Samstag, 8. Oktober 2011

Aktuelles

Ich spielte vor wenigen Tagen das Wormser Nibelungenopen. Und möchte direkt einmal auf eine interessante Partie gegen den Turnierfavoriten und nachmaligen Turniersieger eingehen.



 Diese Stellung erreichte ich als Nachziehender, die einem Spanier entsprang. Leider scheint es schwierig die Entwicklung zu beenden. 13...Se8! 14.Lb2 d5 15.Tf1 De7 hätte den weißen Vorteil jedoch auf ein Minimum beschränkt. Vom Wunsch beseelt dem Läuferpaar Geltung zukommen zu lassen, zog ich hier 13...Sb5!? (?!) 14. De4 g6 15. Lxb5


Nun bestand in 15...d5! eine ernstzunehmende Altenative. Das "Stangen-Paar" soll zum Leben erwachen. Nach z.B. Df3 käme 16...Lxc3! mit Verdoppelwhopperung der weißen Damenflügelbauern. 17.dxc3 cxb5 mit gleichem Spiel. 16.Da4?! wäre sogar schlecht, da cxb5 17.Dxb5 a6 18. Df1 d4! Schwarz die Initiative überlässt. Wie dem auch sei, ich entschied mich für 15...cxb5. 16.d4! ein starker Zug, der den Lf6 hemmt, und das Zentrum besetzt. a6 17.La3 d6 18.Tf1 und es sieht alles nach einem Start-Ziel-Sieg aus, doch durch eine List weiß ich meinen Figuren Leben einzuhauchen. 18...Lf5! Aktivität ist Trumpf. Der b7 ist völlig egal. 19.Dxb7 Tc8 20.Sd5 Lg5 21.Lxd6! Oh Schreck, oh Graus. 2 Minusbauern, was tun? Le6! Bereits bei cxb5 musste ich die Folgen dieser forcierten Abwicklung analysieren, und mein Gegner gestand nach der Partie, dass ihm dieser "Trick" entging, und dass ich das "gut berechnet" hätte. 22.Se7+ Lxe7 23.Lxe7 Ld5! Das ist des Pudels Kern:


Völlig geschockt griff er nun zu 24. Lxd8??, wonach ein Remisendspiel entsteht. Das Problem bei dem an sich starken 21.Lxd6! ist, dass Weiß in dieser Stellung tief abtauchen muss, um den Weg zu klarem Vorteil zu finden. Betrachten wir die Alternativen zu 24.Lxd8??. a) Da7!? Txc2!, darauf habe ich mich verlassen,doch Weiß schlägt mit 25. Txf7! zurück .Tc1+ 26.Kf2 Tc2+ 27.Kf1 Tc7 28.Lxd8 Txf7+ 29.Dxf7+ Kxf7 30.Ke2 Le4! und die weißfeldrige Blockade räumt Schwarz sehr gute Remisaussichten ein *_Warnung_: Endspiele mit ungleichfarbigen Läufern sind häufig Remis!!*  b)24.Dxa6! ist natürlich der kritische Test. Txc2! 25.Txf7! war es bereits dieser Zug, den mein Gegner übersah? Txg2+ 26.Kf1 Dc7 27.Tf8+ Kg7 28.Df6+ Kh6 29. Dh4+ Kg7 und nun scheint 30. Tf3 schrecklich stark zu sein, doch hält Schwarz mit 30...g5! Remis. Stattdessen ist 30.e4! stark Txh2 31.Df6+ Kh6 32. Df4+ Dxf4 33.Txf4 und Schwarz steht womöglich auf Verlust, da die Bauern d und e ihm die Bude einrennen und der K auf h6 schrecklich abgeklemmt ist, so käme auf Kg7 immer wieder Lf8+ Kg8 Lh6 mit ständiger Mattdrohung in Frage.

Ok, eine wirklich _geile_ Stellung. Aber kann man meinem Gegner einen Vorwurf machen? Es wäre interessant zu wissen, wie weit er gerechnet hat. Nach 24.Lxd8?? Lxb7 25. Lf6 Txc2 versuchte er es noch mit dem trickreichen 26.d5, das ihm in der Tat auch noch Erfolg brachte. Ich zog Kf8??, da ich mich bei den Folgen von Lxd5 völlig verkalkulierte. Nach 27.Td1 Tc6 hat Weiß kein sicheres Feld auf der Diagonale a1-h8, da auf Le5 immer f6 folgt. Die Stellung ist schlichtweg totremis. Ich zog jedoch Kf8?? erreichte eine schwierige Stellung und verlor noch. Danach holte ich allerdings noch 1,5/2 und erreichte einen versöhnlichen 7.Platz.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen