 33.Td7 Lb4 34.Sd5 Tc2+ 35.Kf3 Lxa5 36.Ta7 Txh2 37.Txa6 Le1 38.Ta8+ Kh7 39.Ta7 Td1 40.Ke4 h4 stellt eine Falle, in die Weiß auch prompt reintappt und damit seinen Untergang beschleunigt. 41. Txf7? Txd5!

Was folgt ist Agonie: 42.f6 Kg6 43.Tf8 Td6 44.fxg7 Kxg7 45.Tf3 Lg3 46.Tb3 Kg6 47.Tb8 Td4+ 48.Ke3 Kf5 49.Tf8+ Kg4 50.Tg8+ Kh3 51.Kf3 Tf4+ 52.Ke3 Kg2 53.Tg5 h3 und kaum zu glauben, mein Gegner wollte sich nicht mattsetzen lassen, sondern gab hier tatsächlich auf. 0-1

Nun werde ich die debakulöse Partie aus Runde 7 präsentieren. Man kann sagen, jedes Mal, wenn ich mich wieder an Brett 40-50 vorkämpfte, kam ein Schweizer und schubste mich wieder in die Mediokrität zurück. So auch in Runde 7:
FM Gähler-Winterberg:
1.e4 c5 2.Sc3 d6 3.Sge2 g6 Drachen? 4.g3 Nein! Lg7 5.Lg2 e5 6.d3 Se7 7.h4!? Dass mein junger Gegner eine Affinität für h-Bauern-Märsche hat, zeigte er auch in Runde 9...dort verzichtete er gar ganz auf die Rochade. 7...h5 8.Lg5 f6 9.Le3 Sbc6 10.Dd2 Le6 11.Sd5 Sd4 12.Sxe7 Dxe7 13.c3 Sxe2 14.Dxe2 Dd7 angesichts meines nächsten Zug ein saudämlich vorbereiteter Selbstfaller allererster Kajüte. 15.d4+/= und nun entkorkte ich 15...Tc8?? nach ca. 15 min. "Denkleistung" und stand zufrieden auf. 16.0-0 würde sich nämlich wegen cxd4 nebst Lc4 verbieten, und auch ansonsten steht Schwarz sehr befriedigend, wäre da nicht 16.d5 +-.




 Als ich ans Brett zurückkam traute ich meinen Augen nicht. Was zur Hölle habe ich bloß angerichtet? Ich starrte einige Zeit versteinert aufs Brett, fand mich mit meinem Schicksal ab, und spielte mit 16...Lf7 noch etwas weiter, um die Partie noch etwas künstlich in die Länge zu ziehen. 17.Lh3 f5 18.Dc2 De7 19. 0-0-0 Td8 20.exf5 Df6 21.Lg5 Lh6 22.f4 Lxg5 23.hxg5 Dg7 24.f6 Dh7 25.Da4+ Kf8 26.Dxa7 Le8 27.Db6 und allerhöchste Eisenbahn aufzugeben. 1-0


Sonntag, 29. Januar 2012

Haken und Ösen

Heute war wieder ein Ligaspiel angesagt, das wir auch souverän mit 6:2 gewannen. Ich hatte es an  Brett 2 mit dem erfahrenen, grundsolide spielenden, Helmut Freise zu tun. Ihn mit Schwarz zu bezwingen, keine leichte Aufgabe! Doch habe ich ein gutes Gespür, welche Eröffnungen ich gegen welche Gegner anwenden sollte. Auch dieses Mal sollte ich mit meiner Eröffnungswahl, dem kämpferischen und komplizierten _Leningrader_System_  richtig liegen. Kurzum: Ich zockte die ersten 18 Züge in 4 min. runter, während mein Widerpart über eine Stunde brauchte. Vorbereitung ist das halbe Leben :-). Da mein Gegner die Theorie aber ab Zug 9 nicht mehr kannte, muss man anerkennend sagen, dass er sehr gut improvisiert hat und selbst den 10. Zug, den nicht jeder ziehen würde, gefunden hat. Nach einer dubiosen Entscheidung im 13. Zug bekam ich allerdings schon die Initiative, die ich allerdings im 30. Zug durch einen Selbstfaller in eine Verluststellung verwandelte. Den technischen Part spielte mein Gegner wiederum äußerst präzise und meine zahlreichen Schwindelversuche schlug er ab. Schade! Aber nun die Partie:

1.d4 g6 2.Sf3 Lg7 3.c4 f5 und plötzlich sind wir im Holländer, durch diese Zugfolge habe ich die "Killer"-Varianten umschifft, die bei 1.d4 f5 dem Schwarzen Kummer bereiten könnten. 4.g3 Sf6 5.Lg2 0-0
6.0-0 d6 7.Sc3 De8 Der zuverlässigste Zug 7...Sc6 ist in meinen Augen eine weniger bequeme Alternative, die Weiß in Vorteil bringt. Eine Alternative ist aber 7...c6 8.b3 Eine Nebenvariante, bei der Weiß auf keinen großen Vorteil zu hoffen braucht. Am ambitioniertesten und aggressivsten gilt 8.Sd5!? 8...e5!? Eine von vielen Möglichkeiten, die als OK für Schwaerz gelten. e5 ist sehr direkt und entspricht meinem Stil vollkommen. 9.dxe5 dxe5 10.e4! Sehr gut improvisiert. Ohne die Variante zu kennen auf solche Züge zu kommen zeugt von Spielverständnis. Ich hingegen durfte ihm weiterhin meine häusliche Analyse um die Ohren hauen. 10...Sc6 11.Sd5 Dd7 12.La3 Te8 Es ist schwer zu sagen, wo der Turm besser steht, jedenfalls wurden sowohl Te8 als auch Td8 schon gespielt. 13.Sxf6+?! Folgt unbewusst GM Gerry Hertneck. Vorzuziehen ist jedoch 14.exf5 was unter Anderem schon von GM Pinter und GM Magerramov gespielt wurde. Nach dem Textzug ist Schwarz bereits am Ruder, nicht zuletzt aufgrund der Schwäche des Punktes d4. 13...Lxf6 14. Dxd7N Eine Neuerung...in den beiden Vorgängerpartien wurde Dd5+ gegeben.Während Onischuk Ross überzeugend mit Schwarz schlug, machte GM Hertneck schnell Remis mit Yrjola.
14...Lxd7 15.Tad1 Tad8 16.Lh3 Le6 17. Tfe1 Txd1 18.Txd1 fxe4 19.Lxe6+ Txe6 20.Sd2 e3 21.fxe3 e4! Der schwarze Vorteil ist apparent und Weiß ist aus der Eröffnung heraus strategisch total überspielt worden. Der Rest ist doch eigentlich Formsache und ein Spiel auf ein Tor, oder? Prinzipiell ja, wenn ich mit Schwarz spiele, nein!

22.Kf2 h5!? Mein Plan ist es, gemütlich am Königsflügel aufzumarschieren, Weiß hat ohnehin kein Gegenspiel.
23.Ke2 g5 24.Tf1 Kg7 25.Tf5 Kg6 26.Tb5 b6 27.Td5 Se5?! Doch dies ist eine Ungenauigkeit. Das trockene 27...Sb8! lässt Schwarz beträchtlichen Vorteil und es ist schwer Weiß einen guten Rat zu geben und noch schwieriger die Stellung auf Dauer zu verteidigen. 28.Sxe4! Sxc4 29. bxc4 Txe4 Nun ist der Vorteil zusammengeschrumpft, was nun folgt ist ein folgenschwerer Irrtum, der daherrührt, dass ich das weiße Maneuver übersehen habe. Leider ist die Stellung plötzlich sogar hoffnungslos verloren. 30. Kd3 Tg4??
31. Lb4!


Schöne Bescherung, jetzt erst wurde mir klar, was ich angerichtet habe. Verständlich, dass ich mich hier bereits sehr unwohl fühlte. 31...h4 32.Le1 hxg3 33.hxg3 Le7 34.e4 Ld6 35. Txd6! Ich dachte eigentlich, dass das nicht geht. Berechnet hatte ich z.B. 35.Ke3 Lxg3 36.Kf3 Tf4+ 37.Kxg3 Txe4 mit 3 Bauern für die Figur, was sogar besser für Schwarz ist. 35...cxd6 36.Ke3 b5! 37.Kf3 Kh5 Darauf verließ ich mich, doch es kam 38.Lb4!! Autsch! Auch das 2.Lb4 ist mir entgangen. Nach diesem schrecklich starken Zug ist alles vorbei.

38...bxc4 39.Lxd6 c3 40.a4 c2 41.La3 Txe4 42.Kxe4 Kg4 43. Lc1 Alles läuft wie am Schnürchen...
43...Kxg3 44.Lxg5 Kg4 45.Lc1 Kh5 46.a5 Kg6 47.Kd5 Kf7 48.Kc6 Ke7 49.Kb7 Kd7 50.Lf4 Kd8 51.Kxa7 Kc8 52.a6 c1=D 53.Lxc1 Kc7 54.Lf4+ 1-0

In meinen Augen eine interessante Partie mit vielen interessanten Momenten, auch wenn mein Gegner schlussendlich das bessere Ende für sich hatte.

Sonntag, 22. Januar 2012

Deutscher Mannschaftspokal

Hallo Schachfreunde,
dieses Wochenende wurde die erste Runde des deutschen Mannschaftspokals ausgetragen. Diesbezüglich kommt man nicht umhin die grandiose Leistung des SC Heimbach-Weis/Neuwied zu erwähnen, die Bundesligist Eppingen mit 2,5-1,5 und Stadtilm mit 3-1 schlugen und somit unter den 16 verbleibenden Teams sind.
Meinereiner konnte gleich 2x voll punkten. Während die erste Partie einen strategischen Charakter trug, ging es heute schärfer zur Sache. Mein Gegner, ein sehr erfahrener Spieler mit Elo 2252, der früher die DDR-Damen trainierte. Ich hatte Weiß und ging direkt recht forsch an die Partie ran:
1.e4 d6 2.d4 g6 3.c4 Lg7 Damit sind wir jetzt in der Königsindischen Verteidigung, die einen lebhaften Kampf garantiert. 4.Sc3 Sf6 Interessant ist auch 4...Sc6, sich den Umstand zunutze machend, noch nicht Sf6 gespielt zu haben. 5.Le2 Sbd7 Sehr unflexibel, was mich dazu bewegte in die Vierbauernvariante überzuleiten, die ich ehrlichgesagt noch nie gespielt habe. Aber auf einen Kram wie 6.Sf3 0-0 7.0-0 e5 8.d5 Sc5 hatte ich keinen Bock. Ergo: 6.f4 0-0 7.Sf3 c6 (c5!?) 8.0-0 a6 9.e5 Se8 10.Kh1!? Ein prophylaktischer Zug- in einigen Varianten steht der König auf h1 nämlich besser. 10...e6? Ein schwacher Zug, der Schwarz wenig Freunde verspricht. Am weißen Vorteil wäre jedoch auch anderenfalls nichts zu rütteln. 11.Le3 d5 12.cxd5 Alternative dazu wäre 12.c5 gewesen, aber da Schwarz merkwürdig verheddert ist, öffne ich gerne die c-Linie. 12...cxd5 13.Lf2! Ein schlauer Zug, mit der Idee Lh4-e7, weshalb Schwarz weitere Verrenkungen machen muss.

Sc7 14.Lh4 De8 15.Db3 verhindert Sb6 und schnürt Schwarz somit weiter ein. 15...b5 16.a4 bxa4 17.Txa4 f6 18.exf6 Lxf6 19.Lg3! Es ist nicht in meinem Sinne zu tauschen, auch wenn danach die schwarzen Felder im schwarzen Lager zur Schwäche geneigt hätten. Lg3 droht akut f5 und verstärkt den Druck auf e5. 19...Ld8 20.Te1 Sf6 21.Se5 Ld7 22.Tb4 Lb5!? Ein impulsiver, aber auch interessanter Zug. Weiß wird mit einem Bauer abgespeist, Schwarz erhält mehr Spielraum und Weiß sieht sich technischen Schwierigkeiten konfrontiert. 23.Sxb5 axb5 24.Lxb5 Ich muss ihn nehmen Sxb5 25.Txb5 Se4? Er zog es aus der Hand... 26.Txd5! Rumms!


Mein Gegner überspielte den Schock, vielleicht aber auch nur, weil er das schreckliche Ende nicht kommen sah. 26...Sxg3+ 27.hxg3 La5 Er wirkte hier optimistisch, obwohl ich auch nach 28.Ta1 Vorteil behalten hätte.
Allerdings spielte ich energisch 28.Td6! Lxe1 29. Txe6 Da4?? Aus der Hand gezogen. Schwarz _muss_ sich auf das Endspiel einlassen, d.h. 29...Tb8 30.Dc4 Tc8 31. Txe8+ Txc4 32.Txf8+ Kxf8 33.Sxc4 Lxg3 34.b4 Lxf4 35.Kg1! Der g-Bauer muss auf g2 bleiben, damit Schwarz nicht zu einem Tausch kommt. Das Endspiel scheint gewonnen zu sein für Weiß. Nach 29...Da4?? stieg mein Puls auf schätzungsweise 180 angesichts des nun folgenden Finishs. 30. Txg6+ Kh8 31.Dg8+!! 1-0 Die Schlusstellung verdient ein Diagramm:

Montag, 16. Januar 2012

Entscheidung im 6. Zug?

Hallo Schachfreunde,
heute werden mal wieder paar Zeilen geschrieben: Es geht um die derzeit laufende SBRW-Meisterklasse, bei der ich nach 4 Runden mit einem ganzen Punkt Vorsprung führe. In Runde 4 traf ich auf einen Fidemeister, dessen Stärken und Schwächen mir vertraut sind und dessen Eröffnungsrepertoire ich kenne. Darum ging ich guten Mutes und gut vorbereitet in die Partie, um nach 1.e4 d5!? bereits eine psychologische Pleite zu erfahren ( Eigentlich ist er dem Rauser treu wie ein Hund). Naja, absolut unvorbereitet stand ich armer Puck nun da, fürchtend in eine Hausanalyse reinzulaufen. Es folgte: 2. exd5 Dxd5 3.Sc3 Dd8. Dies ist eine alte Fortsetzung und stellt Weiß keine großen Probleme. Derzeit gilt 3...Dd6!? als die anspruchsvollste Erwiderung. 4.Lc4 g6 5.Sf3 Lg7 6.d4 Sh6?? Er zog es ohne mit der Wimper zu zucken, doch ist dieser Aufbau sehr schwach und völlig verfehlt. Normal wäre 4...Sf6 mit kleinem Plus für Weiß. Gegen den Bauern d4 spielen zu wollen, ist eine schöne Idee, klappt aber hinten und vorne nicht. Ein doppeltes Fragezeichen erscheint hart, aber praktisch steht Schwarz bereits hier auf Verlust. Hat mein Gegner etwa keine konkreten Varianten berechnet? 7.Lf4! Einfach und stark. Das schwarze Konzept wird nun widerlegt. 7...Sf5 8.Dd2 c6?! Angesicht des darauffolgenden Massakers kann auch das nicht gut sein. Besser ist 8...0-0 9.0-0-0




Sc6 10.d5 Sa5 11.Le2 Sd6 +/-, wobei Weiß auch hier klaren Vorteil hat. 9... b5 10.Lb3! Das passive Le2 wäre deutlich schlechter, da der Läufer von b3 aus Druck auf f7 ausübt. Auf ein schwarzes a5 würde nun staubtrocken a4 folgen. 10...0-0 Bei einem Vereinsabend könnte man hier witzeln: "Rochade zur Friedhofseite", doch ist die schwarze Stellung auch ohne Rochade bereits kaum zu halten. 11.h4 h5 Traurige Notwendigkeit 12.Se5! Hier sieht man den Unterschied zwischen 10.Lb3 und Le2, denn nun droht 13.Sxg6. 12...e6 13.g4 Zögerliches Spiel kann ich mir in dieser Partie nicht vorwerfen. hxg4 14.h5 g5 Ein verzweifelter Versuch den Kampf fortzusetzen. 15.h6 Auf Sxh6 würde nun Lxg5 folgen und auf Lxh6 Txh6. Daher ist 15...Lf6 erzwungen. Und nun: 16. Sxg4!


Nach sehr aggressivem Spiel ist dieses Opfer gerechtfertigt und gewinnt sogleich. Dieses Figurenopfer gipfelt den weißen Angriffswirbel. Die Initiative ist immer eine gefährliche Sache!! 16...gxf4 Entscheidet sich satt zu sterben, warum auch nicht. 17. Sxf6+ Dxf6 18. Dxf4 In der Tat gewannen hier auch Tdg1 und Se4. 18...Kh8 Werfen wir einen Blick auf die Alternativen: a) 18...Kh7 19.Se4 Dd8 20. Tdg1 Sd7 21.Dg4 Tg8 22.Dg7+ Txg7 23. hxg7+ Sh6 24.Sg5+ Dxg5 25. Txg5 +-  
b) 18...De7 19.h7+ Kh8 20.Tdg1 Df6 21. Se4 De7 22. Dg4 +-
c)18...Sd7 19. Tdg1+ Kh8 20.Dg4 Dg6 21.Dh3 Df6 22.Se4 De7 23.Dg2+-
Ok, zurück zur Partie: 18...Kh8 19. Tdg1 Tg8 20.Txg8+ Kxg8 21.Se4 De7 Einen schönen Knockout hätte 21...Dg6 22.h7+ Kh8 23. Dc7 Sh6 24. Dxc8+ Kxh7 25. c3! Dxe4 26. Lc2 +- erlaubt.
22.De5 Sd7 23. h7+ 1-0

 Die Schlussstellung zeigt die totale Dominanz des Weißen. Tragikomisch sind der Ta8 und der Lc8. Als Fazit muss man fast sagen, dass 6...Sh6 praktisch schon der Verlustzug war und es keiner weiteren Ungenauigkeiten bedurfte, diese Partie zu gewinnen. Jedenfalls bin ich mit einem 23-Züge Start-Ziel-Sieg gegen einen eigentlich als sehr zäh geltenden FM zufrieden!

Samstag, 12. November 2011

EUROPAMEISTER!!

Wir sind Papst, Kanzlerin und seit gestern auch _EUROPAMEISTER_ im Schach. Bei den 4-er-Mannschafts-Europameisterschaften im griechischen Porto Carras konnte die deutsche Herrendelegation bestehend aus GM Arkadij Naiditsch, GM Georg Meier, GM Daniel Fridman, GM Jan Gustafsson und GM Rainer Buhmann (Ersatzbrett) an Startplatz 10 gesetzt, sensationell nach 9 Runden den Titel holen. Lediglich Bulgarien musste man sich 3-1 geschlagen geben, wobei Arkadij ein "stilles" Remisgebot ablehnte, da Meiers Niederlage bereits außer Frage stand. Bemerkenswert ist, dass nur 2 Partien in 9 Runden verloren wurden. Das einzige Mannschaftsremis waren 4 Kurzremisen gegen Israel.
Zweiter wurde am Ende Aserbaidschan, 3. Ungarn. Dieser Erfolg am 11.11.11 ist ein historischer Erfolg und der erste Sieg bei einer EM von "Team Germany", welches sich durch großen Kampfgeist und sehr mannschaftsdienliches Verhalten auszeichnete.
Das Damenteam wurde -an Platz 7 gesetzt, mit dem Ziel diesen Platz zu halten- am Ende 8. Dies ist allerdings kein schlechtes Ergebnis, und hätte Sarah Hoolt in der Schlussrunde nicht in einem akuten Anfall mehrzügiger Schachblindheit ihren Gewinn zu einem Verlust gemacht, wäre es am Ende sogar Platz 6 gewesen.

Hier, der vielleicht schönste Sieg der EM. Wie streckte Jan Gustafsson als Anziehender Zahar Efimenko nieder? (Wer die Lösung will, kann bei mir nachfragen)









Außerdem möchte ich hiermit auf die ACO, also die erst jüngst gegründete Amateur Chess Organization hinweisen, deren Sinn und Ziele auf der offiziellen Homepage erklärt sind, und die angesehene deutsche Spitzenspieler wie z.B. GM Bindrich in Führungspositionen hat. http://www.amateurchess.com/

Sonntag, 16. Oktober 2011

Koblenzer Stadtmeisterschaft 2011

Vor wenigen Wochen begann die Koblenzer Stadtmeisterschaft, die immer freitags stattfindet. Leider ist das Turnier dieses Jahr sehr schwach besetzt, sodass ich mich seit 3 Runden am Spitzenbrett rumschlage. Dennoch ist dieses Turnier recht jugendkultig und so verwundert es nicht, dass auch oben Jugendspieler mitmischen. In Runde 3 bekam ich gegen einen dieser die weißen Steine zugelost, was mich zum einen deshalb erfreute, da ich mit Schwarz in Schnellpartien 3x nicht über ein Remis hinaus kam und zum Anderen wusste, dass er Caro-Kann mit Schwarz spielt. Warum ich gerne gegen Caro-Kann spiele? Weil es mir nicht in den Sinn kommt die Hauptvarianten mit 3.Sc3 oder 3.Sd2 zu spielen, wonach Schwarz das angestrebte dröge Spiel erhält, welches oft im Remishafen mündet. Nein, ich bevorzuge einige giftigere Abspiele, und setzte meinem jungen Gegner die giftigste Variante vor, bei der ich mir sicher war, dass er sich auf sie vorbereitet, da ich sie bereits in Runde 1 anwandte. Naja, ich muss sagen, dass ich am Ende doch etwas enttäuscht war und mehr Gegenwehr erwartet hatte. Nichtsdestotrotz war meine Leistung in der Partie durchaus gut. Aber seht selbst:
1.e4 c6 2.d4 d5 3.e5 Lf5 4.Sc3 Db6!? hier fühlte ich mich etwas ertappt, da ich diesen Zug bisher nicht kannte, doch fand ich einen Weg doch noch in die Fahrwasser von 3...e6 4.g4 einzulenken. 5.f4 e6 6.g4 Lg6 7.S1e2 h5 ich hatte das Gefühl, dass mein Gegner nach f4 aus dem Buch geflogen ist, aber mit h5 spielt er mir in die Hände, da er offenbar mit der weißen Idee nicht vertraut war.  8.f5! exf5 9.g5! Die Idee ist schlichtweg die völlige Entwertung des Lg6 und die Einschnürung des Nachziehenden.

 9...Sa6 ein typisches Manöver in dieser Variante, dessen Ziel es ist, den Blockadespringer, der bald auf f4 auftauchen wird, abzutauschen. 10.Sf4 Sc7 11. Sce2 Se6 12.h4! rien ne vas plus. Der Königsflügel ist dicht, der Lg6 für lange Zeit aus dem Spiel, Schwarz mangelt es an aktiven Plänen und Gegenspiel und sogar die Entwicklung fällt ihm schwer. 12...Se7 13.Lh3 0-0-0 Diese Stellung war auch Bestandteil meiner Analysen, lediglich stand die Dame auf c7. Die Analyse ging weiter mit 0-0, doch mit der Dame auf b6 hängt immer mal wieder der Bauer e5, weshalb ich beschloss anders zu spielen. 14.a4 c5 15.a5 Dc7 16.c3 cxd4?! Das ist womöglich nicht gut, da es die c-Linie öffnet. Die Frage ist allerdings, was Schwarz tun soll, da ihm nützliche Züge wie Kb8, Sc6 irgendwann ausgehen, während Weiß einfach eine Angriffsstellung aufbaut. 17.cxd4 a6?! Auch das will mir nicht gefallen, da auf b6 nun ein Loch entsteht, das ideal als Springerbasis dient. Jedoch wäre Weiß auch nach 17...Sc6 18.Le3 Lb4+ 19.Kf2 Lxa5 20.Lg2 im Vorteil. Die schwarze Stellung ist also bereits sehr kritisch. 18.Le3 Kb8 19.0-0 Dd7 20.Lg2 paralysiert Schwarz völlig.

Sxf4 21.Lxf4! In dieser Stellung ist ein Springer auf f4 nicht mehr von Nöten, zumal ihm b6 winkt. Der Läufer droht stattdessen bereits d6+ mit Gewinn. Ka8 22. Sc3 De6 23.b4! Das ist nun wirklich zu viel für Schwarz.Weiß steht klar auf Gewinn. Sc6 24.b5 Sb4 25.bxa6 bxa6 In der Partie hielt ich das für einen Fehler, da es den König komplett öffnet, allerdings wären sowohl 25...Sxa6 26.Db3 als auch 25...Dxa6 26.Db3 nebst Ta4 völlig hoffnungslos. 26. Db3 Ka7 27.Tfc1 Sd3 Auf z.B.Le7 hätte Sa2 entschieden... 28. Sxd5 Sxc1 29.Txc1 1-0 Eine malerische Stellung: Bei Weiß ist alles total aktiv, bei Schwarz total unentwickelt, und immernoch mit dem Läufer auf g6.



Die Frage, wo Schwarz den entscheidenden Fehler beging, ist schwer zu beantworten. Die ganze Variante ist sehr schwierig für Schwarz und trotz des "Für-spielbar-haltens" des Schachprogramms, das bei positionellen Bauernopfern ein Horizontproblem hat, denke ich, dass Weiß besser steht.

Samstag, 8. Oktober 2011

Aktuelles

Ich spielte vor wenigen Tagen das Wormser Nibelungenopen. Und möchte direkt einmal auf eine interessante Partie gegen den Turnierfavoriten und nachmaligen Turniersieger eingehen.



 Diese Stellung erreichte ich als Nachziehender, die einem Spanier entsprang. Leider scheint es schwierig die Entwicklung zu beenden. 13...Se8! 14.Lb2 d5 15.Tf1 De7 hätte den weißen Vorteil jedoch auf ein Minimum beschränkt. Vom Wunsch beseelt dem Läuferpaar Geltung zukommen zu lassen, zog ich hier 13...Sb5!? (?!) 14. De4 g6 15. Lxb5


Nun bestand in 15...d5! eine ernstzunehmende Altenative. Das "Stangen-Paar" soll zum Leben erwachen. Nach z.B. Df3 käme 16...Lxc3! mit Verdoppelwhopperung der weißen Damenflügelbauern. 17.dxc3 cxb5 mit gleichem Spiel. 16.Da4?! wäre sogar schlecht, da cxb5 17.Dxb5 a6 18. Df1 d4! Schwarz die Initiative überlässt. Wie dem auch sei, ich entschied mich für 15...cxb5. 16.d4! ein starker Zug, der den Lf6 hemmt, und das Zentrum besetzt. a6 17.La3 d6 18.Tf1 und es sieht alles nach einem Start-Ziel-Sieg aus, doch durch eine List weiß ich meinen Figuren Leben einzuhauchen. 18...Lf5! Aktivität ist Trumpf. Der b7 ist völlig egal. 19.Dxb7 Tc8 20.Sd5 Lg5 21.Lxd6! Oh Schreck, oh Graus. 2 Minusbauern, was tun? Le6! Bereits bei cxb5 musste ich die Folgen dieser forcierten Abwicklung analysieren, und mein Gegner gestand nach der Partie, dass ihm dieser "Trick" entging, und dass ich das "gut berechnet" hätte. 22.Se7+ Lxe7 23.Lxe7 Ld5! Das ist des Pudels Kern:


Völlig geschockt griff er nun zu 24. Lxd8??, wonach ein Remisendspiel entsteht. Das Problem bei dem an sich starken 21.Lxd6! ist, dass Weiß in dieser Stellung tief abtauchen muss, um den Weg zu klarem Vorteil zu finden. Betrachten wir die Alternativen zu 24.Lxd8??. a) Da7!? Txc2!, darauf habe ich mich verlassen,doch Weiß schlägt mit 25. Txf7! zurück .Tc1+ 26.Kf2 Tc2+ 27.Kf1 Tc7 28.Lxd8 Txf7+ 29.Dxf7+ Kxf7 30.Ke2 Le4! und die weißfeldrige Blockade räumt Schwarz sehr gute Remisaussichten ein *_Warnung_: Endspiele mit ungleichfarbigen Läufern sind häufig Remis!!*  b)24.Dxa6! ist natürlich der kritische Test. Txc2! 25.Txf7! war es bereits dieser Zug, den mein Gegner übersah? Txg2+ 26.Kf1 Dc7 27.Tf8+ Kg7 28.Df6+ Kh6 29. Dh4+ Kg7 und nun scheint 30. Tf3 schrecklich stark zu sein, doch hält Schwarz mit 30...g5! Remis. Stattdessen ist 30.e4! stark Txh2 31.Df6+ Kh6 32. Df4+ Dxf4 33.Txf4 und Schwarz steht womöglich auf Verlust, da die Bauern d und e ihm die Bude einrennen und der K auf h6 schrecklich abgeklemmt ist, so käme auf Kg7 immer wieder Lf8+ Kg8 Lh6 mit ständiger Mattdrohung in Frage.

Ok, eine wirklich _geile_ Stellung. Aber kann man meinem Gegner einen Vorwurf machen? Es wäre interessant zu wissen, wie weit er gerechnet hat. Nach 24.Lxd8?? Lxb7 25. Lf6 Txc2 versuchte er es noch mit dem trickreichen 26.d5, das ihm in der Tat auch noch Erfolg brachte. Ich zog Kf8??, da ich mich bei den Folgen von Lxd5 völlig verkalkulierte. Nach 27.Td1 Tc6 hat Weiß kein sicheres Feld auf der Diagonale a1-h8, da auf Le5 immer f6 folgt. Die Stellung ist schlichtweg totremis. Ich zog jedoch Kf8?? erreichte eine schwierige Stellung und verlor noch. Danach holte ich allerdings noch 1,5/2 und erreichte einen versöhnlichen 7.Platz.